Düsseldorf: „Revolvermann“ bekämpft den Rufmord

Düsseldorf: „Revolvermann“ bekämpft den Rufmord

„Die Revolvermänner“ kümmern sich um den Ruf von Privatleuten und Unternehmen. Zu ihren Kunden gehören Dax-Konzerne und Prominente.

Düsseldorf. Reputationsmanagement heißt im Fachdeutsch das, was Christian Scherg und seine Firma Revolvermänner verkaufen. Was kompliziert klingt beinhaltet einen auf den ersten Blick simplen Arbeitsauftrag: Der gute Ruf des Klienten soll aufgebaut und geschützt werden. „Bei Reputation geht es um Vertrauen, Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Man braucht lange um sie aufzubauen und nur Sekunden, um sie wieder zu zerstören“, erklärt Scherg.

Er ist darauf bedacht, seine Arbeit von der des Marketings oder der Öffentlichkeitsarbeit abzugrenzen. Es sollen keine falschen Bilder verkauft werden. Stattdessen soll der Kunde wieder dem Bild entsprechen, das er abgeben möchte. Mit dieser Geschäftsidee hat sich Scherg vor acht Jahren selbstständig gemacht. Zunächst in der eigenen Wohnung in Essen: „Ich habe nur mit einem Computer und einem Schreibtisch in meiner Wohnung angefangen.“

Es ist die klassische Start-up-Geschichte, die natürlich auch sehr eng mit der Verbreitung des Internets und der sozialen Netzwerke zusammenhängt: „Mittlerweile bewertet jeder im Internet Produkte und holt sich Empfehlungen von anderen. Jeder kann Nachrichten oder Gerüchte rasend schnell verbreiten“, so Scherg. Dementsprechend schnell kann es auch zu Diffamierungen kommen, auf die Scherg und seine Kollegen achten müssen. „Fast jede Krise hat heute mit dem Internet zu tun.“

Den zweiten Anstoß für seine Firma bekam der Diplom-Filmproducer bei seinem alten Arbeitgeber, der Produktionsfirma Endemol. „Damals fing es an, dass nicht nur Prominente, sondern auch einfache Menschen ins Fernsehen gehen. Diese 15 Minuten Ruhm haben aber auch ihre Kehrseite.“ Denn was einmal über eine Person verbreitet wurde, verschwindet kaum wieder: das Internet vergisst nicht. Nach drei Jahren Anfangszeit in Essen ging es für die Revolvermänner 2009 nach Düsseldorf, erst auf die Schiessstraße, dann zur heutigen Adresse an die Burgunderstraße. „Für Reputationsmanagement ist Düsseldorf einfach passend. Außerdem haben wir die gute Anbindung zum Flughafen. Denn unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland.“

Häufig kommen Unternehmen oder Einzelpersonen erst auf Scherg zu, wenn sie schon mitten in der Krise stecken. „Das ist eigentlich zu spät. Am einfachsten ist es, wenn man es gar nicht erst so weit kommen lässt.“ Die Arbeit seiner Agentur unterscheidet er in drei Phasen: Prävention, Intervention und Rehabilitation. Dafür hat die Firma spezielle technische Mittel. „Unser Programm scannt permanent das komplette Internet nach Auffälligkeiten“, so Scherg. Sobald besonders viele negative Beiträge zu einem Klienten oder einem Produkt gefunden werden, schlägt es Alarm, damit der „Shitstorm“ am besten sogar noch verhindert werden kann. Aber nur, wenn es auch ernstzunehmende Kritik ist: „Wenn auf der Seite eines Getränkeherstellers 200 Menschen schreiben, sie mögen das Getränk nicht, weil sie lieber das Konkurrenzprodukt trinken, ist das für uns kein Problem. Wenn aber 200 Personen schreiben, dass sie sich an der Dose geschnitten haben, müssen wir handeln.“

Das Programm zum Auslesen des Internets lässt sich auch für andere Dinge nutzen: „Wir machen damit auch Wahlprognosen und waren bei der letzten Bundestagswahl näher dran, als manche Umfrageinstitute“, sagt Scherg. Falls es doch mal zu einer Krise für ein Unternehmen kommt, sollen die Mitarbeiter gut vorbereitet sein. Dafür gibt es extra eine „Shitstorm-Simulation“, bei der die Mitarbeiter im Minutentakt mit neuen Negativmeldungen, Presseanfragen und ähnlichem „beschossen“ werden. Dabei einen kühlen Kopf zu bewahren, sei nicht einfach. Diskretion ist in diesem Geschäftsbereich Pflicht.

Entsprechend zurückhaltend äußert sich Scherg auf die Frage nach seinen Kunden und lächelt konkrete Nachfragen weg. Nur so viel kann er verraten: „Ein Großteil der Dax-Konzerne war schon Kunde bei uns. Viele kommen aber nur in bestimmten Fällen und Produkten zu uns, einige lassen sich langfristig betreuen.“ Rund 50 Kunden habe die Firma im Moment. Dazu zählen neben Firmen auch Sportler, Politiker und Schauspieler. „Die einzige, die die Zusammenarbeit mit uns öffentlich gemacht hat, ist Frau Wulff.“ Die ehemalige First Lady der Bundesrepublik hatte versucht, gegen das Gerücht vorzugehen, sie habe für einen Escort-Service gearbeitet.