Nichts fährt — alles versteigert

Nichts fährt — alles versteigert

Sichergestellte Fahrzeuge wurden vom Fundbüro verkauft.

Düsseldorf. Gebrauchtwagen, alte Motorräder oder Roller zum Schnäppchenpreis: Darauf hofften am Freitag zumeist Händler, die sich auf dem Gelände des Abschleppdienstes Ahrens an der Mindener Straße einfanden. Dort kamen sichergestellte Fahrzeuge des städtischen Fundbüros unter den Hammer — herrenlose Vehikel, die von ihren ehemaligen Besitzern einfach am Straßenrand hinterlassen wurden.

„Das ist alles Schrott hier“, meint ein Mann, der kopfschüttelnd zwischen den 26 alten Autos und 18 Zweirädern nach etwas sucht, das gewinnbringend weiterverkauft werden kann. Seine abfällige Meinung teilen offenbar nicht viele seiner Kollegen. Unter den rund 70 Besuchern der Auktion sind viele, die eifrig mitbieten, um das Gefährt ihrer Wahl zu ergattern. Eine blaue Suzuki 650, die noch keine neun Jahre alt ist, macht beispielsweise optisch noch einen guten Eindruck. Ralf Beckmann erhält schließlich den Zuschlag für 1200 Euro und freut sich: „Zu Hause werde ich die zum Laufen bringen, um sie wieder zu verkaufen.“ Er ist sicher, dass er das hinbekommt. „Ich bin damit groß geworden, an solchen Geräten herumzuschrauben.“

Bei einem Kawasaki-Motorrad, das in üblem Zustand ist, moppert ein Interessent, als Auktionator Klaus Bach seine Preisvorstellung in Höhe von 400 Euro äußert. „Der Tank hat schon Löcher und ist gespachtelt.“ Bach kontert mit Humor. „Da sind doch noch zwei Spiegel dran.“ Die beiden einigen sich schließlich auf 190 Euro.

Kirsten Zentes hat aus der Zeitung von der Versteigerung erfahren und sucht ein Vehikel für sich persönlich. Sie dürfte die einzige Privatperson auf dem Gelände sein. Als ein antikes Piaggio-Mofa an der Reihe ist, schlägt ihre Stunde. 60, 70, 80, 90, 100 Euro — „110 Euro“, ruft sie mutig. Alle schauen sie skeptisch an. „Da kannst du doch nichts mehr dran verdienen“, sagt einer, der vorher mitgeboten hat. „Das will ich gerne selber haben, zum Einkaufen“, entgegnet sie. „Ich find’, das ist ein supertolles Teil.“

Auf der anderen Seite, wo die Autos stehen, sind wieder die Profis dran. Auch hier wird wieder kräftig gedrückt. Für einen 16 Jahre alten Fiat Bravo erbarmt sich schließlich einer der Bietenden. 250 statt der geforderten 650 Euro zahlt er. Da bleiben nur Erinnerungen für den Auktionator. Vor einigen Jahren habe er mal für einen Pajero 25 000 Euro erzielt. Heute ist das Preisgefüge ein anderes. Für einen Chevrolet-Van gilt ein Mindestgebot von 500, für einen Mercedes 220 D sogar nur 250 Euro. Immerhin 1500 Euro soll ein BMW einbringen. Die Geschichte dahinter ist eine traurige: Der Besitzer verstarb und niemand wollte die Erbschaft antreten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung