Rednerprofi: „Üben Sie die Rede, trauen Sie sich“

Rednernacht : Rednerprofi: „Üben Sie die Rede, trauen Sie sich“

Malte W. Wilkes ist Redner-Profi und auch bei der ersten Rednernacht am Mittwoch im Savoy dabei. Im Interview gibt er Tipps, die jeder anwenden kann.

Wenn am Mittwoch zum ersten Mal die Düsseldorfer Rednernacht unter dem Motto „Power für Privat-Nachdenker“ im Savoy-Theater stattfindet, ist er mit von der Partie: Malte W. Wilkes. Er ist Redner, Buchautor und Management Consultant.

Der Vizepräsident der Düsseldorfer Toastmasters, die den Abend initiiert haben und organisieren, wird dann als ein Redner über „Gewaltfreiheit und Gandhi“ Neues auspacken. Acht kurzweilige Reden sollen die Zuhörer anregen, zum Nachdenken auffordern und bewegen.

Das Versprechen der Düsseldorfer Toastmasters: Jeder kann etwas mit nach Hause nehmen, das lebensnah und praktisch sofort umgesetzt werden kann. Ein Gespräch über Reden, Lampenfieber und Black-Outs.

Herr Wilkes, wer sind die Düsseldorfer Toastmasters und was machen sie?

Malte W. Wilkes: Der Rede-Club der Düsseldorfer Toastmasters wurde 2005 gegründet. Seither hat die Mitgliederzahl kontinuierlich zugenommen, so dass wir aktuell mit 150 Mitgliedern der größte Club Europas und der fünftgrößte der Welt in der internationalen Toastmaster-Familie sind. Ein Teil unserer Mitglieder spricht außer Deutsch eine andere Muttersprache. Wir bieten aber nicht nur deswegen für alle Mitglieder Clubabende in Deutsch und Englisch an. Bei uns treffen sich in etwa gleich viele Frauen wie Männer. Unsere Mitglieder sind zwischen 18 und 75 Jahre alt. Wir alle lernen anhand eines Konzepts frei vor Publikum zu reden, indem wir Reden, Vorträge und Präsentationen vorbereiten, spontane Reden halten oder andere Sprecherrollen übernehmen. Diese präsentieren wir dann vor den anderen Mitgliedern. Im Anschluss gibt es konstruktives, aber immer wertschätzendes Feedback. Es wird nicht nur die Rede insgesamt bewertet, sondern auch der Auftritt, Gestik und das ganze erlernbare Redehandwerkszeug.

Warum ist das gegenseitige Feedback so wichtig?

Wilkes: Es braucht eine Kontrolle. Wenn ich nicht weiß, was eine Metapher ist, dann kann ich sie nicht richtig einsetzen. Die Zuhörer geben mir Tipps, was ich persönlich ausbauen könnte. So wird man immer besser. Bei spontanen Reden zu einem unbekannten Thema ist es zum Beispiel ratsam, nicht mit der Fragestellung zu lange zu kämpfen („Sag mal schnell was zur Stadtentwicklung“), sondern lieber die Zuhörer zu verblüffen. Setzen Sie durchaus starke Behauptungen gegen schwache Beweise. („Städte mit zu viel Schatten und zu wenig Bäumen haben mehr Kriminalität“). Schließlich ist die sogenannte Wahrheit immer individuell und eben eine Meinung. Hauptsache der Auftritt wirkt selbst bei solchen Spontanaussagen sicher.

Wie kann ich ein guter Redner werden?

Wilkes: Man muss Reden, Vorträge und Präsentationen reden und nicht nur schreiben. Üben Sie die Rede und trauen Sie sich. Bleiben Sie am Ball, bleiben Sie aktiv, schulen und trainieren Sie sich. Übung macht den Meister. Natürlich gibt es Menschen, die kommen in einen Raum rein und wirken allein durch ihre Performance. Aber keiner von uns hat ein angeborenes Rede-Gen. Der eine startet aufgrund seines familiären Hintergrundes vielleicht ein bisschen besser, der andere etwas schlechter. Das ist schon alles.

Was mache ich gegen Lampenfieber oder einen Black-Out?

Wilkes: Hänger sind nicht schlimm. Die kennt jeder, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener. Bei meiner ersten Rede vor nun gut 30 Jahren bin ich ohnmächtig geworden vor Aufregung. Jemand hat mir ein Glas Wasser in mein Gesicht geschüttet und ich bin aufgestanden. Dann habe ich weitergemacht. Hätte ich mich damals nicht gezwungen, den Faden wieder aufzunehmen, wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Mittlerweile habe ich über 1000 Reden gehalten und noch heute habe ich Lampenfieber. Wenn man keines hat, ist das sogar schlecht. Druck gibt es schließlich immer und überall im Leben. Durch Üben und Routine lernen wir mit der Drucksituation umzugehen. Pumpen Sie sich mental auf und denken Sie: Ich kann es, ich bin vorbereitet, ich beherrsche das Handwerk. Und bei einem Black-Out funktioniert Selbstironie gut: „Meine Mutter hat immer gesagt, ich sollte den Mund halten. Jetzt wäre sie wohl begeistert.“ Oder arbeiten Sie mit Transparenz: „Freunde, ich hänge jetzt gerade und deswegen hole ich kurz meinen Spickzettel aus der Tasche“. Dann läuft die Sache wieder. Das Publikum ist fast immer auf ihrer Seite und will Sie gewinnen sehen.

Vier Tipps von Ihnen, wie eine Rede gelingen kann?

Wilkes: 1. Kennen Sie ihr Thema sehr gut. Kennen Sie ihre Kernbotschaft, was soll Ihr Zuhörer von Ihnen konkret lernen? 2. Welchen Wirkung wollen Sie erzielen? Wollen Sie unterhalten oder informieren, überzeugen oder inspirieren? 3. Lerne deinen ersten und deinen letzten Satz auswendig, dazwischen kommst du dann schon zurecht. 4. Bereite eine einfache Struktur vor. Drei Punkte reichen oft. Ob die Rede nun fünf oder 20 Minuten dauert.

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