OB Geisel will Mobilitätsstationen und eine neue APP für alle Anbieter

Verkehr : Mobilität: So will die Stadt Ordnung bei den neuen Angeboten in Düsseldorf schaffen

Mit einer städtischen Gesellschaft möchte OB Geisel Mobilitätsstationen und eine App entwickeln, die alle Anbieter auf einer Plattform bündelt.

Wer in Düsseldorf alle Möglichkeiten der neuen Welt der Mobilität nutzen will, der braucht viele Apps auf seinem Handy: Von drei Anbietern von Leihrädern, drei Anbietern von E-Scootern, für einen Leih-Elektro-Roller, für drei Carsharing-Anbieter, für zwei Taxi-Apps plus ein Mietwagen-Angebot mit Chauffeur und auch für Bus und Bahn gibt es eine. Wer jetzt ohne eigenes Gefährt einfach nur schnell oder günstig von A nach B kommen möchte, kann da im Wust der digitalen Angebote schon mal die Orientierung verlieren, zumindest dauert es einige Zeit, die Angebote zu überblicken.

Die unkoordinierte digitale Welt spiegelt sich auch auf der Straße wider. Vor allem Leihroller und -räder stehen zum Teil wild in der Gegend herum.

Neue Gesellschaft soll sich am Beispiel Schulbau orientieren

Hier will die Stadt nun aufräumen und stärker regelnd eingreifen, nicht nur mit einer neuen Sondernutzungssatzung, sondern auch mit Hilfe einer noch zu gründenden städtischen Mobilitätsgesellschaft. Sie soll laut OB Thomas Geisel vor allem zwei Dinge entwickeln: Mobilitätsstationen, an denen diese Angebote physisch gebündelt werden, und eine App, „in der Kunden wie auf einem Marktplatz einen Überblick über das Angebot bekommen“. Ihrer Entwicklung stehen allerdings noch Hürden im Weg.

Auch der Stadtrat steht grundsätzlich hinter der Idee „Mobilitätsgesellschaft“. Ihre genauen Aufgaben und ihre Organisationsform stehen jedoch noch nicht fest. Geisel favorisiert die Idee, sich an der städtischen Tochtergesellschaft IPM zu orientieren, die vor allem auf den Bau von Schulen spezialisiert ist. Davon verspricht er sich auch auf dem Feld der Mobilität „mehr Agilität der öffentlichen Verwaltung“. Tatsächlich schafft es die IPM mit flachen Hierarchien und privatwirtschaftlich organisiert, den Schulbau zu beschleunigen. Auch weil sie als so genannte „Inhouse-Gesellschaft“ weniger strengen Vergaberichtlinien unterliegt.

Ein Vorschlag soll dem Rat möglichst noch in der Sitzung am 28. November vorgelegt werden. Geisel hofft, dass dann Anfang 2020 der erste Pilot für eine Mobilitätsstation eingerichtet wird und Orte für weitere Stationen ausgewiesen werden. „Wir haben lange genug Vorarbeitet geleistet, es muss jetzt endlich losgehen.“

Der OB denkt an unterschiedliche Ausführungen in den Größen XXS bis XXL, allerdings in einem einheitlichen Erscheinungsbild. Das Corporate Design müsste von der neuen Gesellschaft entwickelt werden. Konkreter: XXL-Stationen wird es beispielsweise an Park&Ride-Plätzen geben, wo man auf Stadt- und Straßenbahn umsteigen kann sowie auf Eddys, Fahrräder, E-Scooter und Elektrofahrzeuge zum Leihen. In der City soll es eher alle 150 Meter eine kleine Station geben, vielleicht mit vier E-Scootern, vier Leihfahrrädern und einer Ladestation für ein E-Fahrzeug. Hier soll die Mobilitätsgesellschaft den Anbietern ihre Flächen zuweisen. Das Ziel ist klar: „Wir wollen den Straßenraum aufräumen. Die Mobilitätsgesellschaft hat nicht das Ziel, ein profitables Geschäftsmodell zu betreiben, sondern soll dem Gemeinwohl verpflichtet sein.“

Dieses Prinzip soll auch für die Entwicklung der App gelten. Hier wird es jedoch kompliziert. Denn die Rheinbahn hat bereits mit dem Partner Moovel, wohinter Daimler steckt, eine solche im Angebot. „Mobil in Düsseldorf“ heißt sie. Das geförderte Pilotprojekt im VRR läuft noch bis Herbst 2020. In der App vertretene Anbieter sind neben der Rheinbahn etwa Tier für E-Scooter und Nextbike für Räder. Mit dabei sind aber auch Car2go und DriveNow für Mietautos sowie FreeNow für Taxis, wohinter neben BMW auch wieder Daimler steckt. Der E-Roller „Eddy“ der Stadtwerke fehlt jedoch, genau wie Buchungsmöglichkeiten für Taxi Deutschland, der digitale Auftritt der Taxigenossenschaften, die ja in Düsseldorf besonders präsent sind. Die Rheinbahn sagt, die App stehe allen offen. Der Chef der Taxigenossenschaft Düsseldorf, Dennis Klusmeier, schiebt das Fehlen auf „technische Probleme“. Er lässt jedoch durchblicken, dass er auf eine kommunale Lösung hofft. Auch von den Stadtwerken heißt es: Wir verfolgen gemeinsame Pläne für eine Mobilitätsplattform mit der Stadt und der Rheinbahn.“ Die Rheinbahn kommentiert die Partnerfrage nicht, Sprecherin Heike Schuster sagt lediglich: „Die Mobilitätswende wird nur gelingen, wenn wir die verschiedenen Verkehrsmittel so miteinander vernetzen, dass wir nahtlos vom einen aufs andere Verkehrsmittel wechseln können. Wir werden es zwar nicht schaffen, dass alle Menschen ausschließlich den ÖPNV nutzen – was wir aber erreichen können und wollen ist, den ÖPNV zum Herzstück der innerstädtischen Mobilitätsnutzung auszubauen.“

Geisel sieht es für den weiteren Ausbau allerdings als problematisch an, wenn Marktteilnehmer selbst zum Anbieter einer solchen Plattform werden. „Das dürfte die Konkurrenz abschrecken, da ja Daten preisgegeben werden. Unser Ziel ist es aber, ein möglichst gutes Angebot zu machen, das den Verzicht aufs Auto ermöglicht.“ Und davon würde die Rheinbahn am Ende am meisten profitieren. Ihre kommerziellen Interessen seien aber nicht unbedingt kompatibel mit einem möglichst transparenten Marktplatz. „Das ist eine klassische kommunale Aufgabe“, sagt Geisel. Eine akzeptable Lösung sei, die bereits vorhandene App mit der Rheinbahn weiter zu entwickeln, später aber auf die Mobilitätsgesellschaft übergehen zu lassen – zumal ohnehin ein Baukasten-System angestrebt werde.

Das Ziel: Mit einer einheitlichen Bezahlfunktion lassen sich sämtliche Mobilitätsangebote für die Verkehrswende in einer App buchen, auch kombiniert für eine Strecke. Die Rheinbahn kündigt diese Funktion bislang für den Sommer 2020 an. Zudem soll der Kunde dann einen Filter für seinen CO2-Fußabdruck der jeweiligen Strecke setzen können, wie die Rheinbahn mitteilt.

Perspektivisch will Geisel das gesamte Parkangebot der Stadt in die App mit aufnehmen, sodass es effizienter genutzt werden kann, wodurch wiederum Flächen etwa für Radwege frei würden. „Das System muss modular erweiterbar sein, aber auch schon im ersten Schritt gut nutzbar.“

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