Paketbomben: Luftfracht gerät in den Fokus

Paketbomben: Luftfracht gerät in den Fokus

Frachtverkehr: Nach dem Fund der Paketbomben gerät auch das Sicherheitskonzept am Flughafen ins Visier.

Düsseldorf. Größer könnte der Unterschied kaum sein: Während Passagiere immer strenger kontrolliert werden, scheint es bei der Paketfracht kein dichtes Sicherheitsnetz zu geben - auch in Düsseldorf. Bedenken scheinen Düsseldorfer Fluggäste aber nicht zu haben. "Seit den Ereignissen am Kölner Flughafen hat es nur einen Anruf eines etwas verunsicherten Passagiers bei uns gegeben", sagt Sonja Schröder, Pressesprecherin des Flughafens.

Düsseldorf zählt nicht zu den größten Frachtflughäfen. Im vergangenen Jahr wurden 77000 Tonnen Fracht verladen. Zum Vergleich: In Köln waren es im gleichen Zeitraum 560000 Tonnen. "In Düsseldorf startet und landet einmal die Woche eine Frachtmaschine. Der Flieger kommt aus Dubai und hebt mit Textilien an Bord wieder nach Dubai ab", erklärt Schröder. Ein Großteil der Pakete fliegt folglich im Bauch von Passagiermaschinen mit. Doch was das Sicherheitskonzept angeht, steht die Luftfracht meist im Schatten des Passagierbetriebs.

Die Fracht wird in Deutschland nicht flächendeckend überwacht. Bundespolizei und Zoll sind nicht zuständig. Die Transportunternehmen werden vom Luftfahrtbundesamt kontrolliert - "die Verantwortung liegt also nicht beim Flughafen, sondern beim Verkehrsministerium", so Schröder.

Durchgeführt werden die Kontrollen der Pakete etc. aber durch die Unternehmen- wie zum DHL oder Fedex - selbst. Dafür gibt es Vorgaben des Luftfahrtbundesamtes, das diese stichprobenartig kontrolliert. Wie die Kontrollen genau ablaufen, will DHL nicht erläutern. "Wir haben stabile Sicherheitssysteme und -verfahren", erklärt Achim Gahr, Sprecher von DHL. Diese würden zum Teil weltweit, zumindest aber bundesweit vorgegeben. Zu Details will sich DHL nicht äußern. "Sonst würden sich Terrororganisationen wie Al Qaida ja freuen." Nur so viel: Zurzeit seien Transporte aus dem Jemen "vollständig unterbunden". Aber auch sonst gelte: "Wir sind laufend in Kontakt mit den jeweiligen Behörden."

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenverneigung Cockpit und selbst Pilot, fordert ein Gesamtsicherheitskonzept. "Es ist kein gutes Gefühl, nicht zu wissen, was sich im Laderaum der Maschine befindet. Die Schwächen des Systems sind uns schon lange bewusst, deswegen fordern wir die lückenlose Kontrolle der Fracht", sagt der Fachmann.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) warnt vor Panikmache. "Die Vorfälle müssen detailliert aufgeklärt werden", sagt Pressesprecherin Friederike Langenbruch. Erst dann könne man politische Konsequenzen ziehen. Und auch Sonja Schröder mahnt zum bedachten Umgang mit dem Thema. Am Düsseldorfer Flughafen scheinen sich die Passagiere schließlich nicht besonders daran zu stören.