Narren feiern zu laut: Anwohner stoppen Sitzung der Tonnengarde

Narren feiern zu laut: Anwohner stoppen Sitzung der Tonnengarde

Um 23.15 Uhr musste die Veranstaltung abgebrochen werden.

Düsseldorf. Die Stimmung war super bei der Brauhaussitzung der Niederkasseler Tonnengarde im Alten Bahnhof am Belsenplatz in Oberkassel. Knapp 200 Narren feierten ausgelassen, zumindest bis 20.45 Uhr, denn dann tauchte das Ordnungsamt zu ersten Mal auf. Nachbarn hatten sich beschwert, die Musik wäre zu laut. Zwar zeigten sich die Beamten verständnisvoll, doch die Musik musste leiser gemacht werden und die Stimmung ließ spürbar nach.

Um 23.15 Uhr kamen sie dann allerdings in das Brauhaus zurück und forderten die Veranstalter erneut auf, die Musik leiser zu machen. „Daraufhin haben wir uns entschlossen, die Veranstaltung abzubrechen“, sagte Geschäftsführer Dino Conti Mica, „das hat ja auch keinen Sinn mehr gemacht.“ Für ihn stellt sich die Frage, wie in Zukunft solche Veranstaltungen noch durchgeführt werden können.

Auch das Prinzenpaar, das um 21.30 Uhr auf die Bühne kam, zeigte sich wenig verständnissvoll. „Wir lassen uns doch das Feiern nicht vermiesen und rufen jetzt laut aus - dreimal Düsseldorf Helau.“ Anschließend fragte Christian II. provokativ in die Runde: „Wohnen denn in Oberkassel nur noch Spießer?“

Eine ganz eigene Form des Protestes legten die Musiker der Band Alt Schuss an den Tag. Sänger Rainer Lieverscheidt und seine Kollegen hatten kurzfristig Klebeband aufgetrieben, sich auf den Mund geklebt und kamen so auf die Bühne: „Ich habe nie gedacht, dass so etwas in einer Kneipe im Karneval um kurz vor 21 Uhr möglich ist. So etwas würde in Köln nie passieren. Die sind doch alle krank in der Birne."

Für ihn ist auch klar dass solche Veranstaltungen keine Zukunft haben, wenn schon um 20.30 Uhr der Lärmpegel auf ein Minimum reduziert werden muss: „Mit einer Wohnzimmernummer holst du keinen im Publikum ab, die Leute in den letzten Reihen hören ja nichts mehr und haben dann auch keinen Spaß mehr.“

Perfekt war das Desaster, als das Tonnenbauernpaar Thomas und Britta Damm zu ihrem Auto zurückkam. Während der Sitzung war ein Unbekannter in ihren Wagen geknallt und hat einen Schaden von 3000 Euro verursacht. „Das Auto wurde uns von einer Mietwagenfirma zur Verfügung gestellt, aber auf einem Eigenanteil von 1000 Euro bleiben wir hängen“, ärgerte sich Conti Mica.

„Ab 22 Uhr gilt die Nachtruhe, aber vorher kann auch nicht jeder machen, was er will“, meint Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann, „unsere Kollegen haben sich vor Ort umgeschaut und es beim ersten Besuch war schon ziemlich laut.“ Gleichzeitig beruhigt er auch die Narren: „An den tollen Tagen werden wir uns nicht um Lärmbeschwerden kümmern, da sind wir mit der Durchsetzung des Glasverbotes völlig ausgelastet.“