Neue Notschlafstelle für Wohnungslose in Düsseldorfer Innenstadt

Obdachlosigkeit : Neue Einrichtung: Hier finden Wohnungslose in Düsseldorf ein warmes Bett

Die Stadt und die Franzfreunde haben eine neue Notschlafstelle in der Innenstadt für 80 Menschen eröffnet.

Wenn im Winter die Temperaturen sinken, wird es für Menschen, die keine Wohnung haben, kritisch. Denn bei kalten Temperaturen draußen zu schlafen, kann gefährlich werden. Die Stadt organisiert deshalb Angebote, um Menschen vor allem im Winter ein warmes Bett zu ermöglichen. An der Graf-Adolf-Straße hat dafür nun eine neue Notschlafstelle eröffnet. Doch wie ist die Nothilfe für Obdachlose überhaupt organisiert?

Wohin können wohnungslose Menschen gehen, wenn sie ein warmes Bett suchen?

Die Angebote sind meist getrennt – in welche für die Nacht und welche für tagsüber. In der neuen Notschlafstelle an der Graf-Adolf-Straße 73 ist Platz für 80 Personen. Hier können Männer, Frauen und Paare übernachten, die Bereiche sind abgetrennt. Die Zimmer sind barrierefrei erreichbar, auch Hunde können mitgebracht werden. Speziell für Frauen gibt es die Notschlafstelle Ariadne an der Querstraße 4 mit 20 Plätzen, und für Mädchen und junge Frauen den „Knackpunkt“ an der Grupellostraße 29 mit acht Plätzen. Die Drogenhilfe hält außerdem 14 Plätze für Männer und Frauen im „Up Stairs“ an der Erkrather Straße 18 bereit. Männer können außerdem im „Franziska-Schervier-Haus“ an der Kaiserswerther Straße 13  (42 Plätze) und an der Markenstraße 21 (44 Plätze) – dem Ausweichquartier, während die Unterkunft an der Harkortstraße renoviert wird – übernachten.

Was ist das Besondere an der neuen Notschlafstelle?

Besonders ist hier, dass zwischen verschiedenen Personengruppen differenziert werden kann. Es gibt Bereiche nur für Männer, nur für Frauen und für Paare. Außerdem können auch Frauen hier mit ihrem Hund übernachten – das gab es vorher noch nicht in Düsseldorf. Der Zugang zu den Zimmern ist barrierefrei, außerdem können hier auch Menschen aus EU-Staaten, die keine sozialrechtlichen Leistungen beziehen, übernachten. Diese wurden bislang oft abgewiesen. „Wir sind froh, dass die Stadt viele unserer Forderungen berücksichtigt haben“, sagt Julia von Lindern von der Obdachloseninitiative Fiftyfifty. Auch der Standort so nah an der Innenstadt ist für die Wohnungslosen besser als die bisherigen Stellen an der Aldekerkstraße in Heerdt und am Vogelsanger Weg in Rath. Diese beiden werden nun auch geschlossen.

Wo können sie den Tag verbringen?

Manche der Notschlafstellen sind den ganzen Tag über geöffnet, etwa Ariadne, die an der Markenstraße und das „Franziska-Schwervier-Haus“. Im „Shelter“ an der Liefergasse 3, dem Café Horizont an der Neusser Straße, dem Café Kola an der Erkrather Straße 18, dem Café Pur an der Harkortstraße 27 und dem Trebecafé an der Kölner Straße 148 (nur für junge Frauen) können sie zudem den Tag verbringen und finden dort nicht nur einen warmen Aufenthaltsort, sondern auch Beratung.

Wie viele Obdachlose gibt es in Düsseldorf überhaupt?

Die Zahl der Obdachlosen genau zu bestimmen, ist schwierig. In der Vergangenheit wurde meist an einem Stichtag gezählt. Diese Zählung ist aber nicht sehr zuverlässig. Im kommenden Jahr sei geplant, Obdach- und Wohnungslose genauer zu erfassen, sagt Miriam Koch, Leiterin des Amts für Migration und Integration, das sich auch um Menschen ohne Wohnung kümmert. Man gehe aber im Moment von etwa 400 Menschen aus.

Wie erfahren diese von den Übernachtungsmöglichkeiten?

In Düsseldorf sind mehrere Streetworker unterwegs, die die Menschen dort ansprechen, wo sie sich aufhalten. Ab dem kommenden Jahr hat die Stadt eine weitere Streetworker-Stelle geschaffen.

Wie läuft eine Nacht in der Notschlafstelle ab?

Wer in der Notschlafstelle übernachten will, muss rechtzeitig nach Öffnung dort erscheinen und „einchecken“. Dann bekommt er oder sie ein Bett zugewiesen. Bei denen, die Hunde dabei haben, wird mit den anderen Übernachtungsgästen abgestimmt, wo diese am besten unterkommen. Bei den Notschlafstellen, die am Morgen wieder schließen, müssen die Menschen die Zimmer dann wieder verlassen. Allerdings dürfen sie ihr Hab und Gut auch dort lassen, wenn sie vorhaben, die nächste Nacht wiederzukommen. In so einem Fall bekommen sie auch das gleiche Bett wie in der vorherigen Nacht.

Was bedeutet dieser Schritt im Kampf gegen die Wohnungslosigkeit?

Sicher begrüßen es die Träger der Obdachlosenhilfe, dass es nun ein neues und gutes Angebot für Wohnungslose gibt. Aber: „Eine Notschlafstelle ist nur ein Notnagel“, sagt Julia von Lindern. Wichtig wäre es, dauerhafte Lösungen zu finden, um die Menschen von der Straße zu holen. So wird auch bereits versucht, Wohnungen an die Menschen zu vermitteln, die sie mit eigenem Mietvertrag nutzen können. Im Dezember vergangenen Jahres hat die Stadt auch eine Kooperationsvereinbarung mit der Wohnungswirtschaft unterzeichnet, in der es auch darum ging, Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Von Seiten der Wirtschaft sei bis jetzt aber noch keine Wohnung beigesteuert worden, sagt auch Miriam Koch.

Für Ärger im Rathaus sorgte am Montag eine Pressemitteilung von Fiftyfifty, wonach die Stadt Schlafplätze und Aufenthaltsorte von Wohnungslosen, etwa vor dem Kommödchen, bis zum 17. Dezember räumen lassen wolle und den Hilfsorganisationen davor gerade einmal 24 Stunden Zeit lasse. Das sei eine glatte Falschmeldung, ja eine Lüge, teilte ein Stadtsprecher mit, tatsächlich gebe es bei der Stadtverwaltung keinerlei Pläne für eine Räumung.