Rheinbahn in Düsseldorf Der Rheintakt im ersten Praxis-Check

Düsseldorf · Seit Sonntag fährt die Rheinbahn nach einem neuen Fahrplan, mit neuen Linienwegen und einer verbesserten Taktung. Wie es mit dem Rheintakt läuft, haben wir uns an verschiedenen Stellen in der Stadt angesehen.

Die Stadtbahnlinie U72 – hier an der Haltestelle am Karolingerplatz – fährt seit dem Start des Rheintaktes am Montag über Bilk bis nach Benrath.

Die Stadtbahnlinie U72 – hier an der Haltestelle am Karolingerplatz – fährt seit dem Start des Rheintaktes am Montag über Bilk bis nach Benrath.

Foto: Anne Orthen (orth)

Die Rheinbahn war am Dienstag zum ersten Mal regulär an einem Werktag nach dem neuen Fahrplan „Rheintakt“ unterwegs – am Wochenanfang hatte die Demonstration der Landwirte noch für Störungen gesorgt. Vorstand Michael Richarz hatte sich am Montagabend zufrieden mit der Umstellung gezeigt. So habe es nach dem Start am Sonntag nur bei einer Lichtsignalanlage gehakt, insgesamt 90 Anlagen waren umgestellt worden. Auch bei der Fahrtanzeige habe es nur an einer Stelle Probleme gegeben. Richarz erklärt, dass eine seriöse Bilanz erst nach mehr als einem Jahr möglich sein wird. Wir haben Stichproben gewagt.

Landtag

Eine von der Rheinbahn hervorgehobene Verbesserung ist ein 2,5-Minuten-Takt zwischen Landtag und Graf-Adolf-Platz zur „Hauptverkehrszeit“. Was das heißt, zeigt ein Blick auf den Fahrplan. Das Versprechen wird demnach nur zwischen 7 und 9 Uhr gehalten, wenn die 708 im Zehn-Minuten-Takt fährt. Selbst dann gibt es auch mal einen Abstand von vier Minuten nach Fahrplan. Sogar acht Minuten beträgt der Abstand zwischen den Linien in den Mittagsstunden.

Nach 9 Uhr kam es am Dienstagmorgen zu ordentlichen Verspätungen, sodass dann in Richtung Bilker Kirche auch mal sechs Minuten zwischen 706 und 709 lagen. Bilderbuchmäßig lief es gegen 9.30 Uhr in Richtung Innenstadt und gegen 10 Uhr auch wieder nach Plan in die andere Richtung – bis auf den plötzlichen Ausfall der Fahrten-Anzeige.

Stadtmitte

Die Achse zwischen Hauptbahnhof und Heinrich-Heine-Allee verbindet Regio- und Fernverkehr mit der Düsseldorfer Innenstadt. Fünf U-Bahnlinien (U75, U76, U77, U78, U79) verkehren auf dieser Strecke, der Rheintakt verspricht hier einen 2,5-Minuten-Takt. Bei unserem Test an der Oststraße funktioniert dieser am Dienstagmorgen in Richtung Hauptbahnhof einwandfrei. Spätestens alle zweieinhalb Minuten rollen Bahnen ein, die Fahrgäste in Richtung Hauptbahnhof bringen, meist müssen sie nicht einmal eine Minute lang warten. In Richtung Heine-Allee dauert es punktuell länger, einmal knapp viereinhalb Minuten. Grund dafür war vermutlich eine Fahrleitungsstörung in Lohausen auf der Linie U79, statt Bahnen wurden Ersatzbusse eingesetzt. Am Nachmittag läuft dann alles wie versprochen: Zwischen Heinrich-Heine-Allee und Hauptbahnhof verkehren Bahnen alle zweieinhalb Minuten.

