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Düsseldorf: Rauchverbot: Es läuft nicht rund

Düsseldorf : Rauchverbot: Es läuft nicht rund

Zuweilen wird das Verbot noch umgangen, Raucher vor der Tür führen zu Lärmbeschwerden. Das Kneipensterben gab es bislang nicht.

Düsseldorf. Es gibt sie noch, die letzten Refugien der Kneipenquarzer. Es ist nicht lange her, dass ein WZ-Mitarbeiter zu vorgerückter Stunde in der Altstadt einen Kellner plötzlich mit qualmender Zigarette in der Hand sah. Die Gelegenheit nahm er beim Schopfe und fragte ihn nach einem Aschenbecher. Im nächsten Moment stand dieser auf dem Tisch — Rauchverbot adé.

Auch in Oberbilk gibt es Kneipen, in denen sich so mancher im Nebenraum mal einen anzündet. Eine Wirtin verlangt dann mitunter einen Euro für jeden Glimmstängel — schließlich riskiere sie eine Strafzahlung ans Ordnungsamt. Angeblich soll sie mit dem auch schon zu tun gehabt haben, angerufen von einem gar nicht weit entfernt beheimateten Konkurrenzbetrieb. Dem hat es nicht gepasst, dass ein Teil seiner nikotinaffinen Kundschaft zur raucherfreundlichen Konkurrenz abwanderte.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die Landesregierung per Gesetz die Ausnahmen aus dem Nichtraucherschutz verbannte — und die letzten Raucher aus Kneipen und Restaurants. Viele haben sich daran gewöhnt, sind froh über die bessere Luft. Vor allem die Eckkneipen klagten im Vorfeld, vielen wurde das baldige Ende prognostiziert.

Wie sieht es heute aus? Josef-Peter Broich führt das „Zum Jupp-Pitter“ an der Suitbertusstraße: „Es kommen viel weniger Leute als früher. Bei Regen brauche ich gar nicht aufzumachen.“ Seit neun Jahren führt er die Kneipe. „Die zehn wollte ich schaffen, dann mache ich zu.“

Ein typisches Beispiel? Rainer Spenke von Gaststättenverband Dehoga sieht das so. „Einzelne Kneipen sind sicher daran zugrunde gegangen.“ Statistisch sei das aber nicht erfasst, es sei ja auch nicht möglich, bei einer Aufgabe einen einzelnen Grund klar zu benennen. Für die Statistiker ist zudem die Definition von „Kneipe“ nicht einfach. Die Stadt fasst ohnehin alle gastronomischen Betriebe zusammen. Beim statistischen Landesamt gibt es dagegen die Kategorie Schankwirtschaft, allerdings sind die jüngsten Zahlen von 2013. Zuletzt pendelte die Zahl der Kneipen um 440, einen Knick gab es zwischen 2009 und 2010 von 471 auf 449.

Und wie sieht es mit den Verstößen aus? Beispiele wie die oben genannten hält man im Ordnungsamt für nicht repräsentativ, dort spielt das Thema kaum noch eine Rolle. Kontrolliert wird auf Beschwerden hin, Amtsleiter Michael Zimmermann berichtet von 114 registrierten Verstößen gegen das Nichtraucherschutzgesetz im Vorjahr, von denen gerade mal 20 in der Gastronomie spielten. Mehr Fälle gebe es auf Spielplätzen und in Bussen und Bahnen.

Andere Probleme hat man dagegen im Modigliani in Unterbilk. „Optimal war es, als wir einen Raucherraum hier hatten“, sagt ein Mitarbeiter. Nun stünden die Raucher eben draußen, oft beschwerten sich Anwohner. Schon mehrmals sei das Ordnungsamt abends gekommen. „Wir mussten auch schon mal eine Strafe zahlen, als zu später Stunde noch ein Dutzend Leute vor der Tür standen.“