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Neue Ziele für die Regiobahn

Nahverkehr : Neue Ziele für die Regiobahn

Ende 2020 soll die Strecke über Mettmann hinaus bis Wuppertal verlaufen. Viersen und Willich warten seit Jahren auf eine Anbindung an die S 28, für diesen Abschnitt zeichnet sich nun die wichtige Offenheit in Mönchengladbach ab. Eine Analyse zu den anstehenden Verhandlungen.

Grüner wird’s nicht. Das ruft man an der Ampel schon mal gerne, wenn der Fahrer des Wagens vor einem noch das Gaspedal sucht. Günstiger wird sie nicht. Das möchte man rufen, wenn man an die Gelegenheit denkt, die Regiobahn S 28 über Willich bis Viersen zu verlängern. In Zeiten des Klimawandels sowie vollgestopfter Bundesstraßen und Autobahnen werden die Rufe lauter und die finanziellen Mittel erreichbarer, für einen Teil des Kreises Viersen das ÖPNV-Angebot, also die Anbindung an die Landeshauptstadt, deutlich zu verbessern. Die Verantwortlichen in Verwaltung, Politik und Wirtschaft im Kreis Viersen kämpfen seit Jahren für die Verlängerung der S-Bahn-Strecke. Bislang scheitert das Infrastrukturprojekt am Veto aus Mönchengladbach. Dort fürchtet man durch die neue Trassenführung zu viele Beeinträchtigungen der Anlieger – vor allem für den Stadtteil Neuwerk und dessen Umgebung.

Doch im Laufe des Jahres ist in die Gespräche zwischen Politik und Verwaltungen im Kreis Viersen sowie in Mönchengladbach wieder Bewegung gekommen. Auch deshalb, weil die Stadt Mönchengladbach am Flughafen Veränderungen plant und dafür auch die Unterstützung aus Viersen und Willich braucht. Es ist klar, dass Landrat Andreas Coenen und Willichs Bürgermeister Josef Heyes (beide CDU) sowie Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) im nächsten Jahr wieder auf Gladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU) zugehen werden. Und um das Projekt S 28 endlich auf die Schiene zu setzen, hatte der Kreis Viersen eine Studie zur Pluspunkte-Sammlung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie hat der Kreis Viersen nun online veröffentlicht. Fünf Fragen und fünf Antworten dazu:

Wie verläuft die Strecke der S 28 und wie soll sie nach der Verlängerung verlaufen? Bislang startet die Regiobahn an der Haltestelle Mettmann-Stadtwald. Von dort führt sie über Düsseldorf und Neuss – jeweils mit Haltepunkten in den Innenstädten. „Seit Mai 2000 verkehrt die S 28 montags bis freitags tagsüber alle 20 Minuten, sonst alle 30 Minuten“, heißt es in der Studie des beauftragten Büros „Planersocietät“. „Es werden alle Haltestellen entlang des Linienwegs bedient. Hierdurch werden in den anliegenden Städten wichtige Ziele (zum Beispiel Medienhafen) angebunden und Umsteigemöglichkeiten (zum Beispiel Wehrhahn-Linie) geschaffen. Mit dem Hauptbahnhof Düsseldorf bindet die Regiobahn eine ganze Region an den Nahverkehr in Richtung Ruhrgebiet und Rheinland an. Hinzu kommen Umsteigemöglichkeiten zum Fernverkehr.“ Von Neuss aus fährt die Bahn nach Kaarst und endet an der Haltestelle Kaarster See.

Dort beginnt der stillgelegte Streckenabschnitt, der auf Wunsch aus dem Kreis Viersen wieder aktiviert werden soll. Geplant sind zwei Haltepunkte auf Willicher Stadtgebiet, in Schiefbahn und Neersen. Von dort geht es zum Viersener Bahnhof, wo der neue Endhaltepunkt der S 28 sein soll.

Die Verlängerung nach Viersen, die sich seit Jahren hinzieht, wird Westverlängerung genannt. Im Osten ist der Ausbau bereits im Gange. Von Mettmann-Stadtwald aus laufen derzeit die Bauarbeiten zur Verlängerung bis zum Hauptbahnhof Wuppertal. Die Aufnahme des Betriebs ist für Ende 2020 vorgesehen.

