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Oh Mann, oh Frau – oh Tannenbaum ...

Oh Mann, oh Frau – oh Tannenbaum ...

Alle Jahre wieder steht eine wichtige Entscheidung an: Welcher Baum soll’s sein? Am Stand entbrennt dabei oft ein regelrechter Kampf der Geschlechter.

Düsseldorf. Am Heiligen Abend ist er der Mittelpunkt. Der Weihnachtsbaum. Wer ihn natürlich gewachsen mag, steht vor großen Entscheidungen: Welcher Baum, wie groß, wie teuer? Der Kauf-Akt einmal aus der Sicht der Baumverkäufer ...

Dicht soll er sein und duften. Gerade und symmetrisch. Der eine will ihn kleiner mit dickem Bauch, der andere träumt von der zimmerhohen schlanken Tanne. Alle Jahre wieder gibt’s Knatsch. Und der beginnt meist beim Baumkauf. "Da bekommt man schöne Einblicke", sagt Franz Grummer, der vor den Düsseldorf Arcaden seinen Verkaufsstand hat. Preiswerte Rotfichte gegen stattliche, aber kostspielige Edeltanne. Mann und Frau hätten da verschiedene Vorstellungen. Bei aller Emanzipation, an Weihnachten sind die Rollen festgeschrieben: "Der Mann ist fürs Grobe zuständig, etwa den Transport und die Geldangelegenheiten. Die Frau für das Design."

"Wenn beide auf ihr Recht pochen und sich bei der anderen Seite einmischen, wird’s schon mal laut." Das kann auch Josef Rempe bestätigen. Er verkauft seine Bäume an der Bilker Kirche. Wenn Männer die Bäume ohne die Familie kauften, komme die Hälfte zum Umtausch zurück. "Irgendwas passt dann anscheinend immer nicht."

Christof Richers verkauft schon seit vielen Jahren am Kirchplatz. Er stellt eine Art Käuferprofil auf: "Viele sehen den Baum förmlich vor sich, auf dem Wohnzimmertisch, mit Kerzen Schmuck und Geschenken. Bis das Objekt der Begierde gefunden sei, "das kann dauern". Andere sind unromantischer: "Den nehme ich, heißt es nach dem dritten Baum, er geht durch’s Netz, und der Akt ist vollzogen." Bei Kindern laute die Devise ausnahmslos: Größer, höher, breiter. Wenn schließlich, nach langem Hadern, das 1,20-Meter-Bäumchen in den Wagen gehievt würde, ernteten Eltern und Verkäufer verächtliche Blicke.

Der Verkäufer selbst spielt beim Kauf eine wichtige Rolle: Er hält die Fäden in der Hand, schlichtet, lenkt und berät. "Es gibt schließlich auch verschiedene Sorten", sagt Richers. Die Nobilis-Tanne ist, wie der Name schon verrät, der Mercedes der Weihnachtsbäume. "Saftig grün und am besten geeignet für echte Kerzen, die Zweige geben nicht nach." Die meistgekauften seien die Nordmanntannen. "Sie pieksen nicht und bleiben lange frisch." Die Fichte aber ist und bleibt das Original. "Sie ist der Weihnachtsbaum im klassischen Sinne." Sie sticht und nadelt. "Hat sich aber jemand auf sie eingeschossen, kann man ihn nicht überreden, einen anderen Baum zu nehmen." Sie habe viele Fans.

Natürlich gebe es Tricks, wie man den Baum an den Mann, beziehungsweise an die Familie bringt, verrät einer. Trick Nummer eins: Lockbäume aufstellen. Den Traum von einem Baum, am besten drei Meter hoch, stellt man direkt am Eingang des Kaufbereichs auf. Zweitens: Die weniger schöne Seite verstecken. Erst wenn die Kunden sich mit dem Baum angefreundet haben, sie auf die kleinen Problemzonen - Löcher, krumme Äste oder Ausbuchtungen - aufmerksam machen. Drittens: einfach nett sein. "Da verkauft sich’s am besten."

Rempe geht noch geschickter vor: Die hässliche Seite würde er nicht verstecken. Wenn aber selbst die Lockbäume nicht gut genug sind, dann hat er für besondere Ansprüche Trümpfe in petto. "Diese Bäume sind zu schön, um wahr zu sein, und ziehen am Schluss immer." Am Weihnachtstag kommen die Schnäppchenjäger. Allerdings stünden dann nur noch windschiefe Exemplare zur Auswahl, sie laufen dann unter dem Gütesiegel: "besonders natürlich".

Übrigens braucht man für den Christbaum kein schlechtes Gewissen zu haben: Laut australischen Forschern verursacht ein Plastik-Weihnachtsbaum in der Produktion so viel schädliche Emissionen, dass man lieber 16 Jahre lang einen frischen abholzen und aufstellen kann.