Rath machte Düsseldorf reich

Rath machte Düsseldorf reich

Vom Hof der fränkischen Könige bis zur Produktionsstätte des Ruhrgebiets.

Düsseldorf. Bevor Rath 1909 zu Düsseldorf kam, bezeichnete es sich zehn Jahre lang als "selbstständige Landgemeinde" und hatte in Anton David den ersten und einzigen Bürgermeister von Rath. Man durfte sich zu diesem Zeitpunkt in Rath keine Idylle mit Landwirtschaft und Wald vorstellen. Rath war längst ein blühender Industriestandort, der zum Wachstum und Wohlstand von Düsseldorf in erheblichem Maße beitragen sollte.

Rath zählte bereits 1906 11900 Einwohner. Seit 1893 hatten hier die Deutsch-Österreichischen Mannesmann Röhrenwerke ihren Sitz; um die Jahrtausendwende kam schon die Hälfte der Stahlrohre aus Rath.

Der heutige Stadtteil war schon vor 1900 Produktionsstandort des Ruhrgebiets. 1896 wurde die Pahlsche Gummi- und Asbest-Gesellschaft (Paguag) gegründet. Hydraulische Pressen und Maschinen stammten von Sack & Kiesselbach. Poensgen betrieb schon 1860 das erste Röhrenwerk, 1864 kam ein Stahlwerk hinzu. Zimmermann wurde eine bedeutende Maschinenfabrik. Die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik sind heute besser als Rheinmetall bekannt.

Düsseldorf war sehr an Rath interessiert, schon vor 1909 hatte es den neuen, 120Hektar großen Exerzierplatz auf Rath-Lohauser Gebiet erworben und war im Begriff, den 350 Hektar großen Aaper Wald als Stadtwald zu erwerben. Aber auch die Landgemeinde Rath wünschte mit den Ortsteilen Rath, Unterrath und Lichtenbroich die Eingemeindung.

Zwei Dinge waren den Rathern dabei wichtig: Einerseits brauchten sie eine Kanalisation, um das Rather Augusta-Krankenhaus zu erweitern und den Industriestandort zu sichern. Andererseits erhofften sie sich preiswertere Gas- und Wasserpreise, die sie auch erhielten, indem Düsseldorf die Aktien des Rather Gaswerks kaufte.

Rath hatte bei der Eingemeindung zwar eine relativ junge Industrie, dennoch ist der Stadtteil stolz auf seine weit zurückliegende Vergangenheit, die um 750 mit den ersten Rodungen durch den Königshof Rath begann. Diesen Königshof muss man sich als einen bescheidenen Verwaltungs- und Gerichtsplatz vorstellen, denn die fränkischen Könige regierten im Umherziehen.

Zum Hof gehörten die Wälder in den Gemarkungen Rath, Lichtenbroich, Ickter, Ratingen und Angermund. Bei den Ausgrabungen für die A44 wurden Keramikscherben aus dem 11. und 12. Jahrhundert sowie Reste von Mahlsteinen gefunden.

Rath besaß in dunkler Vergangenheit viel Wald, der gerodet werden musste. Daher leitet sich der Name ab. Aktenkundig wurde der Ort 1248, als König Wilhelm von Holland die Königshöfe Rath und Mettmann dem Grafen Adolf IV. von Berg in Pfand gab. Die Bergischen Grafen und Herzöge haben das Gebiet später weiter verpfändet, zuletzt an das Kloster in Rath. Mit den Franzosen und den Preußen wurde Rath der Bürgermeisterei Eckamp eingegliedert.

Als man 1891 in Rath einen neuen Bahnhof neben der heutigen Eisenbahn-Unterführung an der Unterrather Straße einrichtete, nannte man ihn Unterrath. So kam es, dass der Ortskern der alten Honschaft Rath heute Unterrath und der später entstandene Ortsteil Oberrath heute Rath heißen. Im Adressbuch von 1902 wurde erstmals zwischen Ober- und Unterrath unterschieden.

"Vom Dom zum Dome" ist das Motto der Eingemeindungsfeier. Dabei spielt der Rather Dom, die Kirche St.Josef, gleichfalls eine Rolle, denn seit 1909 hat Rath eine katholische Pfarrgemeinde. Das Gebäude errichtete Josef Kleesattel, der vielbeschäftigte Kirchenbaumeister der damaligen Zeit.

Am 21. März 1909 wurden die fünf Glocken geweiht, am 25. April 1909 segnete der Kölner Erzbischof Antonius Fischer das Gebäude. Nach dem ersten Pfarrer Karl Brucherseifer übernahm 1911 Johannes Adenauer, Bruder des ersten Bundeskanzlers, die Pfarre. Er galt als streng und verließ 1921 die Gemeinde, um Kölner Domkapitular zu werden.

Heute erblüht Rath als Bürostandort, an der Theodorstraße und in der Airport City.

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