Wo liegen die Vorteile für Pendler? Im Prinzip auf der Hand. Denn wenn eine Stadt zwei neue Bahnhöfe bekommt, klingt das anno 2019 nach einem ziemlich sinnvollen Infrastrukturprojekt. „Die Stadt Willich würde von deutlich schnelleren Reisezeiten profitieren. Hier entständen mit der Reaktivierung der Bahnhöfe Neersen und Schiefbahn eine attraktive Verbindung in die Städte Viersen, Neuss und Düsseldorf“, heißt es in der Studie.

Aus Sicht der Gutachter ist der Haltepunkt Schiefbahn für 33 500 Einwohner in Alt-Willich, Schiefbahn und Wekeln interessant. In diesem Einzugsgebiet sei der Bahnhof binnen zehn Minuten zu erreichen. Gleichsam gibt es im Umfeld des Schiefbahner Bahnhofes 9100 Arbeitsplätze (Stand 2018) in den Gewerbegebieten Münchheide, Schiefbahn und Stahlwerk Becker.

Ähnlich positive Zahlen liefert das Planungsbüro für den Haltepunkt Neersen. Diesen könnten binnen zehn Minuten 21 800 Einwohner aus MG-Bettrath-Hoven, MG-Neuwerk, MG-Flughafen und Willich-Neersen erreichen. Andersherum gibt es im Umfeld 4190 Arbeitsplätze.

Welche Verbesserungen entstehen für die Pendler aus Willich und Viersen in Richtung Düsseldorf? Im Fazit ziehen die Gutachter einen Vergleich zum Ist-Zustand des ÖPNV-Angebotes in Richtung Düsseldorf-Innenstadt und zur Heinrich-Heine-Universität. Für den Bereich Willich-Schiefbahn vergeben die Experten dreimal ein Plus. Für die Menschen im Einzugsgebiet dieses Haltepunktes sollen sich nach der S 28-Verlängerung die Taktung verbessern, die Fahrtzeit verkürzen und weniger Umstiege ergeben.

Warum kommt auf Gladbacher Seite Bewegung in das Thema? Sowohl OB Reiners als auch die Gladbacher Fraktionen signalisieren wieder Gesprächsbereitschaft. Vor allem deshalb, weil für den Flughafen einige Projekte geplant sind. Es liegt eine Studie vor, nach der Mönchengladbach Potenzial hat, sich als Regionalflughafen zu entwickeln. „Seit Ende 2018 hält die Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach (EWMG) die Mehrheitsanteile (54,75 Prozent) am Flughafen“, heißt es im Gutachten. Zudem plant die Stadt auf der benachbarten Trabrennbahn eine Art interkommunales Gewerbegebiet. Ab 2022 – dann endet der Pachtvertrag der Rennbahn – dürften entsprechende Planungen forciert werden.

Mit Blick auf die Regiobahn kommt in Mönchengladbach vor allem der Haltepunkt Neersen ins Spiel, der nur 1000 bis 2000 Meter Luftlinie von Flughafen und Rennbahn entfernt liegt. Willichs Bürgermeister Heyes hat intern sogar schon signalisiert, dass der Begriff „MG-Flughafen“ mit auf dem Bahnhofsschild stehen könnte.

Und was soll das ganze Projekt kosten? 2015 wurden Investitionskosten von rund 70 Millionen Euro ermittelt. Diese dürften 2019 höher liegen. Die Gutachter prognostizieren dem Regiobahn-Projekt gute Chancen auf die Fördertöpfe von Land und Bund. Die Landesregierung hat dem Kreis Viersen bereits empfohlen, einen entsprechenden Bedarf anzumelden. Unterm Strich sieht der Gutachter die Möglichkeit, dass der Bund 60 Prozent der Kosten trägt. 30 Prozent blieben beim Land, zehn Prozent bei den beteiligten Kommunen.

Die komplette Analyse der Gutachter ist auf der Homepage des Kreises Viersen abrufbar:

kreis-viersen.de