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Radgeschäfte erleben Ansturm bei Neukauf und Reparatur

Kundenansturm : Beim Radkauf ist Geduld gefragt

Düsseldorfer fahren Rad statt Bahn. Manche Marken sind ausverkauft und es kommt zu Lieferengpässen.

Bei Michaela Jachertz vom gleichnamigen Geschäft in Unterbach gab es zeitweise kein Kinderrad mehr. Ausverkauft, viele Tage lang, wann neue Ware kommt, sei noch offen, hieß es. In der Corona-Zeit seien die Verkaufszahlen bei ihr nach oben geschnellt. Und da ist sie nicht die einzige. Gerade während der Schul- und Kitaschließungen haben sich viele Familien entschieden, die Zeit und das meist schöne Wetter für Touren zu nutzen – und sich dafür entsprechend auszustatten. Mehr als sonst im Frühjahr.

Die Läden erleben immer noch einen Ansturm. Bestimmte Marken, bestimmte Einzelteile sind weg und in den nächsten Wochen, eventuell dieses Jahr schlicht nicht mehr zu bekommen. Das bestätigen auch andere Düsseldorfer Händler. Beim Handelsverband Zweirad NRW will man vor Jahresende jedoch noch nicht von einem Rekordjahr sprechen.

Umsatzplus von 30 Prozent und mehr in den vergangenen Wochen

Von einem Umsatzplus in zweistelliger Höhe, teils 30 Prozent in den vergangenen Wochen, spricht eine Vertreterin des Verbandes. Vor allem in Großstädten wie Düsseldorf. Und davon, dass die Verluste aus dem Lockdown schon zwei Wochen später wieder einigermaßen ausgeglichen waren. Allerdings bleibt sie verhalten, wenn es darum geht, den Fachhandel als Krisengewinner zu bezeichnen. Denn wie die nächsten Monate aussehen, wisse niemand, zum Beispiel ob ein zweiter Lockdown komme. Oder ob durch Lieferengpässe überhaupt genug Ware zum Verkauf bleibe. Ein Problem gerade für kleine Händler mit wenig Lagerfläche, die daher nicht vorsorgen konnten.

Sicher sei jedoch: Der Trend zum Fahrrad setzt sich fort. Die Corona-Pandemie habe dies zum Teil verstärkt, vor allem zu sehen bei E-Bikes. Das beobachtet auch Michaela Jachertz in ihrem Radsport-Geschäft: Kamen  bei Einführung der Umweltspur mehr Kunden, um mit dem Rad den Stau zu umfahren, so ist einer der Hauptgründe nun, dass viele Bus und Bahn vermeiden wollen – aus Sorge vor einer Ansteckung. Sie steigen auf das E-Bike um, um schneller und flexibel zur Arbeit zu kommen. Die Jahreszeit tut ihr übriges.

Gutes Wetter beschert den Händlern im Frühjahr und Sommer generell einen Kundenansturm. Jetzt kam dazu, das andere Freizeitbeschäftigungen oder Urlaubsfahrten weitgehend wegfielen und fallen: Das Rad gilt als eine beliebte Alternative, weil es draußen an der frischen Luft stets nutzbar war und ist.

Richard Pratt von Ricci Sports, einem Service-Spezialisten für Rennräder, hat die Auswirkungen sofort gemerkt. In den vergangenen Wochen kamen deutlich mehr Kunden als sonst zu ihm. „Einige haben die viele Zeit daheim genutzt, um im Keller zu stöbern und alte Räder hervorzuholen. Ich repariere sie und bringe sie wieder in Schuss“, sagt er. Manchmal muss er improvisieren, wenn Teile nicht mehr lieferbar sind, dasselbe gilt für einige Marken. Er sieht sich daher auch nicht als Gewinner der Pandemie. Auch von einem übermäßigen Andrang möchte er nicht sprechen.

In anderen Läden oder Werkstätten sieht das anders aus. Bei Fahrrad Engel in Flingern beispielsweise werden gar keine Reparatur-Termine mehr vergeben. Die Mitarbeiter haben genug damit zu tun, bestehende Aufträge abzuarbeiten. Wer dort sein Rad abgeben möchte, braucht Geduld und Glück, zu den Öffnungszeiten bildet sich eine lange Schlange. Ähnlich sieht es in anderen Geschäften aus. Für Kunden, die sich per Telefon melden, fehlt schlicht die Zeit.

Mittlerweile kehrt in den Läden wieder Normalität ein

Für die Mitarbeiter von Drahtesel in Pempelfort ist der Andrang jedoch nichts Ungewöhnliches, das sei um diese Jahreszeit eben so. Sie bemühen sich um schnellen Service. „Die Leute wollen ja jetzt losfahren und nicht erst, wenn die Saison vorbei ist“, sagt einer von ihnen. Zwei, maximal drei Wochen benötige derzeit eine Reparatur, je nachdem, ob besondere Einzelteile fehlen. Denn das ist auch beim Drahtesel eine eindeutige Auswirkung der Corona-Pandemie: die Lieferengpässe. Ansonsten: Normalität. Und die kehrt laut Handelsverband auch bei den meisten anderen Geschäften wieder ein.

Und auch Michaela Jachertz kann aufatmen: Neue Ware ist in Aussicht.