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Patientin stirbt: Panne verzögert Urteil im Prozess um schwere Fehldiagnose einer Düsseldorfer Ärztin

Patientin stirbt : Panne verzögert Urteil im Prozess um schwere Fehldiagnose einer Düsseldorfer Ärztin

Obwohl mehrere Symptome darauf hindeuteten, soll eine Ärztin in einer Düsseldorfer Klinik bei einer Patientin eine lebensgefährliche Blutvergiftung übersehen haben. Die Frau starb. Nun steht die Medizinerin vor Gericht. Ein Urteil gibt es aber noch nicht.

Wegen einer versehentlich nicht geladenen Gutachterin ist im Prozess um den Tod einer 38 Jahre alten Patientin in Düsseldorf am Mittwoch kein Urteil gefällt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft einer 29-jährigen Ärztin vor, dass ihr ein gravierender Behandlungsfehler unterlaufen sei.

Obwohl mehrere Symptome darauf hindeuteten, soll sie in der Notaufnahme einer Düsseldorfer Klinik bei der 38-Jährigen eine lebensgefährliche Blutvergiftung übersehen haben. Die Patientin starb nur einen Tag später. Wie sich erst bei der Obduktion herausstellte, hatte sie keine Milz. Das Organ ist aber wichtig für das Immunsystem.

Der Ärztin wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass ihre Patientin auch bei richtiger Diagnose gestorben wäre. Einem Gutachten zufolge soll die Assistenzärztin bei der Untersuchung entscheidende Kriterien nicht beachtet haben. Sie habe die Frau daher mit der Diagnose grippaler Infekt nach Hause geschickt. Gegen einen Strafbefehl in Höhe von 6000 Euro hatte die 29-Jährige Einspruch eingelegt.

Die Ärztin bestätigte vor Gericht, dass sie anhand der von der Patientin geschilderten Symptome von einem grippalen Infekt ausgegangen sei. Sie habe Lunge, Herz und Bauch abgehört sowie das Blut untersuchen lassen. Anzeichen für eine Blutvergiftung habe es nicht gegeben. Nachdem die 38-Jährige ein Medikament gegen Fieber und Schmerzen bekommen habe, sei es ihr erkennbar besser gegangen.

Der Verteidiger der Ärztin wollte einen Freispruch oder zumindest eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage erreichen. Das lehnte der Staatsanwalt ab. Er bot an, die Geldstrafe deutlich zu reduzieren. Darauf wollte sich die Ärztin nicht einlassen. Die 29-Jährige behandelt inzwischen keine Patienten mehr, sondern arbeitet in der mikrobiologischen Abteilung einer anderen Klinik. Ein neuer Prozesstermin steht noch nicht fest.

(dpa)