Bürgergespräch: OB wird im Schauspielhaus ausgebuht

Bürgergespräch : OB wird im Schauspielhaus ausgebuht

In einer emotionalen Diskussion verteidigt Geisel im Central die von ihm angefachte Debatte. Bei den mehr als 500 Besuchern kam das nicht gut an.

Düsseldorf. Das Schauspielhaus bleibt im Schauspielhaus. Nach der Sanierung wird es am Gründgens-Platz wieder einziehen, und ab Herbst 2018 kann es voraussichtlich bespielt werden. Dieses Ergebnis stand fest, bevor Oberbürgermeister Thomas Geisel am Samstag im Central auf dem Podium Platz nahm, um sich der Diskussion mit dem Intendanten Wilfried Schulz, dem Architekten Christoph Ingenhoven und Bernd Neuendorf, Staatssekretär im NRW-Ministerium, zu stellen.

Welchen Image-Schaden der OB mit der von ihm im Alleingang angezettelten Debatte um einen möglichen Abriss oder eine Neunutzung des Baus verursacht hat, davon konnte sich Geisel im voll besetzten Theatersaal ein Bild machen.

Rund 500 Besucher kamen, um zu zeigen, was ihnen das Schauspielhaus wert ist. Noch bevor der Intendant ein Wort sagte, wurde er mit stürmischem Applaus begrüßt. Buh-Rufe und Gelächter erntete Geisel, als er erklärte, er habe niemals einen Abriss erwogen. Ihm sei es um eine Selbstvergewisserung gegangen, dass die Stadt bereit sei, viel Geld in die Sanierung des von außen „verwahrlosten“ Hauses zu stecken.

„Mir ist das Schauspielhaus lieb und teuer. Es ist aber nur eine Facette der vielfältigen Kultur in Düsseldorf. Das ist immer auch eine Verteilungsfrage“, rechtfertigte sich Geisel. Auf Zwischenrufe zum „Grand Départ“ hin erklärte er, dass man für die Kosten der Sanierung des Schauspielhauses, die Eröffnung der Tour de France viermal nach Düsseldorf holen könne.

Schulz sagte, ihm sei es „wurscht“, ob die Infrage-Stellung des Standortes für das Schauspielhaus nun lanciert gewesen sei oder nicht. „Wir haben uns nun vergewissert, dass die Stadt dem Schauspielhaus diesen Raum zuweist.“ Der nächste Schritt sei, den genauen Bedarf festzustellen und das Theater „zukunftssicher“ für die nächsten 50 Jahre zu machen.

Was es denn nun genau kosten werde, neben der zurzeit laufenden Sanierung zusätzlich Dach und Fassade instand zu setzen und bis wann das möglich sei, wollte man im Publikum wissen. „Zu den bisherigen 21 Millionen kommen für Dach und Fassade noch 20 bis 25 Millionen hinzu“, lautete die Prognose des Architekten Ingenhoven, der einen Masterplan für die anstehenden Arbeiten erstellt hat. Er hält es für absolut möglich, Mitte 2018 das Haus wieder zu bespielen.

„Dein Wort in Gottes Ohren“, entgegnete darauf OB Geisel. Er sei aus Erfahrung skeptisch geworden, es sei eher überraschend als üblich, dass eine solche Planung auch umzusetzen sei. „Sie rudern immer nur zurück“, provozierte Michael Köhler. Der Kulturjournalist moderierte die Diskussion souverän mit gezielt gesetzten Fragen. In Richtung Landesregierung meinte er: „Ich vermisse die Stimme der Ministerin.“ Der Staatssekretär stellte klar: „Wir stehen zum Schauspielhaus, das das einzige Staatstheater in NRW ist.“ Die Vorschläge von Geisel seien mit dem Land nicht abgestimmt gewesen. Das hätte man erst im Nachgang im Aufsichtsrat, in dem Stadt und Land als Träger des Theaters vertreten sind, nachbesprechen müssen.

Um „step by step“ weiterzukommen, appellierte Schulz an Geisel, auch in der Politik stärker an die Vision zu glauben. „Vision ist für uns im Theater kein Schimpfwort. Wenn wir etwas nicht behaupten, werden wir es auch niemals haben.“ Aus dem Publikum kam der Vorschlag, dass sich Düsseldorfer mit Spenden an der Sanierung beteiligen könnten. Schauspieler Wolfgang Reinbacher, der schon bei der Eröffnung des Schauspielhauses vor knapp 50 Jahren dabei war, versprach 1000 Euro zu spenden. Ein anderer Zuschauer sagte die gleiche Summe zu. Geisel nahm das gerne an und erklärte: „Und ich lege noch einmal 2000 Euro drauf.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung