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Primo Lopez: Vom Tellerwäscher zum Altstadt-König

Primo Lopez: Vom Tellerwäscher zum Altstadt-König

Gastronom Primo Lopez, dem zahlreiche Lokale in der Altstadt gehören, feiert am Montag seinen 60.

Düsseldorf. Viel Geld für teure Autos, zum Beispiel einen Ferrari wie ihn einige seiner Kollegen fahren — all das brauche er nicht, sagt Primo Lopez: „Ich bin kein Luxusmensch. Mich macht glücklich, wenn ich mich mit meinen Gästen unterhalten kann.“ Und vielleicht ist das der Schlüsselsatz, der erklärt, warum Lopez, der am Montag seinen 60. Geburtstag feiert, in der Gastronomie so erfolgreich ist.

Lopez kann auch den kleinen Dingen im Leben viel abgewinnen. Selbst der Arbeit als Tellerwäscher. Denn am Spülbecken eines Brauereiausschanks hat die Karriere des Gastronomen ihren Anfang genommen. 14 Jahre war er alt, als er mit seinen Eltern aus Galicien nach Deutschland kam.

Erst habe er noch die Schule besucht, erzählt er. „Aber das passte nicht, ich habe ja noch kein Wort deutsch verstanden.“ Die Arbeit in der Brauerei habe ihm dafür umso mehr gelegen. „In Galicien musste ich auf den Feldern mithelfen. Die Arbeit in Deutschland war für mich im Vergleich dazu Luxus.“

1976 verschlug es Lopez nach Düsseldorf. Erst arbeitete er als Kellner. Bis er das Angebot bekam, eine Gaststätte in der Schneider-Wibbel-Gasse zu übernehmen. Ein Gast, der als Prokurist bei einer großen Bank beschäftigt war, habe Vertrauen zu ihm gehabt und seine Pläne unterstützt. 150 000 Mark habe er ihm für die Existenzgründung gegeben und mit seinem eigenen Vermögen für ihn gebürgt. „Solche Menschen gibt es“, sagt der Gastronom und klingt dabei selbst ein wenig verwundert.

Lopez eröffnete sein erstes Restaurant, das „El Amigo“. Um das Konzept des Lokals zu erläutern, stellt er sich gerne mit weit ausgebreiteten Armen vor dessen Türen: die Gäste sollen sich wie Freunde willkommen fühlen.

Nach und nach expandiert der Gastronom. Wenn auf der Schneider-Wibbel-Gasse ein Lokal geschlossen habe, sei er häufig gefragt worden, ob er übernehmen wolle. Irgendwann gehörten Lopez rund 20 Gaststätten, damals nannte man ihn in Düsseldorf den „Altstadt-König“. Aber das sei er schon lange nicht mehr, sagt Lopez. Viele Lokale hat er wieder abgegeben: „Es gibt Straßen in der Altstadt, da werden Aggressivität und Gewalt gezüchtet“, umschreibt er sein Motiv. Dieses Thema beschäftigt ihn, auch weil Düsseldorf zu seiner Heimat geworden sei. „Wenn alle nur noch das schnelle Geld machen wollen, sieht es in der Altstadt bald aus wie auf der Reeperbahn“, ist seine Meinung. Von der Schneider-Wibbel-Gasse, in der ihm praktisch alle Gaststätten gehören, will er diese Tendenzen fernhalten. Ans Aufhören denkt Lopez nämlich noch lange nicht, warum auch, er sei gesund.

Möglicherweise hat er das auch der Schneider-Wibbel-Skulptur zu verdanken, die er selbst hat gießen lassen und die vor einem seiner Restaurants sitzt. Im Laufe der Jahre hat sich der Glaube durchgesetzt, dass die Skulptur jedem, der sie anfasst, Glück bringt. Bei Lopez scheint das Wirkung zu zeigen. Er sei sehr glücklich, versichert er. Die Straße ist zu seinem Zuhause geworden. Noch heute isst er dort meist zu Mittag: Jeden Tag in einem anderen seiner Lokale. Natürlich dürfe es auch mal eine leckere Roulade sein. Oder einen Sauerbraten — wenn er gut gemacht ist.