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Jubiläum: Pater Wolfgang: „Ich wollte in den Knast“

Jubiläum : Pater Wolfgang: „Ich wollte in den Knast“

Wolfgang Sieffert ist seit 25 Jahren Priester, Dominikaner und Gefängnisseelsorger — am Sonntag wird das in und vor St. Andreas gefeiert.

Düsseldorf. Dieser Gottesmann ist ein Teufelskerl: Gefängnis-Seelsorger, Initiator der Armenküche, Herausgeber des Gefangenenmagazins „Ulmer Echo“, Ringer, Radfahrer, Raucher und Taucher. Ja, er war sogar mal Hausmann und Koch im Bottroper Dominikanerkloster. Man trifft ihn im Herzen der Altstadt zwischen Kirche, Kneipe und Kom(m)ödchen. Und ein echter Düsseldorfer Jong ist er auch, 1957, als viertes von acht Geschwistern geboren in Oberbilk, aufgewachsen in Vennhausen - inzwischen auch als Mitglied des gleichnamigen Heimatvereins.

Mit acht war Wolfgang bei den Pfadfindern, mit 11 schon bei den Ringern. 1976 baute er sein Abi im Gerresheimer Gymnasium am Poth. Berufswunsch? Der Pater dreht sich eine und zählt auf: Kapitän, Förster, Naturwissenschaftler. Er studierte, nachdem er seinen Wehrdienst bei den Feldjägern abgeleistet und danach verweigert hatte, Pharmazie an der Düsseldorfer Uni, Philosophie und Theologie in der Schweiz. Dabei stellte er rasch fest, „dass ich lieber mit Menschen als mit Reagenzgläsern umgehe“. Als Gottesmann, der armen Teufeln hilft.

Jetzt im Mai feiert Pater Wolfgang Sieffert gleich drei silberne Jubiläen: 25 Jahre wirkt er wieder in Düsseldorf, 25 Jahre in der Gefängnisseelsorge, 25 Jahre als Priester. Wie wurde er ein Ordensmann, gab es ein Schlüsselerlebnis? Pater Wolfgang nickt: „In Cambridge bei den Dominikanern. Lauter verrückte Typen.“

In seinem Orden werde seit 800 Jahren die Individualität gefördert, erklärt der Düsseldorfer Dominikaner seine Faszination aus jungen Jahren, die er nicht verloren hat, sondern selbst seit 25 Jahren mit Leib und Seele verkörpert: „Wir sollen Typen sein. Doch das, was wir tun, ist abgesprochen.“ Pater Wolfgang spricht vom dialogischen Verständnis des Gehorsams. „Ich wollte ins Gefängnis.“ Und der Orden schickte ihn. Mit ihm könne er erreichen, „was mir als Einzelkämpfer niemals gelingen würde.“ Auch sportliche Ziele wie seine vielfache Bezirksmeisterschaft im Ringen: „Dort habe ich gelernt zu kämpfen. Manchmal bis zur Verausgabung. Man lernt, seine Position zu behaupten, auch gegen Andere.“ Auch im Ringen mit Gott? „Da gilt das genauso. Der will uns doch als selbstständige, freie Menschen.“ Und wie ist das mit dem Ringen mit sich selbst? Das komme vor, gibt der Pater zu: „Um mich, damit ich nicht verloren gehe. Auch mit mir. Nur nicht gegen mich, das wäre ungesund.“

Starke Typen können auch zu ihren Schwächen stehen. Pater Wolfgang gibt zu: „Ich habe meine Grenzen. Aber auch Menschen, die mich mittragen.“ Kraft schöpft er aus den Gottesdiensten mit Menschen: „Wenn ich bei der Sonntagabend-Messe in die Gesichter sehe. Aber auch auf Reisen, durch die Wüste, beim Tauchen im Roten Meer, auf meinen Fahrrad-Touren.“

Am Sonntag wird Pater Wolfgang gewiss wieder in viele bekannte Gesichter sehen. Es gibt Bier und Brezel auf dem Platz zwischen Andreas-Kirche und Dominikaner-Kloster. Zurzeit eine Baustelle. Wie das Leben eben.