Olaf Lehne: Trittbrettfahrer für 38 Minuten

Olaf Lehne: Trittbrettfahrer für 38 Minuten

Gefühlte anderthalb Stunden fuhr der Landtagsabgeordnete auf dem Müllwagen mit.

Düsseldorf. Die da oben. Verbocken alles, haben keine Ahnung vom echten Leben. Meint der Volksmund über die Regierenden. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt auch Politiker, die anpacken. Die sich nicht zu schade sind, mal mit der Müllabfuhr eine Tour zu fahren.

Olaf Lehne ist so einer. Am Mittwoch Morgen um 7 Uhr stellte sich der CDU-Landtagsabgeordnete auf das Trittbrett eines Müllwagens und begleitete eine Awista-Truppe bei ihrer Tour durch die Altstadt.

Und er packte mit an. Echte Knochenarbeit: Eine volle Mülltonne bringt es locker auf 30 Kilo Gewicht. "Wenn man die aus dem Keller hievt, belastet das schon sehr. Das geht ins Kreuz", erzählte Lehne nachher. Kein Wunder, dass sich die Zeit bei so schweißtreibender Arbeit mächtig dehnt. "Wir waren um neun, halb zehn fertig", behauptete er mittags am Telefon.

Wie gesagt: gefühlte Zeit. Tatsächlich hatte er um 7.38 Uhr seinen Job als Müllmann schon wieder beendet - nach einem Fernseh-Interview für einen Lokalsender kreuzte der Rechtsanwalt punkt 8 Uhr im Büro auf.

Wie täuschend echt sich die gedehnte Zeit anfühlt, zeigt die Nachfrage: "Kann es sein, dass Sie in Wirklichkeit schon um acht wieder im Büro waren?" - "Nein, da haben Sie mich vielleicht in der Altstadt gesehen, aber nicht auf dem Weg ins Büro", behauptet er - und liegt falsch. Schließlich rudert er zurück: "Ich habe nicht genau auf die Uhr geguckt."

Doch warum tut sich ein Politiker so eine Tour an? Geht es nur um publikumswirksame Bilder? Olaf Lehne als Trittbrettfahrer der Medien? Ein Dauer-Wahlkämpfer, der Werbung braucht? "Nein", sagt er. "Es hat mich schon lange gereizt zu wissen, wie so eine Schicht funktioniert. Das erweitert den Horizont." Den Termin bei der Awista fand Lehne gar so spannend, dass er schon vor Monaten darum gebeten hat.

Und in der Tat ist er gerade kein Wahlkämpfer: Die nächste Landtagswahl ist erst 2010 - und auf dem Weg in den Bundestag war Lehne erst im November ein interner Gegen-Kandidat zuvorgekommen.

Die Awista ist übrigens ein beliebtes Ziel für Politiker, die sich zupackend gerieren: Schon der verstorbene OB Erwin zog vor vielen Jahren Mülltonnen aus Kellern. Und nächsten Dienstag kommt die Fortsetzung: Dann will SPD-Bürgermeisterin Gudrun Hock mal aufs Trittbrett...

Wir erkennen: Die da oben sind gar nicht so, wie wir immer dachten. Oder?

Mehr von Westdeutsche Zeitung