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Nacht der Museen: Lange Schlangen vor den Eingängen

Nacht der Museen: Lange Schlangen vor den Eingängen

23.000 Besucher kamen zur Nacht der Museen — und nahmen zum Teil lange Wartezeiten in Kauf.

Düsseldorf. 23.000 Gäste freuten sich über die milden Frühlingstemperaturen in dieser langen Nacht der Museen. Sie warteten geduldig vor den Toren und in den Bussen. Die Rheinbahn hatte mit ihrem Shuttle-Dienst bestens vorgesorgt, nur die Taxi-Fahrer machten an der Heinrich-Heine-Allee wieder einmal einen Strich durch die Rechnung und blockierten beide Fahrspuren. In der Altstadt war selbst für Fußgänger kein Fortkommen.

Nacht der Museen: Lange Schlangen vor den Eingängen

Im Kunstpalast und in der Kunstsammlung drückten Aufseher permanent die Zähler für die Besucher — jeweils tausend Klicks pro Stunde. Marius Kratz, Wächter am Grabbeplatz, konnte angesichts von Menschenmassen und hochtourig gestellter Klimaanlage im großen Uecker-Saal kaum noch sprechen. Dennoch lächelte er: „Die Leute sind froh. Es herrscht eine euphorische Stimmung in allen Räumen.“ Leider mussten die Neugierigen oft eine halbe Stunde auf diese Stimmung warten, bis sie eingelassen wurden.

Nacht der Museen: Lange Schlangen vor den Eingängen

Ähnlich groß war der Andrang im Kunstpalast. Hier reichte die Besucherschlange bis zur Inselstraße, so verlockend erschien die Kunst des Wim Wenders im Haus. Junge Leute standen oft mit ihrem Handy vor den menschenleeren Breitwandbildern des berühmten Filmregisseurs, machten Selfies und kamen auf diese Weise mit auf die Bilder. Wenders selbst stattete den Gästen allerdings nur für ein paar Minuten einen Besuch ab.

Erstmals dabei war das Telefonie-Unternehmen sipgate im Hafen. Es lud in einen großen Hinterhof mit kleinem Amphitheater. Dort genossen die Besucher die „Netten Jungs Von Nebenan“, eine Band mit Punk und Ska. In den Büro- und Maschinenräumen gab es eine exquisite Kunstsammlung hochkarätiger Meisterwerke von Akademieprofessoren, wie man sie kaum in Düsseldorf findet. Der Künstler Cornelius Quabeck, Freund der Firmengründer, steuerte 92 Porträts der Mitarbeiter bei und verloste vier Gewinne für Besucher-Porträts.

W 57 ist die neue Studenten-Adresse an der Worringer Straße. Zalar & Katharina haben Haus, Innenhof, Hintergebäude und Kellergeschoss gemietet. Sie lockten mithilfe von Trockeneis zu dampfenden Getränken. Das Beste lag im Untergeschoss. Dort hatte der Gursky-Schüler Raphael Brunk aus einer Salzgrotte heraus ein kolossales Foto geschossen, das im Weltall zu schweben schien.

Die Nacht der Museen hatte kaum begonnen, da standen die Neugierigen schon vor dem Haus der Architekten, während im Inneren kein Durchkommen mehr war. Das lag an Frank Goosen, dem Multitalent aus dem Ruhrgebiet. Er zog pointensicher die Menschen in seinen Bann. Ein Typ aus dem Pott, wie er leibt und lebt. Schwarzer Pulli, Jeans. Vierschrötig. Er brauchte keine Erklärungen, wer er sei. Er legte einfach los, von Omma, Oppa, Vatta, Mutta, Theo und vor allem vom Laberfürsten. Ein Alter Ego ist diese Person: „Von nix eine Ahnung, aber immer eine große Fresse“, erklärte er, und alle applaudierten. Ein Schrebergartenmensch. Anfang der 1980er Jahre sei dieser Laberfürst für immer verstummt. Seine Nachbarn hätten eine Schweigeminute eingelegt. Aber Goosen war sich sicher: „Der labert noch im Sarg.“

Angesichts von Menschenmassen war Verzauberung kaum möglich. Eine Ausnahme bildete Kai 10, und zwar ausgerechnet mit strengen, abstrakten, minimalistischen Skulpturen. Das lag an Maren Maurer und ihren Freundinnen. Maurer ist ausgebildete Tänzerin und Meisterschülerin der Kunstakademie von Rosemarie Trockel. Sie vermittelte zwischen den statischen Objekten und dem eigenen Körper mit klar strukturierten Bewegungen. Wie selbstverständlich führte sie die Besucher im Rattenschwanz hinter sich her zu den zerbrochenen Gläsern der Französin Tatiana Trouvé, in denen sich ihr Körper spiegelte und brach.

Er geschah im NRW-Forum, wo der neue Ausstellungschef Alain Bieber sein hochgelobtes „Live-Magazin für Ideen“ startete. Die Besucher waren gespannt, aber die Helden gaben sich schüchtern. Pablo Wendel trat mitsamt „Varta-Bande“ und Akku-Rucksäcken auf, um reserviert über seinen Kunststrom zu berichten. Auch der alternative Musiker Christian Jendreiko tat sich als Redner schwer. Er träumte davon, Kolbes Jüngling aus dem Ehrenhof und Lehmbrucks Kniende zu vereinen - nichtwissend, dass dies nebenan im Kunstmuseum geschieht. Dass selbst die Düsseldorfer Elektromusik-Gruppe Stabil Elite, die bei Fans durchaus Kultstatus genießt, bei zwei Quizfragen passen musste, kann allerdings kaum Bieber angekreidet werden.