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Pilotprojekt: Die krumme Gurke gibt’s günstiger

Pilotprojekt: Die krumme Gurke gibt’s günstiger

Edeka in Bilk verkauft testweise Gemüse und Obst mit kleinen Schönheitsfehlern. Ziel ist, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden.

Düsseldorf. Krumme Gurken, dreibeinige Möhren, mickrige Zwiebeln — normalerweise landen Gemüse und Obst mit kleinen Schönheitsfehlern nicht in den Auslagen der Supermärkte. Bei Edeka Paschmann in Bilk ist das jedoch anders: Seit drei Wochen verkauft das Geschäft an der Suitbertusstraße neben der regulären Ware auch solche, die eben nicht ganz perfekt, aber geschmacklich einwandfrei ist.

Der Markt von Heinz Wilhelm Paschmann gehört zu vier Läden an Rhein und Ruhr, die sich an dem vierwöchigen Pilotprojekt beteiligen — „mit sehr guter Resonanz“, sagt die stellvertretende Filialleiterin Venice Mückschitz. Wenn der Test insgesamt erfolgreich ausfalle, könnte die B-Ware auch dauerhaft angeboten werden. Die Produkte mit Macken aus deutschem Anbau verkauft der Markt etwas günstiger als die Standard-Produkte. Ein Kilo krumme Gurken kostet 99 Cent, das gerade gezüchtete Pendant 99 Cent pro Stück.

„Keiner ist perfekt“ heißt diese Aktion, sie soll dem Kunden ins Bewusstsein rufen, dass europaweit täglich tonnenweise Gemüse und Obst vernichtet werden, weil sie nicht den EU-Vermarktungsnormen (Gewicht, Größe, Farbe und Form) entsprechen. Darin ist geregelt, was in den Handel darf. Mittlerweile wird das zwar nicht mehr so streng gehandhabt. Doch die Normen hätten die Verbraucher geprägt, meint Inhaber Paschmann. „Der Kunde möchte überwiegend schöne Produkte kaufen.“

Ähnlich sieht es auch Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer. „Viele kaufen nach Optik.“ Auch aus praktischen Gründen würden Käufer eher zu einer ebenmäßigen Karotte, als zu einer mit drei Wurzelenden greifen. „Das Schälen dauert länger.“ An der Qualität der B-Ware sei aber nichts auszusetzen.

Grundsätzlich begrüßt Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale die Edeka-Offensive gegen Lebensmittelverschwendung. „Wenn es jedoch nur eine einmalige Aktion bleibt, ist das nur eine Marketingstrategie“, sagt der Leiter des Ernährungsbereichs. Dass der Kunde nur ansehnliche Ware kaufen möchte, lässt er dagegen nicht gelten.

„Die Einkäufer bestimmen, was in den Handel kommt und orientieren sich weiterhin an den Normen.“ Im europäischen Vergleich habe Deutschland die höchste Pro-Kopf-Verkaufsfläche. Die Folge laut Burdick: eine verschärfte Konkurrenzsituation. Die Geschäfte überschlagen sich deshalb mit Billig-Angeboten. „Der Handel hat den Kunden zum Schnäppchenjäger erzogen.“ Am Ende sei also vor allem der Preis mitentscheidend für das Kaufverhalten.

Die Vorsitzende der Düsseldorfer Tafel, Heike Vongehr, ist froh über eine solche Kampagne. Die Menschen müssten ihre Einstellung zu Lebensmitteln ändern. „Nur weil ein Apfel eine Druckstelle hat, ist er noch lange nicht verdorben.“