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Rehacare-Messe in Düsseldorf bietet viele Neuheiten

Messe : Rehacare-Messe in Düsseldorf: Das sind die Neuheiten

Die Rehacare-Messe präsentiert erstaunliche Hilfsmittel für Alte und Behinderte, wie einen Gehstock mit GPS oder Steuerungen durch Gedankenkraft.

Eine alternde Gesellschaft, ständige Fortschritte im Bereich Rehabilitation und Pflege, getrieben nicht zuletzt durch die allgegenwärtige Digitalisierung: Kein Wunder, dass die Fachmesse Rehacare wächst und wächst. In diesem Jahr sind es bereits fast 1000 Aussteller aus 42 Ländern, die in sechs Messehallen viele Neuheiten insbesondere in den Bereichen Mobilität, Kommunikation und Alltagshilfen zeigen. Seit 1977 schon findet die Messe in Stockum statt, bis 2000 noch unter dem Namen „Reha“. Hier die interessantesten Themen und Aspekte der Messe, die noch bis zum Samstag, 29. September, auf dem Messegelände stattfindet.

Was sind diesmal die Themenschwerpunkte?

Gehstöcke können heute mehr als nur stützen: Einige werden sogar mit GPS und mehr ausgestattet. Foto: dpa/Christophe Gateau

Im Mittelpunkt stehen viele normale Aspekte des selbstbestimmten Lebens, die auch für Menschen mit Behinderung immer selbstverständlicher dazugehören: Wohnen daheim, Sport treiben, Reisen unternehmen oder Autofahren. So präsentieren mehrere Autohersteller vor Halle 6 ihre Wagen für behinderte Fahrer, die man dort auch gleich probefahren kann. Und dann natürlich die Digitalisierung: Weil die aber für nicht wenige Senioren eher ein angstbesetztes Reizwort ist und Menschen mit Behinderung zum Beispiel das Internet erwiesenermaßen unterdurchschnittlich nutzen, stehen Hilfsmittel für einen barrierefreien Zugang in die digitale Welt im Mittelpunkt. Vor allem beim Forum „M-Enabling“ am 27. September, das sich um die Förderung inklusiver Informations- und Kommunikationstechnik und viele digitale Hilfen für die Nutzer dreht.


Was sind die spannendsten Produkt-Neuheiten?

Sehr sportlich ging es bei den Basketballspielern im Rollstuhl zu. Foto: Messe Düsseldorf

Am spektakulärsten klingt sicher der „Gedankensteuerer“ der Schweizer Firma Cybathlon. Züricher Wissenschaftler arbeiten an einem System, bei dem Gehirn-Computer-Schnittstellen Hirnsignale messen und damit quasi Gedanken lesen. Das Ziel: Dass Menschen mit schweren Behinderungen einen Computer, Roboter oder Rollstuhl steuern können. Messebesucher können das bei einem über Headset gesteuerten Computersystem selbst ausprobieren. Roland Sigrist von Cybathlon bremst jedoch zu große Euphorie, bei der Gedankensteuerung als Hilfsmittel sei man noch „ziemlich am Anfang“.

Ansonsten sticht der vernetzte Gehstock „Smartstick“ mit integrierter Elektronik, GMS-Modem und Sim-Karte heraus (Halle 4, Stand A40). Für Kinder gibt es in Halle 3 (Stand A74) einen Laufhelfer auf drei Rädern, mit Lenker, Sattel und Bremse. Mit dem Orthesensystem „C-Brace“ sollen Menschen, deren Muskulatur am Knie ganz oder teilweise gelähmt ist, ihr Bein wieder beugen und so auch Treppen hinuntersteigen können (Halle 6/ A37). Menschen mit neurologischen Erkrankungen, etwa Rückenmarksverletzungen, sollen mit einem „Exoskelett“ besser gehen können (Halle 4/ B48).

Segensreich für Menschen, deren Hand wegen eines Tremors zittert, ist der unterstützende Maus-Adapter „Amaneo“, der aus den Zitterbewegungen die gewünschte Aktion errechnen kann, sodass die Nutzer auch normale Smartphones bedienen können (Halle 5/ C10). Die „Smarte Matratze“ behütet Pflegebedürftige und entlastet Angehörige, indem Sensoren Bewegungen und Körperfunktionen des Liegenden erfassen und über eine App auf ein Smartphone übertragen können.


Kann denn jeder solche modernen Hilfsmittel bekommen?

In der Verfügbarkeit liegt oft die Crux, zumal für Kassenpatienten. Man sieht auf der Messe etwas tolles, weiß aber nicht, ob man es kriegen kann und ob die Kosten erstattet werden. „Leider gehen oft Jahre ins Land, bis viele technische Neuheiten von Menschen mit Behinderungen auch genutzt werden können“, sagt Martin Danner von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG).

Ein Problem ist, dass Neuheiten oft nicht in das für die Verschreibung maßgebliche Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen gelangen. Oder, dass dort immer noch auch veraltete Geräte (z.B. analoge Hörgeräte) stehen und dem Patienten angedreht werden. Erste Maßgabe bei der Kostenerstattung durch die Kassen ist nach wie vor die medizinische Notwendigkeit eines Produktes.

Warum werden andererseits genehmigte Hilfsmittel oft nicht genutzt?

Weil die Nutzer mit den technischen Anforderungen der Geräte allein gelassen werden. Experten schätzen, dass etwa 30 Prozent der Hilfsmittel buchstäblich im Nachttisch vergammeln, weil die Menschen mit ihnen nicht klarkommen. Das ungenutzte Hörgerät ist da ein klassisches Beispiel. ,Danner: „Deshalb ist eine gute, verständliche Einweisung so wichtig.“

Was bietet die Messe an Sonderveranstaltungen und Foren?

„Leben im Quartier digital gestalten“ ist das Leitthema des Rehacare-Kongresses am 28. September. Telemedizin oder Online-Plattformen zur Vernetzung mit Nachbarn oder Dienstleistern sollen länger ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld ermöglichen. Cybathlon, Das Rehacare-Forum in Halle 3 lädt zu Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Erfahrungsaustausch rund um Themen wie Pflege, Leben und Wohnen im Alter, Demenz, Wundversorgung, Mobilität und Kultur, Inklusion in der Arbeitswelt, aber auch Patiententrechte und Ansprüche bei der Hilfsmittelversorgung.