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Privater Raketenbau: Nano-Satelliten: Zwei Düsseldorfer auf Himmelfahrt

Privater Raketenbau : Nano-Satelliten: Zwei Düsseldorfer auf Himmelfahrt

Die beiden Männer haben einen Traum: In ein paar Jahren wollen sie einen Mini-Satelliten ins All schicken.

Düsseldorf. So ein Raketen-Start kann ganz schön ins Geld gehen. Vor allem, wenn er in Dänemark stattfindet und immer wieder verschoben werden muss. Das erste Mal, weil eine Spaziergängerin mit Hund gerade in der Nähe vorbeischlendert, als die Rakete in die Luft gehen soll. Das zweite Mal, weil das Boot streikt, das die Überreste der Rakete nach dem Flug wieder einsammeln soll. „Die Dänen sind da sehr streng. Wenn das Zeitfenster überschritten ist, wird der Start abgebrochen“, erzählt Alexander Müller.

Privater Raketenbau: Nano-Satelliten: Zwei Düsseldorfer auf Himmelfahrt
Foto: FAR

Beim vierten Starttermin gelingt der ersehnte Parabelflug bis auf eine Höhe von sieben Kilometern auf einem Militärgelände in Dänemark doch noch. Kostenpunkt: Rund 10 000 Euro für Material, viermalige An- und Abreise und Anmietung der Lkw. Doch den Konstrukteuren ist es das wert, zumal das Material mehrfach genutzt werden kann — sie tüfteln bereits am nächsten Exemplar. „Dann schaffen wir 20 Kilometer“, ist sich Roth sicher.

Roth und Müller sind Düsseldorfer und Mitglieder des Vereins Forschungsgemeinschaft Alternative Raumfahrt. Sie treffen sich regelmäßig in Frechen, tüfteln aber meist zu Hause an den einzelnen Komponenten für ihre Raketen. Diese sollen irgendwann einmal so leistungsstark sein, dass sie tatsächlich die 100-Kilometer-Grenze zum Weltraum überwinden. Dass dieses Ziel ein wenig verrückt klingt, streiten weder Roth noch Müller ab. Fremde reagierten oft irritiert, wenn sie ihnen von ihren Plänen erzählen: „Aber wir meinen das wirklich ernst.“

Bereits in zehn Jahren könnte der erste Nano-Satellit mit einer Rakete des Vereins in den Weltraum geschossen werden, schätzen die beiden. Die Kleinsatelliten wiegen wenige Kilogramm. Mit ihnen können zum Beispiel die Erdatmosphäre oder geophysikalische Veränderungen der Erdoberfläche untersucht werden. Der Verein will damit auch eine Alternative zur staatlich geförderten Raumfahrt bieten. Zwar mischten bereits private Unternehmen wie SpaceX und Virgin Galactic auf dem Markt mit, aber dies seien große Firmen mit einem Millionenbudget. Roths und Müllers Verein arbeitet günstiger — und umweltfreundlicher: So enthalten die professionellen Feststoffantriebe Chlor und setzten beim Abbrand ätzende Salzsäure frei. „Darauf verzichten wir.“

Weil der Verein kein Millionenbudget hat, würden er und Roth sich wünschen, dass die die Mitglieder die Raketen von Deutschland aus starten könnten. Das wäre deutlich billiger als immer nach Dänemark zu fahren. „In den vorigen Jahren war es aber unmöglich, dafür in Deutschland eine Erlaubnis zu bekommen“, erzählt Roth. Mittlerweile sind die Behörden etwas lockerer geworden. Im Dezember durfte der Verein eine Rakete vom Truppenübungsplatz Baumholder in der Eifel aus zumindest in Richtung Weltraum schießen. „Allerdings nur rund einen Kilometer hoch“, sagt Roth.

Roth ist erst 24 und unter den Vereinsmitgliedern nicht nur, weil er der Jüngste ist, eine Ausnahmeerscheinung. Roth hat anders als die meisten anderen Tüftler auch keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund: Er ist Linguist. Zu seinen Aufgaben im Verein zählt es deshalb auch, russische Dokumente zu übersetzen, in denen es um die Raumfahrt geht. Darunter auch ehemalige Geheimdokumente und Lehrbücher von Militärstudenten, die nach der Auflösung der Sowjetunion einfach ins Netz gestellt worden seien. „Das sind wirklich wertvolle Informationen“, sagt Roth, der sich gut vorstellen kann, selbst einmal in den Weltraum zu fliegen, ebenso wie Mitstreiter Müller: „Aber dann nicht mit einer selbstgebauten Rakete“, sagt der 52-Jährige und lacht.