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Probebohrung für den Eisblock

Probebohrung für den Eisblock

In Lörick wird 70 Meter gebohrt, um Werkzeug und Boden für die Kö zu testen.

Düsseldorf. Die von Stahlwänden ummantelte Baugrube ist imposant: zwölf Meter tief, zehn Meter lang, 8,50Meter breit.

Auf Baustellenschildern, Helmen und Warnwesten ist überall von der Wehrhahn-Linie die Rede - doch die Grube liegt in Lörick, an der Oberlöricker Straße, und dorthin wollen wohl selbst die größten U-Bahn-Fanatiker keinen Tunnel verlegen.

Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um eine Test-Baugrube, in der die hochkomplizierte Unterfahrung des Kaufhofs an der Kö geprobt wird.

Weil der sandig-körnige Untergrund dem an der Kö sehr ähnelt, können die Bauingenieure hier vor allem gut ausprobieren, wie ihre Werkzeuge funktionieren.

Der abgeschrägte Bohrer zum Beispiel mit seiner 30 Zentimeter langen Stahlspitze (Durchmesser: 16 cm), auf den es besonders ankommt: "Mit ihm bohren wir in neun Meter Tiefe eine horizontale Strecke von gut 70 Metern", sagt Benno Müller von der Baufirma Max Bögl, die in einer Arge mit Wayss & Freytag die Probebohrungen durchführt.

Zwei in Richtung Meerbusch stehen an. Wenn es im Oktober unter dem Kaufhof Ernst wird, gibt es 130 Bohrungen á 100 Meter.

Wofür und warum wird horizontal gebohrt? "Bin ich auch da, wo ich sein will mit dem unterirdischen Bohrer, das wollen wir wissen", erklärt Müller.

Als Steuerungskontrolleur wird ein Kreiselkompass hinter der Bohrerspitze eingesetzt, zum Vergleich liegt oberirdisch ein 50 Meter langes Rohr über der Bohrstrecke. Müller: "Bohrung eins hat wunderbar geklappt, wir hatten eine Abweichung von neun Zentimetern, der Toleranzbereich liegt bei 20 Zentimetern."

Für den Bau des neuen U-Bahnhofs Heinrich-Heine-Allee, der unter dem bestehenden U-Bahnhof und zum Teil unter dem Kaufhof liegen wird, müssen Rohre durchs Erdreich getrieben werden.

Und die werden vereist - durch auf minus 35 Grad gefrorenes Salzwasser. So entsteht am Ende ein 2,50 Meter dicker Eisblock als Schutzhülle für den Tunnelvortrieb: "Das Eis schützt vor Grundwasser und verbessert die Statik", sagt Müller.

Eis hin, Kreiselkompass her: Einige Anwohner an der Oberlöricker Straße sind von den Bohrungen nicht so angetan: "Sie haben sich wegen Lärmbelästigung bei uns beschwert", sagt Verkehrsdezernent Werner Leonhardt.

Er bittet um Verständnis, die Bohrungen seien sehr wichtig. "Und ich denke, der Lärm bleibt auch im Rahmen." Ende des Monats wird bereits mit dem Rückbau der tiefen Grube begonnen, Ende Juli ist alles vorbei.