Rat der Künste gegen die Schläfrigkeit

Rat der Künste gegen die Schläfrigkeit

Neues Gremium wird Mitte April gegründet. Es soll die Kulturpolitik aufmischen.

Drei, vier Fragen, davon zwei von Politikern und Schluss. Erstmals wurde gestern die künftige Arbeit des nicht mehr ganz so künftigen Rats der Künste der Öffentlichkeit vorgestellt. Freie Szene, Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz, Choreograf Ben Riepe, bildende und eine ganze Reihe anderer Künstler waren in die Oper gekommen, für eine Diskussion jedoch reichte ihnen der aktuelle Stand der Dinge wohl nicht. Oder die Energie. Das werde sich ändern, meint Stefan Schweizer, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schloss Benrath und Mitgestalter des Rats der Künste, sagt aber auch: „Diese Zurückhaltung gehört zum eingeschlafenen kulturpolitischen Zustand der Stadt“.

Das zu ändern, dazu sind unter anderem er, Alexandra Stampler-Brown (Oper) und Kathrin Tiedemann (Forum Freies Theater) angetreten. Sie haben während des vergangenen Jahres das Konzept des Rats der Künste entwickelt, mit Hilfe von Künstlern aus der Landeshauptstadt und mit Hilfe aus Berlin, wo ein solches Gremium bereits seit mehr 20 Jahren existiert. Auf Mitte bis Ende April ist die Gründungsversammlung für den Rat der Künste terminiert, dann kann es auch in Düsseldorf losgehen.

Erklärtes Ziel: autonom an der Fortentwicklung der Kulturvielfalt dieser Stadt arbeiten. Geld gibt es für diese wichtige Aufgabe keines. Die Arbeit wird ehrenamtlich erledigt, zudem haben die Ratsmitglieder keine Entscheidungsbefugnis, weswegen sie sich jedoch nicht bange machen lassen sollten, betont Andreas Altenhof, Sprecher des Berliner Rats der Künste, auf dessen Konto unter anderem die umstrittene City Tax geht. Zahlen muss diese Steuer, wer privat in einem Hotel in Berlin übernachtet. Sie beträgt fünf Prozent des Netto-Übernachtungspreises und fließt in den Kultursektor.

Stefan Schweizer, Arbeitsgruppe Rat der Künste

Das Gremium könne also durchaus etwas bewirken, sagt Altenhof, was die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP genauso beabsichtigt hatte, als sie den Kulturentwicklungsplan für viel Geld erstellen ließ, der wiederum die Grundlage für den Rat der Künste schuf. Zwölf Mitglieder (von freier Szene und Off-Raum bis zu Oper und Schauspielhaus) wird der Rat haben. Sie werden in einer Generalversammlung gewählt, an welcher alle Kunst- und kulturell Tätigen der Stadt teilnehmen können.

Ein Thema, das der Rat, sobald er gegründet ist, anpacken sollte, ist die kulturelle Bildungsarbeit, sagt Stefan Schweizer mit Blick auf das, wie er sagt, „vergreiste Publikum“ in den Konzertsälen. „Da gibt es viel nachzuholen.“ Den Kampf für mehr Freiraum für Künstler, etwa Ateliers, auf den die Kollegen in Berlin nach wie vor Energie verwenden, glaubt Schweizer in Düsseldorf bereits verloren. „Unser Tafelsilber ist längst verkauft.“