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Nur am Computer zu sitzen reicht längst nicht mehr aus

Nur am Computer zu sitzen reicht längst nicht mehr aus

Taktik, Training und Konzentration gehören dazu: Die besten Videospieler Deutschlands treten im Castello an.

Kann Videospielen Sport sein? Für die meisten der rund 1500 Zuschauer, die am Wochenende das Castello besuchten, ist diese Frage so selbstverständlich mit Ja zu beantworten, dass sie sie sich eigentlich gar nicht mehr stellen. Sie jubelten bei der deutschen Frühlingsmeisterschaft der Electronic Sports League (ESL) lieber ihren Lieblingsspielern und Lieblingsvereinen zu, die in drei Disziplinen versuchten, den Titel des deutschen Meisters für sich zu gewinnen.

Wie die Bezeichnung Electronic Sports oder kurz E-Sports nahelegt, reicht es bei den Spitzenspielern nicht mehr aus, einfach nur den ganzen Tag am Computer zu sitzen. Tägliche Taktikbesprechungen mit Trainerteams und Konzentrationsübungen gehören zur Tagesordnung. Auch die körperliche Anstrengung ist mit — je nach Spiel — bis zu 300 Tastenanschlägen pro Minute nicht zu unterschätzen.

Die drei Spiele, die am Wochenende gespielt wurden, sind drei der beliebtesten E-Sport-Disziplinen; die Fußallsimulation „Fifa 18“, der Ego-Shooter „Counter-Strike: Global Offensive“ und „League of Legends“, ein Team-Strategiespiel, in dem zwei Teams versuchen, die gegnerische Basis zu zerstören. Dabei können die fünf Spieler aus jedem Team aus über 100 verschiedenen Charakteren wählen, um die Gegner zu überlisten und sich einen Weg zur Basis zu verschaffen.

Nachdem in den letzten Monaten die reguläre Saison stattfand, wurden am Wochenende die Halbfinal- und Finalpartien in den einzelnen Spielen ausgetragen.

Besonders „League of Legends“ zog viele junge Menschen in das Castello. Dabei trugen sie, wie im konventionellen Sport, das Trikot ihres Lieblingsteams, schwenkten Fahnen oder riefen den Namen ihres Lieblingsspielers, wobei die meisten Spieler vor allem unter ihrem selbstausgedachten Nickname auftreten. Zu den Lieblingsspielern des 18-jährigen Paul gehört zum Beispiel der Spieler „Noway“, der „League of Legends“ beim unterlegenen Finalteilnehmer SPGeSports spielt: „Er macht viele Videos, in denen er seine Taktiken erklärt, und ist dabei einfach total unterhaltsam.“

Wie vor allem die Persönlichkeit und die Online-Aktivität der Spieler für Sympathien sorgt, erklärt der 20-jährige Vincent: „Für die Leute hier sind die E-Sportler genauso Stars wie Fußballspieler. Sie sind aber noch nahbarer und eher erreichbar. Man kann sie zwischen den Spielen auch mal ansprechen oder online in Kontakt treten.“ Selbst die Kommentatoren sind Stars in der Szene und wurden direkt nach jeder Partie von einer Schlange belagert und nach Fotos gefragt. Wie professionell der E-Sports schon aufgestellt ist, zeigt sich auch bei Fifa-18-Partien. Der neue Meister Cihan Yasarlar, der bei RB Leipzig unter Vertrag steht, spielte bis August noch für Schalke 04, bevor die Leipziger ihm ein besseres Angebot unterbreiteten. Solche Wechselspielchen kennt man ja auch vom Profi-Fußball.