Oberbilk: Debatte über neue Straßennamen für "Grand Central"

Oberbilk: Debatte über neue Straßennamen für "Grand Central"

Eine Ehrung der Widerstandskämpferin Cilly Helten in dem neuen Viertel hat viele Fürsprecher. Stadtteilpolitiker diskutieren das Thema am Donnerstag.

Düsseldorf. Die Bezirksvertretung 3 (unter anderem zuständig für Bilk und Oberbilk) wird sich in ihrer Sitzung am Donnerstag mit der Frage beschäftigen, wie die Straßen im neuen Viertel „Grand Central“ heißen sollen. Das entsteht hinter dem Hauptbahnhof. Das Forum der Düsseldorfer Lesben, Schwulen und Trans-Gruppen macht sich dafür stark, dass die Widerstandskämpferin Cäcilia „Cilly“ Helten dort geehrt wird. Das unterstützen unter anderem die Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart und Grünen-Ratsherr Dietmar Wolf. Letzterer will die Frage über einen Änderungsantrag in die BV 3 bringen.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Vorschlag noch nicht auf der Tagesordnung steht. Dort sind bisher ausschließlich die Ideen vertreten, zwei der Planstraßen nach Düsseldorfer Partnerstädten zu benennen. So stehten in der Verwaltungsvorlage eine Reading- und eine Palermostraße. Das englische Reading ist seit 30 Jahren offizielle Partnerstadt und schon seit 1947 freundschaftlich mit Düsseldorf verbunden. Das sizilianische Palermo ist die jüngste Partnerstadt Düsseldorfs, der Vertrag wurde 2016 unterschrieben. Die Verwaltung argumentiert, dass die Benennung „Düsseldorfs Charakter als weltoffene und dynamische Metropole“ hervorhebe.

Cilly Helten war Kommunistin, liebte Frauen und wurde im Dritten Reich 1942 unter dem Vorwand des „Verdachts der Vorbereitung eines Hochverrats“ festgenommen. Die Nazis brachten sie ins Konzentrationslager Ravensbrück, das Helten überlebte. Im KZ lernte sie die Österreicherin Rosa Jochmann kennen. Die beiden blieben eng verbunden, Anfang der 60er Jahre zog die gebürtige Düsseldorferin zu Jochmann nach Wien. „Wir verlebten zwölf harmonische Jahre“, schrieb Jochmann in einem Brief kurz nach dem plötzlichen Tod Heltens im Jahr 1974. Sie sei ihr „Lebensmensch“ gewesen, so Jochmann.

Die Straßenbenennung ist ein wichtiger Punkt, mit dessen Hilfe daran erinnert werden soll, dass Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung in Düsseldorf verfolgt wurden. Ein weiterer ist ein Erinnerungsort für verfolgte Homosexuelle, der am Rhein entstehen könnte. So hatten es die Teilnehmer eines Bürgertags zum Thema im März vorgeschlagen. che

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