Offshore-Leaks: Erster Steuersünder bestraft

Offshore-Leaks: Erster Steuersünder bestraft

Kaufmann muss 750 000 Euro zahlen. 13 Fälle im Raum Düsseldorf.

Düsseldorf. Im April vor drei Jahren sorgten die „Offshore-Leaks“ für Leaks für Aufsehen. Aus unbekannter Quelle waren Journalisten die Daten von internationalen Firmen und rund 130 000 Einzelpersonen zugespielt worden. Auf der Liste stand auch der Name eines 60 Jahre alten Kaufmanns. Der soll rund zwei Millionen Euro am Finanzamt vorbei nach Singapur geschafft haben. Wegen Steuerhinterziehung stand er gestern vor dem Amtsgericht. Es war der erste Fall, der nach den „Offshore-Leaks“ in Düsseldorf verhandelt wurde.

Der Angeklagte legte ein umfangreiches Geständnis ab. Er sei Geschäftsführer eine Firma gewesen, die Großrohre für Öl und Gas nach Russland lieferte. Das sei auch sehr erfolgreich gewesen. 2001 sei dann bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert worden: „Ich habe nicht gewusst, wie lange ich noch zu leben habe. Das konnte mir niemand sagen.“ Der Vater von drei Kindern habe dann die Familie versorgen wollen.

In insgesamt elf Fällen wurden dann Gelder direkt von Russland nach Singapur transferiert. Eine der neun Steuer-Oasen, die in den Offshore-Leaks auftauchten. Bevor die Daten international veröffentlicht wurden, hatte der 60-Jährige schon eine Selbstanzeige beim Finanzamt eingereicht, um reinen Tisch zu machen.

Das allerdings war dem Finanzamt zu spät. Es wurde trotzdem ein Strafverfahren eingeleitet. Wie ein Finanzermittler aussagte, seien die Offshore-Leaks damals ausgewertet worden. Im Bereich Düsseldorf seien 13 Verfahren eingeleitet worden. Teilweise konnte man den Beschuldigten nichts nachweisen.

Im Fall des Kaufmanns war das anders, weil er selbst die Unterlagen zur Verfügung stellte und bei der Aufklärung half. Darum wurde das Strafverfahren gestern auch vorläufig eingestellt. Allerdings muss der 60-Jährige in den nächsten sechs Monaten 750 000 Euro an zwei gemeinnützige Organisationen zahlen. Brot für die Welt und Transparency international sollen das Geld bekommen. Zahlt der Kaufmann nicht, wird das Strafverfahren wieder aufgenommen.

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