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Projekt: Allein wohnen – in Gemeinschaft

Projekt: Allein wohnen – in Gemeinschaft

Barrierefrei wohnen im Veenpark und bald auch im Derendorfer „Quartier Central“.

Düsseldorf. Das Konzept ist einfach - aber bisher kaum umgesetzt: Im Vennhauser Veenpark etwa ziehen über 50-Jährige in einen Wohnblock. Sie haben eigene Wohnungen, aber einen Gemeinschaftsraum. Innerhalb des Hauses können sie sich barrierefrei bewegen. "Ziel ist es, füreinander da zu sein, ohne sich zu sehr aneinander zu klammern", sagt Gertrud Zovkic, Initiatorin des Projektes.

18 der 25 Wohnungen des Frankfurter Investors Plan Plus Faktor sind vergeben. Die Mieter sind 50 bis 77 Jahre alt und wollen den Lebensabend nicht allein verbringen. "Es ist absehbar, dass die eigenen Kinder sich nicht kümmern können - sie sind im Job zu sehr eingespannt", sagt Zovkic.

Und so übernehmen die Mieter Verantwortung füreinander, auch wenn es ernst wird. "Sofern es möglich ist, wollen wir Kranke oder Sterbende unterstützen." Mieter zu finden, sei kein Problem, glaubt die Initiatorin. Allerdings verließen Senioren ungern den Stadtteil, alterten lieber in vertrauter Umgebung. Zovkic rechnet deshalb damit, dass vor allem über 50-Jährige aus Eller, Vennhausen oder Unterbach zur Gemeinschaft stoßen werden.

Ähnlich wie im Veenpark ist auch ein ganz neues Projekt, das auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Derendorf entstehen soll. Dort, im "Quartier Central", ist ein barrierefreies Mehrfamilienhaus mit 20 Mietwohnungen geplant.

Zum Konzept gehören ein 80 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum sowie ein großer Laubengang mit Zugang zu den Wohnungen. Hier sollen Hochbeete angelegt werden; Bänke mit Blick auf den grünen Innenhof laden die Nachbarn zum Schwätzchen ein.

Angesprochen sind bestehende Initiativen sowie Einzelinteressenten. "Wir beraten, organisieren Workshops und unterstützen die Gruppenbildung", sagt Gabriel Spitzner, Leiter des "Instituts für Lebenswelten" (IfL). Das IfL ist ein Institut der Interboden-Gruppe, die auf dem Areal in Pempelfort diverse Häuser hochgezogen hat und jetzt das Modellprojekt betreibt.

"Wohnen in der Gemeinschaft ist ein zentrales Thema für viele ältere, besonders alleinstehende Menschen", weiß Spitzner. Häufig würden private Projekte scheitern. Geplant sind Treffen, um erfolgreiche Wohnprojekte in NRW zu besuchen und sich mit anderen Wohngruppen auszutauschen.

"Bei Quartiersentwicklungen muss man an die wachsende Gruppe denken, die im Alter gemeinschaftliches Wohnen präferiert", sagt Andreas Ludwig, bei Interboden Projektleiter für den das Güterbahnhofs-Gelände. Es soll für Interboden nicht das letzte Projekt dieser Art sein.

"Wir wollen hier Erfahrungen sammeln und das ,Nischenprodukt’ Gemeinschaftswohnen ausbauen." Bei neuen Wohnprojekten im "Quartier Central" sollen interessierte Wohngruppen von Anfang an in die Planung einbezogen werden.