Düsseldorf: Nachbau der WM-Bar ist reif fürs Museum

Düsseldorf: Nachbau der WM-Bar ist reif fürs Museum

Helge Achenbach vermittelte die Kunst aus Düsseldorf nach Brasilien. Der Tresen von Claus Föttinger wird jetzt als kostbares Kunstwerk gehandelt.

Düsseldorf. Was war das für ein glücklicher Sommer 2014, als Helge Achenbach noch nicht inhaftiert war, sondern verschiedene Künstler ins brasilianische Strandparadies Bahia fliegen ließ, um den Nationalspielern um Jogi Löw das Leben am Wasser und in der Sonne so angenehm wie möglich zu machen. Wie immer bei Helge Achenbach ging es vor allem um Kunst.

Die ehemalige WM-Bar bleibt in Brasilien. Ein Nachbau ist jetzt im Fußballmuseum Dortmund zu sehen. Die Lampen zeigen berühmte Fußballer und Trainer.

Jede Menge Düsseldorfer Maler, darunter Stars wie Studenten, statteten die Lofts der Spieler aus. Claus Föttinger von der Ackerstraße wurde eingeladen, um eine WM-Bar zu gestalten. Das Geld kam allerdings nicht über den damals schon recht klammen Kunstberater, sondern über den Münchner Geschäftsmann Christian Hirmer. Und Föttinger war glücklich.

Der Künstler ist bekannt für WM-Bars. Die erste entstand in der Nähe des Hauptbahnhofs, als er schon 1990 mit Künstlerfreunden einen kunstvollen Tresen entwickelte. Später baute er unter anderem die Beuys-Bar im Malkasten und die Bar für die Sammlerin Julia Stoschek.

Über die WM-Bar in Brasilien erzählt Claus Föttinger: „Die Bar in Campo Bahia war der soziale Mittelpunkt der Fußballspieler. Da standen sie alle und schauten sich die Fußballspiele der gegnerischen Mannschaften an. Die Bar war zum Trinken und Fernsehschauen. Dort fanden auch die Mannschaftsgespräche statt.“

Das Besondere an ihr sind die Bilder, denn Föttinger ist Foto- und Videokünstler. Er erklärt: „Die Bar zeigt Fotos von Fußball-Ikonen wie Franz Beckenbauer und Sepp Herberger, Helmut Rahn beim 3:2 in Wankdorf, Andreas Brehme beim 1990er Elfmeter gegen die Argentinier, Helmut Schön mit Mütze und Pokal. Es ist die Geschichte des deutschen Fußballs aus den letzten hundert Jahren.“

Der Pfiff aber bestand darin, dass täglich aktuelle Bilder der Spieler aus den sozialen Netzen wie Facebook oder Instagram übertragen und direkt auf die Bar gepostet wurden, denn Föttinger nahm täglich zwischen hundert und 300 neue Fotos auf, die zu den 2500 alten Bildern hinzukamen. Damit überlagerten sich täglich neue Ereignisse mit alten Aufnahmen.

Die Bar aus Bahia bleibt am Strand, und trotzdem kommt sie nach Deutschland. In einer etwas kleineren Zweitfassung ist sie im Deutschen Fußballmuseum Dortmund gelandet. Föttinger hatte Jogi Löw und Oliver Bierhoff, den Nationaltrainer und den Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft, auf seiner Seite. Natürlich sagte auch der Dortmunder Museumsdirektor Manuel Neukirchner nicht Nein, als es in letzter Minute darum ging, den Tresen mit den Bildern zu integrieren.

Die Dortmunder hatten ja eigentlich ihr Haus nur für drei Weltmeisterschaften ausgelegt, und nun kam mit Föttinger die WM 2014 hinzu. „Ich war ein Glück für die“, sagt er. Dass Bundestrainer Jogi Löw sogar auf einer Lampe auftauche, mache die Szene im Museum noch attraktiver.

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