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Deutsche Oper am Rhein: OB Geisel im Interview: „Duisburg muss seinen Beitrag leisten“

Deutsche Oper am Rhein : OB Geisel im Interview: „Duisburg muss seinen Beitrag leisten“

Am Donnerstag geht es im Aufsichtsrat der Oper ums Geld. Oberbürgermeister Thomas Geisel sagt im WZ-Gespräch, welchen Kurs er fährt.

Düsseldorf. Bis zu den Sommerferien wird sich entscheiden, ob die Opernehe zwischen Duisburg und Düsseldorf fortgeführt wird. Hauptstreitpunkt ist das Geld. Düsseldorf trägt bei der Bezuschussung den Löwenanteil. Jetzt stehen zudem Personalkostensteigerungen an. Auch hier soll Düsseldorf tiefer in die Tasche greifen als die Nachbarstadt. Im Aufsichtsrat wird am Donnerstag besprochen, welchen Beitrag jeder Beteiligte leisten kann und will: Düsseldorf, Duisburg und die Oper.

Deutsche Oper am Rhein: OB Geisel im Interview: „Duisburg muss seinen Beitrag leisten“
Foto: GW/Stadt

Herr Geisel, der aktuelle Vertrag mit Duisburg läuft bis 2017, aber schon in diesem Jahr wird über die Verlängerung verhandelt. Bei den letzten Verhandlungen vor zwei Jahren hat Duisburg seinen Beitrag gesenkt, Düsseldorf hat drauf gelegt. Kann sich das die Stadt angesichts knapper Kassen noch einmal leisten?

Thomas Geisel: Ich bin zuversichtlich, dass bald eine Lösung gefunden wird. Beide Seiten haben ein hohes Interesse daran, die Opernehe fortzuführen. Ich habe auch den Eindruck, dass sich Duisburg durchaus darüber im Klaren ist, ebenfalls seinen Beitrag leisten zu müssen.

Wo ist denn die finanzielle Schmerzgrenze?

Geisel: Das ist Gegenstand der Verhandlung, die ich nicht über die Medien führe. Klar ist aber, dass es eine vernünftige Balance geben muss zwischen den finanziellen Beiträgen und den Vorteilen, die beide Partner aus der Opernehe ziehen.

Bei den Verhandlungen wird es erneut um die Finanzierung der Personalkostensteigerungen gehen, streben Sie dafür eine Dauerlösung an?

Geisel: Ich wüsste nicht, worin so eine Dauerlösung bestehen sollte. Klar muss sein, dass alle Parteien dazu beitragen müssen, Kostensteigerungen nach Möglichkeit zu vermeiden.

Es kursieren hinsichtlich der zu erwartenden Tarifsteigerungen unterschiedliche Zahlenangaben, sind rund 200 000 Euro pro Jahr korrekt?

Geisel: Das hängt naturgemäß von der Höhe der Tarifsteigerungen ab.

Wenn Düsseldorf erneut aushilft und die Personalkosten für die Oper übernimmt — was erwarten Sie im Gegenzug von der Oper?

Geisel: Alle sind gefordert, ihren Beitrag zu leisten, selbstverständlich auch die Oper. Ich erkenne an, dass die Leitung der Deutschen Oper am Rhein seit Vorlage des Actori-Gutachtens in diesem Sinne bereits einiges geleistet hat. Und zwar sowohl auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite. Hier gilt es Kurs zu halten.

Wird der Vertrag dieses Mal, so wie früher immer, um fünf Jahre verlängert — oder wieder nur für drei?

Geisel: Das hängt vom Verlauf der Verhandlungen ab. Wünschenswert wäre sicherlich eine längerfristige Vereinbarung — schon alleine um der Oper Planungssicherheit zu verschaffen.

Warum ist ein Erhalt der Opern-Ehe überhaupt erstrebenswert?

Geisel: Ohne die Opernehe gäbe es ein Opernhaus dieser Qualität und Strahlkraft nicht. Weder in Duisburg, noch in Düsseldorf.

Welche Rolle spielt die Oper Düsseldorf/Duisburg in der NRW-Kulturlandschaft?

Geisel: Die Deutsche Oper am Rhein und die Ballettcompagnie unter Martin Schläpfer sind ein Aushängeschild für Düsseldorf und Duisburg und sind weit über die Grenzen unserer Region von Publikum und Kritikern geschätzt.

Düsseldorf lässt sich die Oper zurzeit 26 Millionen Euro im Jahr kosten, gleichzeitig ist die Schuldenfreiheit in Gefahr. Ist das Geld gut investiert?

Geisel: Die Deutsche Oper am Rhein trägt wesentlich zur Identität der Landeshauptstadt als Kulturmetropole bei. Das sollten wir in diesem Zusammenhang bedenken.

Was haben Sie zuletzt in der Oper gesehen?

Geisel: Mein letzter Besuch des Düsseldorfer Opernhauses war leider ein sehr trauriger, nämlich die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Flugzeugabsturzes. Davor war ich bei der Premiere von „b.23“ mit Martin Schläpfers Ballettcompagnie und Mozarts wunderschöner g-Moll-Symphonie mit den Düsseldorfer Symphonikern.