Rheinbahn setzt in Düsseldorf auf Sammeltaxis

Verkehr : Rheinbahn setzt in Düsseldorf auf Sammeltaxis

Kleine Elektro-Busse und Großraumtaxis sollen bald per App bestellt werden können. Fahrgäste mit ähnlichen Zielen können zusteigen. Randgebiete sollen so auch besser angebunden werden.

Zu Beginn des nächsten Jahres sollen auch in Düsseldorf Sammeltaxis durch die Stadt fahren, die die Fahrgäste per App bestellen können. Nach der Eingabe von Start und Ziel bekommt der Nutzer ein buchbares Angebot. Die Software der Rheinbahn-App soll dann dafür sorgen, dass Passagiere mit ähnlicher Route zusteigen können. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte die Rheinbahn, dass sie zehn Elektro-Mini-Busse und zusammen mit der Taxigenossenschaft 90 Großraumtaxis zu diesem Zweck auf die Straße bringen wolle.

Ridesharing nennt sich das Prinzip, um das vor allem in großen Städten bundesweit eine heiße Debatte entbrannt ist. In Berlin etwa fährt die BVG in Kooperation mit Daimler mit dem „BerlKönig“ durch die Stadt. Taxifahrer laufen dagegen Sturm. Clever-Shuttle bietet zudem mit der Deutschen Bahn im Rücken unter anderem dort einen ähnlichen Dienst an. Moia ist mit seiner Mutter Volkswagen in Hannover unterwegs und steht kurz vor seinem Start in Hamburg. Doch ist dieses  Konzept tatsächlich die goldene Zukunft des Stadtverkehrs, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ vor kurzem fragte? Schwer zu sagen. Bei Verkehrsforschern und Politikern ist die Sorge groß, dass dieses Angebot nicht weniger, sondern mehr Autoverkehr zur Folge hat.

Genau das treibt natürlich auch die Rheinbahn um. Sprecher Georg Schumacher verweist auf das Beispiel Uber und Lyft in New York, wo die Zahl der zurückgelegten Kilometer mit dem Auto  nach der Einführung deutlich gestiegen sei. „Wir wollen natürlich nicht, dass Sammeltaxis zu massiven Verlusten beim ÖpnV führen. Das wäre auch nicht im Sinne der erforderlichen Verkehrswende.“

Die Rheinbahn strebt deshalb eine Integration des neuen Dienstes in ihr Gesamtsystem an. Sammeltaxis sollen eine Ergänzung zu Bussen und Bahnen sein und keine Konkurrenz. Konkret soll das etwa funktionieren, in dem die Sammeltaxis und Mini-Busse nur zu bestimmten Zeiten in der Stadt unterwegs sind, in denen das Angebot der Rheinbahn nachlässt. In der Innenstadt sollen die Fahrten deshalb nur von 17 bis 1 Uhr buchbar sein. Zu diesem Geschäftsgebiet zählen auf der linken Rheinseite Oberkassel und Niederkassel, auf der rechten reicht es von Golzheim im Norden bis Bilk im Süden sowie Flingern im Osten.

Die Sammeltaxis sollen nur zu bestimmten Tageszeiten fahren

Ein besonders wichtiges Ziel ist laut Schumacher allerdings auch die Anbindung der Randgebiete mit der Innenstadt. Hier sollen die „On-Demand-Busse“ montags bis freitags von 6 bis 1 Uhr und am Wochenende von 10 bis 1 Uhr unterwegs sein. Zu den Außengebieten zählt die meistfrequentierte Hauptroute durch Eller, Vennhausen und Unterbach über Vennhauser Allee und Rothenbergstraße. Auch Teile von Knittkuhl, Ludenberg und Hubbelrath sind mit aufgenommen worden, rund um die Hauptachsen Bergische Landstraße, Erkrather Landstraße und Knittkuhler Straße. Möglicherweise werden auch Teile von Gerresheim mit aufgenommen. Schumacher betont zudem, dass nicht nur die Geschäftsgebiete, sondern auch die Zeiten nicht in Stein gemeißelt seien. Vielmehr könnte beides je nach Nutzungsgrad angepasst werden. „Wir müssen jetzt ja auch erstmal lernen, wie das Modell angenommen wird.“

Klar ist allerdings: Die Fahrgäste werden nicht bis vor die Haustür gebracht oder genau am Standort abgeholt, vielmehr wird in der App ein System aus virtuellen Haltestellen hinterlegt.

Preislich liegen die Sammeltaxis zwischen Bus und Bahn sowie klassischen Taxis. Bis zu zwei Kilometer sind 3,20 Euro fällig, bis fünf Kilometer 5,90 Euro und bis zehn Kilometer 8,70 Euro. Abo-Kunden der Rheinbahn sollen das Angebot günstiger nutzen dürfen. Hier liegen die Preise etwa ein Drittel darunter.

Die wirtschaftliche Perspektive sieht die Rheinbahn unterm Strich so: In der Innenstadt soll möglichst ein kostendeckender Betrieb möglich sein, Randgebiete müssten jedoch von der Stadt Düsseldorf finanziert werden.

Im Gegensatz zu Berlin haben in Düsseldorf auch Taxifahrer ein Interesse am System. Während die Rheinbahn davon profitiert, dass die Taxis flexibel eingesetzt werden können, um Nachfragespitzen abzudecken, erschließen sich den Taxigesellschaften neue Einnahmequellen.

Und auch die Verkehrswende soll ein Stück vorankommen. Schumacher: „Es geht darum, den ÖpnV noch attraktiver zu machen. So schaffen wir immer mehr Anreize dafür, dass eigene Auto abzuschaffen.“

Offen ist die Frage, welche Chance andere Anbieter von Ridesharing in Düsseldorf haben. Laut Stadt liegt zurzeit keine Anfrage vor. Clever-Shuttle sagt allerdings auf Anfrage unserer Redaktion. „Wir sind zuversichtlich, dass wir Clever-Shuttle noch in diesem Jahr nach Düsseldorf bringen.“ Ingo Pähler, Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, sagt allerdings, dass solche Angebote „im Zusammenspiel mit der Rheinbahn funktionieren müssten“. Auch er warnt, dass der Autoverkehr ansonsten zunehmen könne. Viel dürfte deshalb davon abhängen, ob die von Verkehrsminister Andreas Scheuer angestrebte Privatisierung des Personenbeförderungsgesetzes umgesetzt wird. Bislang dürfen Sammeltaxis nämlich nicht ohne Erlaubnis der Kommune und dann nur zu Testzwecken unterwegs sein.