Kirchplatz

An der U-Bahnstation der Wehrhahn-Linie halten zwar immer noch U71, U83 und U72, allerdings fährt Letztere jetzt über die Heine-Uni nach Benrath, während die ersten beiden Linien zur Hellriegelstraße nach Volmerswerth geführt werden. Iko Tönjes vom Verkehrsclub äußerte die Sorge, dass die U71 jetzt zu häufig nur mit einem Fahrzeug unterwegs sein könnte. Das bestätigte sich aber bei Stichproben am Montag und Dienstag nicht, als immer zwei Fahrzeuge unterwegs waren. Jedoch war etwa am Dienstag um kurz vor 12 Uhr in Richtung City einige Minuten Verspätung festzustellen. Der auf die U72 wartende Student Julius Kirchmeyer (18) hofft darauf, dass mit der U72 jetzt verlässlich mehr Kapazitäten für den Weg zur Uni bereitstehen.

Nordstraße

Düsseldorfer sollen dank des Rheintaktes Anschlüsse besser erreichen – unter anderem wenn sie mit den Linien 701, 705 und 707 unterwegs sind. An der Haltestelle „Dreieck“ an der Nordstraße treffen genau diese drei Linien aufeinander. Am Dienstagmittag klappt dort alles einwandfrei, die Bahnen treffen pünktlich ein. So bleiben etwa sechs Minuten Zeit für einen Umstieg von der 705 (Unterrath bis Bilk) in die 701 (Rath bis Eller). Auch eine wartende Seniorin ist mit den Umstiegsmöglichkeiten zufrieden. „Für mich war es aber früher bequemer, da konnte ich von Unterrath bis nach Eller durchfahren“, sagt sie.

Stockum bis Wersten

Zwischen dem Freiligrathplatz im Düsseldorfer Norden und der Werstener Dorfstraße im Süden verspricht der Rheintakt einen Fünf-Minuten-Takt. Mit Blick auf den Netzplan kann das irritieren. Denn es gibt nur eine Linie, die diese Haltestellen in zehnminütigen Abständen direkt verbindet: Die U79. Die kürzere Frequenz kommt durch zwei weitere Linien zustande: Zwischen Freiligrathplatz und Hauptbahnhof bildet die U79 zusammen mit der U78 einen Fünf-Minuten-Takt. Ab Heinrich-Heine-Allee bis Werstener Dorfstraße ergänzt die U76 die Linie.

Oberkassel bis Lierenfeld

Zwei Linien verbinden den Belsenplatz im Linksrheinischen mit der Stadtmitte und führen bis zum Betriebshof in Lierenfeld: Die U75 und die U77. Mit dem Rheintakt sollen diese Bahnen alle fünf Minuten kommen und so einen gleichmäßigen Takt zwischen Ost und West garantieren. An der Haltestelle Oststraße klappt das an diesem Morgen weitestgehend, es kommt nur zu kleineren Verspätungen. Die Bahnen rollen in Abständen von vier bis sieben Minuten ein.

Holthausen

Der südliche Stadtteil ist über zwei Linien an die Innenstadt angebunden (U76 und U72). Zum Start des Rheintaktes hatte Iko Tönjes Bedenken über die Pünktlichkeit der U76 geäußert. Schließlich sei die Strecke von Holthausen bis Krefeld, die die Bahnen auf der Linie zurücklegen, sehr lang. Bei unserem Test kam es auch sowohl am Dienstagmorgen als auch nachmittags zu Verspätungen. Das führte dazu, dass teilweise zwei Fahrzeuge innerhalb von zwei Minuten direkt aufeinanderfolgten. Eigentlich soll auf der Strecke ein Zehn-Minuten-Takt eingehalten werden. Am Morgen sorgte eine Fahrzeugstörung im Bereich des Comenius-Gymnasiums für Verspätungen. Anders als mit der U72, die über Bilk fährt, gelangen Holthausener mit der U76 direkt zum Hauptbahnhof.

Benrath

Von Benrath aus fährt die U72 unter anderem zur Heine-Allee in die Innenstadt und weiter bis nach Ratingen. Am Dienstagmorgen kommt es auf der Strecke zu teilweise großen Verspätungen. „Ich warte schon seit mehr als 20 Minuten auf die Bahn in Richtung Ratingen“, sagt ein wartender Fahrgast im Stadtsüden. In die andere Richtung läuft es besser: Dort fahren mit geringfügigen Verzögerungen von wenigen Minuten die Bahnen in Benrath ein. Auf der automatischen Anzeigetafel ist von Störungen im Bereich Benrath zu lesen.