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Polizei macht die Altstadt sicherer

Polizei macht die Altstadt sicherer

In den vergangenen Wochen kam es in der Altstadt zu mehreren Gewalttaten. Ein Ortsbesuch zwischen Freitreppe und Bolker Stern.

. An der Rheinuferpromenade stehen sieben Grabkerzen auf einem kleinen Betonpodest direkt neben der Freitreppe. Nur eine Kerze brennt noch. Es ist windig und regnerisch, viele Besucher haben sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag nicht in die Altstadt aufgemacht. Auf dem Boden vor dem Betonpodest liegen vier Sträuße Nelken. Zwischen den Grabkerzen – in einem weißen Bilderrahmen – ist ein Foto von Max zu sehen.

Der 19-Jährige aus Bottrop ist vor zwei Wochen mit seinen Freunden durch die Altstadt gezogen. Erst vor kurzem hatte er einen neuen Job gefunden. Max wollte in Düsseldorf feiern gehen und kam nie wieder nach Bottrop zurück. Bei einer Auseinandersetzung wurde Max durch einen Stich ins Herz schwer verletzt und starb wenige Tage später in Folge des starken Blutverlusts in einem Düsseldorfer Krankenhaus. „Hier ist einer umgebracht worden“, sagt eine junge Frau zu ihrer Begleiterin, als sie mit einer Flasche Bier in der Hand an den Kerzen und dem Foto vorbeigehen. Ob es ein Mord, eine schwere Körperverletzung mit Todesfolge oder möglicherweise eine Notwehr-Situation war – das wird noch vor Gericht geklärt. Ein mutmaßlich beteiligter junger Mann hat sich der Polizei gestellt und wurde nach dem Verhör entlassen. 

Die Polizei ist nur ein paar Schritte entfernt. In kleineren Gruppen laufen die Uniformierten durch die Stadt oder beziehen an viel frequentierten Kreuzungen Stellung. Wenn man die Polizei dringend braucht, muss man nicht die 110 wählen. Man sieht die Beamten an fast jeder Ecke. Die Freitreppe ist nun hell erleuchtet, die roten LED-Leuchten an den Masten zeigen an, dass dort Kameras installiert sind. Nachdem es wenige Tage nach dem Tod von Max an der Hunsrückenstraße erneut zu einer Schlägerei kam, bei der ein junger Mann mit einem Messer schwer verletzt wurde, ist die Altstadt in den Fokus geraten. Der Landtag diskutiert über ein Waffenverbot, der Innenminister äußert sich zurückhaltend. Die Stadt, die Polizei, die Wirte – alle ringen um Lösungen und dennoch kann man keinen Zaun um die Altstadt bauen und jeden kontrollieren, der rein oder raus will. Die Polizei spricht immer wieder von einem Stimmungswechsel, der etwa um Mitternacht beginnt und bis in die frühen Morgenstunden dauert. Junge Männer aus den umliegenden Städten hätten die Altstadt zu ihrer persönlichen Party-Zone erklärt, kaufen Bier am Kiosk und tanzen zur Musik aus mitgebrachten Lautsprechern. Wenn man sich die Schlangen vor den Clubs und Diskotheken in der Nacht zu Sonntag mal genauer ansieht – größere Gruppen lässt kein Türsteher rein, da helfen auch keine Diskussionen.

Man trifft diese Gruppen junger Männer vor allem am Rheinufer, auf den Bänken neben dem Rathaus und bei schönem Wetter auch auf der Apollo-Wiese. Wer es mit dem Alkohol übertreibt, kann die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbringen. Gegen 1.30 Uhr wird ein junger Mann von den Beamten kontrolliert. Er weist sich mit seiner roten Sparkassen-Giro-Card aus, dort steht immerhin ein Name drauf. Seine Freunde schauen ungläubig, als ein Polizei-Bus mit drei kleinen Gefängnis-Zellen an Bord am Bolker Stern vorfährt und der Betrunkene hinter Schloss und Riegel verschwindet. „Wenn er wieder nüchtern ist, können Sie Ihren Kumpel Morgen abholen“, sagt einer der Beamten. An der Fritz-Wimmer-Gasse weint eine Frau, sie sucht ihren Schlüssel. Ein daneben stehender Mann sucht seine Brille. Was passiert ist, lässt sich nur schwer klären, alle Beteiligten sind stark betrunken. Eben standen alle noch fröhlich in der Kneipe, wenig später kam es zu einem Handgemenge. „Das waren drei Männer“, sagt einer der Beteiligten, als er im Schein der Polizei-Taschenlampe seine Brille wiederfindet. Die Frau weint immer noch. „Kann man nicht mal in die Altstadt gehen und ein Glas Wein trinken?“, schreit sie heraus – doch es hört ihr keiner richtig zu. Was da genau passiert ist, muss noch ermittelt werden. Für Polizei-Sprecher Marcel Fiebig war es eine ganz normale Nacht in der Düsseldorfer Altstadt. Die Polizei habe an allen neuralgischen Punkten Präsenz gezeigt. Auf dem Betonpodest an der Promenade ist nun auch die letzte Grabkerze verloschen.