1. NRW
  2. Düsseldorf

Rechtsanwalt auf der Anklagebank

Rechtsanwalt auf der Anklagebank

Jurist (41) verantwortet sich wegen Körperverletzung, Nötigung und Anstiftung zur Rechtsbeugung.

Düsseldorf. Er vertritt Recht und Gesetz, begleitet Straftäter zum Prozess. Nun soll der Düsseldorfer Rechtsanwalt allerdings selbst mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein. Vier Anklagen liegen gegen den 41-jährigen Juristen vor. Anstiftung zur Rechtsbeugung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Körperverletzung und Nötigung - die Liste der Vorwürfe ist lang.

So soll der 41-Jährige im Juni 2005 mit seinem Boots-Anhänger auf dem Bürgersteig geparkt haben. Angeblich hatte der Anhänger kein vorgeschriebenes Kennzeichen. "Drücken Sie doch ein Auge zu", soll er die Polizisten aufgefordert haben. Für die Staatsanwaltschaft ist das eine Rechtsbeugung. Der Angeklagte bestreitet inzwischen, den Anhänger dort geparkt zu haben - und auch, dass er ihm überhaupt gehöre.

Bereits im Februar soll er einen Radfahrer mit seinem Geländewagen so stark bedrängt haben, dass der Radler das Gleichgewicht verlor und gegen einen Lkw prallte. "Ich bin langsam hinter ihm hergefahren. Dann hat er plötzlich einen Schlenker gemacht", sagte der angeklagte Rechtsanwalt. Er räumte jedoch ein, bei dem Überholmanöver ein Handy am Ohr gehabt zu haben. "Das ist blöd gelaufen."

Weiterer Vorwurf: Im Januar 2003 soll er in einer Pizzeria in der Altstadt die Contenance verloren und zwei Gäste nach einem Streit geschlagen haben. Dazu wollte er gestern keine Angaben machen. "Ich will erst einmal abwarten, was die Zeugen sagen."

Auch als Vemieter einer Wohnung an der Herzogstraße soll er für Negativ-Schlagzeilen gesorgt haben. Weil die Mieterin mit den Zahlungen in Rückstand geraten sei, soll er während ihrer Abwesenheit die Schlösser der Wohnungstür ausgetauscht haben.

Für den Juristen steht seine Zulassung als Anwalt auf dem Spiel. Susanne Offermann-Burckart, Hauptgeschäftsführerin der Anwaltskammer: "Die Zulassung wird widerrufen, wenn der Anwalt wegen eines Verbrechens zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wird." Der Prozess geht weiter.