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Neugierige Anwohner besuchen Bordell

Neugierige Anwohner besuchen Bordell

PR-Manager Bert Wollersheim lud die Anwohner zum „Tag der offenen Tür“ ein.

Düsseldorf. Die drei Damen wollten ihren Namen nicht nennen. Verraten wollten sie nur, dass sie schräg gegenüber bei ABB arbeiten. Trotz aller Zurückhaltung gegenüber den Medien waren sie dennoch sehr neugierig und nutzten die Gunst der Stunde, dass PR-Manager Bert Wollersheim im neuen Großbordell Ocean’s an der Oberhausener Straße 17 zum „Tag der offenen Tür“ eingeladen hatte, bevor am Dienstag die große Eröffnungsparty steigt. „Wir wollten einfach mal wissen, wie es im Inneren eines solchen Ladens aussieht.“

Die Einrichtung ist prunkvoll. Große Sitzecken laden zum Verweilen ein und an den Wänden prangen riesige Gemälde des Künstlers Joe Brockerhoff. Die Damen sind sichtlich beeindruckt. „Wir haben uns das völlig anders vorgestellt. Nicht so sauber und so geräumig, eher ein bisschen schmuddelig.“

Seit Jahren streiten sich Politik, Verwaltung und Anwohner über das neue Bordell. Auf 4000 Quadratmetern sollen etwa 200 Damen ihrer Arbeit nachgehen, die Bezirkspolitiker regten sich über diese Größenordnung des Sauna-Clubs auf. Außerdem gab es Vorwürfe in Richtung der Verwaltung wegen mangelnder Transparenz im Genehmigungsverfahren gegenüber der Bezirksvertretung 6. Dann wurde ohne Genehmigung im Außenbereich gebaut, deshalb wurde vom Bauaufsichtsamt ein Baustopp verhängt. Das große Loch für das Schwimmbad musste wieder zugeschüttet werden. Zudem gab es Bedenken, ob sich im Zuge des neuen Bordells ein illegaler Straßenstrich bilden könnte. Auch die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel hatte sich eingeschaltet und mehr Offenheit vom Betreiber gefordert, um die Bedenken der Anwohner zu zerstreuen.

„Wir haben uns mit allen zuständigen Behörden ausgetauscht alle Vorgaben erfüllt“, sagt PR-Chef Bert Wollersheim, „diesen Tag nutzen wir nun, um die Bedenken der Anwohner zu zerstreuen, denn die meisten wissen ja gar nicht, wie es in einem solchen Etablissement aussieht.“

Über Vermutungen, dass sich ein illegaler Straßenstrich entwickeln könnte, kann Wollersheim nur lächeln. „Dagegen haben wir etwas, denn das würde ja unser Geschäft kaputt machen.“ Zumal für die Sicherheit ein ehemaliger Kripobeamter im Ruhestand zuständig ist.

Werner Wisnewski (70) aus Lierenfeld hat keine Berührungsängste: „Ich hab nichts gegen ein Bordell. Das ist alles nur menschlich, schließlich heißt es ja nicht umsonst ,das älteste Gewerbe der Welt’.“

Seine Begleiterin Andrea Pöge ist nur neugierig: „Normalerweise würde ich mich nicht in so ein Geschäft trauen.“

„Ich finde das super, dass es solche Bordelle gibt, weil es sonst auf der Straße viel mehr Vergewaltigungen geben würde“, sagt ein Mitarbeiter von Daimler, der seinen Namen auch nicht nennen möchte.

Auch Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel sieht die Angelegenheit inzwischen nicht mehr so kritisch wie zu Beginn der Bauarbeiten. „Die letzten Zweifel sind zwar nicht beseitigt, aber ich habe mir jetzt mehrmals vor Ort ein Bild gemacht. Alles was von den Behörden nicht genehmigt war, wurde beseitigt. Da nun alles in Ordnung scheint, habe ich nichts gegen den Betrieb.“

Mit Sabrina Ceccerini-Päsch wurde eine Sozialarbeiterin für die Mädchen eingestellt. „Ich werde mich um ihre alltäglichen Probleme kümmern.“

Zur großen Eröffnungsparty, am Dienstag ab 18 Uhr, erwartet Wollersheim knapp 1000 geladene Gäste.