1. NRW
  2. Düsseldorf

Parkärgerr: Parken — das große Dauerärgernis

Parkärgerr : Parken — das große Dauerärgernis

Wie viele Autos brauchen täglich einen Parkplatz? Gibt es „Kulanzparken“ ohne Knöllchen? Und was passiert, wenn mein Auto die Feuerwehr behindert?

Düsseldorf. In einer Großstadt, in der man fast alles zu jeder Zeit haben kann, scheint es nur eines einfach nie zu geben: einen Parkplatz da, wo man gerade hin will. Und so ärgern sich die Düsseldorfer wohl über nichts mehr und einträchtiger als tagein, tagaus diese Suche. Das resignierte Kurven durch dreimal dieselbe Wohnstraße am Abend. Nachmittags in der City das Erspähen einer Lücke, Gasgeben, Hoffen — und Vor-der-Nase-wegschnappen. Und es eint die Bewohner dieser Stadt das Gefühl, dass es immer mehr Autos, aber immer weniger Plätze für sie gibt. Ist das so? Gibt es denn gar keine Lösung? Wir haben mal nachgefragt.

Die nackten Zahlen: In Düsseldorf sind derzeit laut Stadt 295.000 Pkw zugelassen. Dazu kommen allerdings an jedem Wochentag 280.000 Berufspendler, von denen etwa 75 Prozent mit dem Auto — und zwar in der Regel allein in diesem — anreisen, erklärt Michael Buch vom Amt für Kommunikation. Wie viele Parkplätze diesen mehr als 500.000 Fahrzeugen in Düsseldorf zur Verfügung stehen, kann er allerdings nicht beziffern: „Eine aktuelle Anzahl von Parkständen im öffentlichen Raum existiert nicht.“ Man wisse allerdings, dass sie stagniere oder sogar tendenziell zurückgehe — durch die Einrichtung barrierefreier Haltestellen für den ÖPNV etwa, den Bau neuer Radwege oder auch öffentliche E-Ladesäulen. Und: Durch den demografischen Wandel steige auch die Anzahl von Behindertenparkplätzen; aktuell sind es 1300.

Wer darf wo: Um zu entscheiden, wie der Parkraum bewirtschaftet wird, gibt es Erhebungen der Stadt in vorhandenen und potenziellen Bewirtschaftungsgebieten. Darin werden die Ansprüche von Pendlern, Einkäufern, Anwohnern ermittelt. Generell gilt: Parkscheinregelungen gibt es in den zentralen Geschäftsbereichen, Parkscheiben in den Stadtteilzentren und Bewohnerparkregelungen dort, wo „durch das Verdrängen von Berufspendlern oder sonstigen Langzeitparkern ein Vorteil für Bewohner erreicht werden kann“, heißt es von der Stadt. Ladezonen werden zudem je nach Nachfrage eingerichtet.

2015 kam das 30. Anwohnerparkrevier in Düsseldorf hinzu — im Bereich Vodafone. Überlegungen gab es zuletzt auch in Flingern. Doch in diesem Jahr, so Buch, hätten aktuelle Erhebungen gezeigt, dass der rote Ausweis dort nicht zu Verbesserungen führen würde. „Der Parkdruck ergibt sich dort in erster Linie durch die Anwohner selbst.“ Derzeit gibt es 37 906 Anwohnerparkausweise in Düsseldorf — rund 25 000 werden jedes Jahr ausgestellt.

Gibt es so etwas wie „Kulanzparken“? In vielen Düsseldorfer Wohngebieten fällt es abends schon schwer, einen freien Fleck im absoluten Halteverbot für sein Auto zu finden. Viele Halter scheinen sich zu sagen: Abends wird ja nicht aufgeschrieben. Aber so ganz stimmt das nicht: Die Verkehrsüberwachung ist täglich von 7 bis 24 Uhr im Einsatz, der Ordnungs- und Servicedienst bis 1.30 Uhr. Allerdings verteilen sie in den Abendstunden nur auf Beschwerden hin Knöllchen in den Wohnstraßen. Und auch das nicht immer sofort: „Die Kollegen fahren raus, wenn die Einsatzlage es zulässt“, sagt OSD-Chef Holger Körber.

Auch tagsüber gibt es für den einen oder anderen Falschparker Hoffnung auf ein zugedrücktes Auge, wenn er niemanden behindert. Denn OSD und VÜ haben keinen Zwang, Verstöße zu ahnden. „Wir können, aber wir müssen nicht aufschreiben“, verdeutlicht Körber. „Wir gehen da mit Augenmaß ran.“ Priorität bei den Kontrollen haben laut Stadt Feuerwehrbewegungszonen, Zweite-Reihe-Parker, Halteverbots- und Ladezonen sowie Behindertenparkplätze.

Wenn die Feuerwehr nicht mehr durchpasst: Die Falschparker an der Rolandstraße hatten Mitte Januar Glück, dass es mal nicht um Leben und Tod ging, als die Feuerwehr sich langsam mit ihrer Drehleiter zwischen den rechts und links stehenden Autos hindurchschlängeln musste. Sie war für den schonenden Transport einer Frau mit schwerem Bandscheibenvorfall gerufen worden — und kam letztlich mit 20 Minuten Verspätung an. Hätte es gebrannt, die Besatzung der Feuerwehr hätte wohl eher ein paar Außenspiegel geopfert als ein Menschenleben. „Solche Schäden haben wir immer wieder — aber meistens Bagatellschäden“, erklärt Feuerwehrsprecher Heinz Engels. Man versuche, auf parkende Autos Rücksicht zu nehmen, sie im Notfall etwa wegzuschieben. Regelmäßig seien die Wachen auch zur Ortsschau in ihren Gebieten unterwegs, um chronische Engstellen und Alternativrouten für den Ernstfall zu begutachten. Aber im Fall des Falles gilt: „Wer falsch steht, hat Pech“, so Engels. Das Rechtsamt prüfe eine Erstattung für Schäden. „Bisher wurde aber nur in wenigen Einzelfällen zugestimmt.“

Plan B Quartiersgarage: In der Stadt gibt es 67 Quartiersgaragen mit Kontingenten für Anwohner, die von der Stadt bezuschusst werden. Zudem bieten neun weitere Garagenbetreiber freiwillig feste Plätze für Anwohner an.

Ob das eine Alternative zur abendlichen Gurkerei durch das Viertel ist, kommt aber schwer auf den Stadtteil an. Bei einer Stichprobe für Friedrichstadt/Bilk gibt’s Enttäuschung. Die 50 Plätze im alten West-LB-Parkhaus an der Herzogstraße (70 Euro pro Monat) sind alle weg. Auch die stolzen 163 Plätze für günstige 33,80 Euro im Monat in der Real-Tiefgarage sind allesamt belegt. „Und die Fluktuation ist sehr, sehr spärlich“, heißt es vom Betreiber. Dabei sind die Kriterien streng: Man muss im Umkreis von 500 Metern wohnen, das Auto auf sich selbst zugelassen haben und darf nicht selbstständig sein.

Beim Anruf im Münster-Center an der Glockenstraße indes heißt es: „Ja, Sie können einen Platz haben.“ Einen von nur 20 Plätzen, für 63 Euro im Monat. Auch beim Check in der Garage Grafenberger Allee 136 lautet die Antwort: „Wir haben noch ausreichend frei.“ Die 52 Plätze dort liegen allerdings auch bei 98,77 Euro im Monat.

Alle Garagen mit Kontakt gibt es im Internet:

duesseldorf.de/bauverwaltung/leistungen/anwohnerquartiersgaragen.shtml