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Polizei kontrolliert Radrennfahrer in Düsseldorf

Radverkehr in Düsseldorf : Radrennfahrer sollen Tempo rausnehmen

Auf den Wegen am Rhein kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Mit einer Informationskampagne will die Polizei die besonders schnellen Fahrer für die Unfallgefahren dort sensibilisieren.

Wenn am 26. Juni die Tour de France startet, erwartet Hauptkommissar Stefan Sell eine Zunahme der Probleme am Rheindeich zwischen Wittlaer und Kaiserswerth. „Erfahrungsgemäß macht die Fernsehübertragung der Tour de Frances den Zuschauern Lust, später auch schnell Strecke zu machen“, so der Polizist. Er ist selber begeisterter Rennradfahrer und kann deshalb die Freude an einer schnellen Fahrt nachvollziehen. Aber er weiß auch, wie gefährlich temporeiche Fahrradtouren sein können und hat schon von mehreren Unfällen auf der Rheinuferpromenade erfahren.

Zusammen mit seinem Kollegen Klaus Luberichs führt Sell deshalb regelmäßig Aufklärungsgespräche auf der beliebten Route entlang des Rheins durch und verteilt dabei Flugzettel. Denn die Rheinuferpromenade ist nicht nur aufgrund ihrer schönen Lage am Fluss beliebt, sondern der stark frequentierte Bereich ist auch ein Streckenabschnitt, der in der App „Strava“ angezeigt wird. Das Programm Strava verwandelt Handys in einen Fahrradcomputer und schlägt unter anderem Fahrrouten vor. Dabei haben die Sportler die Möglichkeit, sich auf den einzelnen Streckenabschnitten mit anderen Sportlern zu messen oder sie können versuchen, eigene Höchstleistungen aufzustellen. „Der Rheinradweg ist aber keine Rennstrecke“, sagt Luberichs, der deshalb die Sportler bittet, ihren Strava-Abschnitt nicht dorthin zu verlegen.

Denn gerade bei gutem Wetter wird der Weg auch von zahlreichen Fußgängern, teilweise mit Rollatoren, Kindern und Hunden genutzt. Dann ist dort gegenseitige Rücksichtnahme gefordert. „Wer sich als Fahrradfahrer dann über die anderen Verkehrsteilnehmer aufregt, ist selber schuld, denn man weiß ja, was dort los ist und es gibt schließlich genug andere Wege“, sagt Rennradfahrerin Agnieszka Oginski. Oder auch andere Zeiten. So fährt Marlon Ortstadt mit seiner Gruppe sonntags um sechs Uhr los, um dann auch mit bis zu 35 Stundenkilometern Strecke machen zu können. Die Rennradfahrer, die bei gutem Wetter im Minutentakt an den beiden Polizisten vorbei kommen, sehen die Informationsaktion positiv. Den meisten ist bekannt, dass der Weg viel genutzt wird und zudem an der Kaiserpfalz eine schlecht einsehbare Engstelle aufweist. „Das ist dennoch die schönste Strecke, die ich kenne“, sagt der Arzt Dirk Wachtendonk. Meiden tut er diese aber auch am Wochenende, denn dann würde es auf anderen, leereren Strecken mehr Spaß machen, zu fahren. Und vorsichtig sei er sowieso unterwegs. So ist er vor zwei Jahren bei einem Straßenschaden schwer gestürzt. „Das brauche ich nicht noch einmal.“

Rennradfahrer Günter Mungen kennt die Situation auch aus Fußgängersicht. „Deshalb weiß ich, wie wichtig das Klingeln in der richtigen Entfernung ist. Nah genug, damit man es noch hören kann und weit genug, dass die Fußgänger sich nicht erschrecken und noch reagieren können.“ Markus Hermann trickst sich selber aus, um das Fahrerlebnis genießen zu können. Er schaltet einfach ab und zu seinen Fahrradcomputer aus. „Wir sind zufrieden mit unserer Aktion und hoffen, damit Unfälle verhindern zu können“, sagt Sell. Noch sei der Rheinuferweg kein Unfallschwerpunkt, und das soll auch so bleiben. „Denn wenn ein Fahrradfahrer mit einem Fußgänger kollidiert, treffen sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten aufeinander. Diese schweren, womöglich tödlichen Unfälle gilt es zu vermeiden.“