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Thomas Geisel: OB stellt sich selbst ein gutes Zeugnis aus

Thomas Geisel : OB stellt sich selbst ein gutes Zeugnis aus

Seit drei Jahren ist Thomas Geisel im Amt. Doch was hat er wirklich zu verantworten - positiv wie negativ?

Düsseldorf. „In eigener Sache ist man kein guter Richter“: So einen bescheiden klingenden Satz hat Thomas Geisel immer locker drauf. Selbst wenn er ihn einbettet in ein 40-minütiges Plädoyer in eben dieser eigenen Sache unter der Überschrift: Warum ich ein ziemlich guter Oberbürgermeister bin. Genau drei Jahre ist er nun im Amt, der Seiteneinsteiger mit SPD-Parteibuch. Und da in letzter Zeit reihenweise Regierungspolitiker böse abgestürzt sind, weil ihre Wähler fanden, dass sie nicht viel Gutes erreicht haben, möchte Geisel die Deutungshoheit für seine Halbzeit-Bilanz lieber selbst behalten.

Thomas Geisel: OB stellt sich selbst ein gutes Zeugnis aus
Foto: Schleucher

Ein fünfseitiges Leistungszeugnis legt der OB deshalb oben in der Laterne des Schlossturms vor. Und am Ende fragt sein Sprecher Dieter Schneider provokant in die Runde: „Kennen Sie ein Wahlverspechen, das nicht eingelöst wurde?“

Thomas Geisel: OB stellt sich selbst ein gutes Zeugnis aus
Foto: Gstettenbauer/Zanin

Das kommt drauf an. Einige Versprechen hat er zweifelsohne gehalten: Er geht zu den Bürgern in die Stadtteile, spricht immer wieder mit ihnen; er und seine Stadtregierung kümmern sich auch um Randgebiete, etwa um Garath. Für Flüchtlinge hat er organisatorisch viel getan, das Ehrenamt wieder mehr gefördert, den Bürgersinn reaktiviert. Und dann ist er einfach unglaublich fleißig, kein Termin ist ihm je zu viel, scheint es.

Was ihm derzeit fehlt, ist ein großes, wichtiges Thema. Geisel weiß genau, dass das nicht die Tour de France sein kann, so sehr er sich auch dafür (zu recht) einsetzt. Dann wird enorm viel gebaut in Düsseldorf. Aber reißt das jemanden vom Hocker? Und: Wer will bei all den Investitionen beurteilen, was das persönliche Verdienst eines Oberbürgermeisters ist? Beispiel Wohnungsbau: Da hat Düsseldorf stark zugelegt, 2017 werden 2800 Wohneinheiten neu gebaut. Auch, weil Baurecht jetzt etwas zügiger geschaffen wird. Aber doch vor allem wegen Mini-Zinsen und Immobilienboom in allen begehrten Großstädten. Gut ist, dass die Stadt beim sozial geförderten Wohnungsbau endlich wieder die Potenziale ausschöpft.

Ähnlich ist es beim Schulbau: Die wachsende Kinderschar zwingt die Stadt seit 2014 zu immer neuen Maßnahmenpaketen, da ist auch Geisel eher Getriebener als Forcierer. Bei den Bädern ist der Weg für Neubauten frei, mehr aber auch nicht: Auch in Geisels drei Amtsjahren ist noch kein Stein für die seit zehn Jahren versprochenen neuen Bäder gesetzt worden.

Geisel weiß um die Langwierigkeit solcher Projekte und er weiß, dass dies dem (von ihm gepflegten) Macher-Image schaden kann: „Vieles ist noch auf dem Weg, aber nicht abgeschlossen“, sagt er. Immerhin: Der Dauerstillstand bei der Verlängerung der Linie 701 zum Dome ist aufgelöst, bald rollt die Bahn hier.

Fragt man, was ihm selbst am wichtigsten war, sagt Geisel: „Dass Düsseldorf wieder ein besseres Image kriegt, sympathischer rüberkommt.“ Nun, auf regionaler Ebene ist das sicher gelungen. Das Verhältnis zu den Stadt-Mitarbeitern hat sich aber nur anfangs gebessert. Seit das Sparkonzept Verwaltung 2020 im Raume steht, hat Geisel bei der eigenen Belegschaft Auswärtsspiele. Andererseits zeigt er klar Flagge gegen Rechts, ist bürgernah, ohne sich anzubiedern.

Dann ist die Politik ein wichtiger Faktor, die regierende Ampel aus SPD, Grünen und FDP treibt ihrerseits Dinge voran — insbesondere beim ÖPNV und Radverkehr. Immer wieder knirscht es dann im Gebälk zwischen Ampel und einem OB, der sicher nicht unter Antriebslosigkeit oder mangelndem Selbstbewusstsein leidet.

Ziemlich unbeliebt beim — in Düsseldorf zahlenmäßig zwar nicht wahnsinnig großen, aber einflussreichen — Bildungsbürgertum machte sich der OB mit unausgegorenen Gedankenspielen zum Schauspielhaus, als er infrage stellte, ob der Pfau-Bau wirklich zwingend an Ort und Stelle erhalten werden muss: Dafür (und für andere Einsparpläne bei Kulturinstituten) bezog er Verbal-Keile und stand plötzlich bei nicht wenigen als bloßer Sportfreund und Kulturbanause da. Das ist er — mindestens im Vergleich zu seinen letzten vier Amtsvorgängern — nicht. Geisel ist kulturell vielfältig interessiert, zeigt sich oft (und freiwillig) in Tonhalle, Schauspielhaus oder Opernhaus. Und hat gute neue Cheflösungen zu verantworten: Wilfried Schulz im Schauspielhaus etwa oder das Top-Dirigenten-Duo Adam Fischer und Alexandre Bloch in der Tonhalle.

Apropos Chefposten: Ob er bei den von ihm mitinitiierten Wechseln bei Stadttöchtern auch so richtig gelegen hat, ist weder bei der Stadtsparkasse, noch bei der Rheinbahn gesagt. Hier wie da steht zunächst mal nur fest, dass recht erfolgreiche Chefs gegangen wurden. Eine (fast) allseits anerkannte Geisel-Personalie ist wiederum die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch.

Die Schauspielhaus-Äußerungen waren nicht die einzige Ungeschicklichkeit. Gleich zu Beginn 2014 ließ er sich auf ein Posten-Geklüngel für seine SPD ein, als die Gudrun Hock als Bürgermeisterin loswerden wollte und für sie ein Vorstandsposten bei der Stadttochter DCSE geschaffen wurde. Den Hock übrigens schon wieder los ist. Oder als er mit Hannelore Kraft den Flughafen nach Johannes Rau benennen wollte, was in einer peinlichen Bruchlandung endete.