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Nach Gewalttat: Will Fortuna neuen Sicherheitsdienst?

Nach Gewalttat: Will Fortuna neuen Sicherheitsdienst?

Nach der Kritik eines Opfers von Gewalt ist Klüh unter Druck. Der Vertrag läuft aus.

Düsseldorf. Erst die bundesweite Kritik nach dem Trubel rund um das Relegationsspiel der Fortuna gegen Hertha BSC. Nun erhebt ein 33 Jahre alter Düsseldorfer, der beim Spiel gegen Bayern München im Oktober von einer Gruppe Männer brutal zusammengeschlagen wurde, massive Vorwürfe gegen den Ordnungsdienst der Arena.

Die Firma Klüh, bei Heimspielen mit 700 Ordnern für die Sicherheit zuständig, gerät immer mehr unter Druck.

Auch bei Fortuna sollen nicht mehr alle mit Klüh zufrieden sein. Nach WZ-Informationen läuft der Vertrag zwischen Verein und Unternehmen zum Saisonende aus. Ob er verlängert wird oder sich Fortuna neue Partner beim Thema Sicherheit sucht, ist derzeit unklar.

Nach außen hin geben sich alle Beteiligten einsilbig. Fortunas Pressesprecher Tom Koster will sich nicht konkret äußern, sondern sagt: „Wir haben den Eindruck, dass sich die Situation seit dem Vorfall gegen Bayern München verbessert hat.“ Über Inhalte oder die Laufzeit des Vertrages sagt er aber nichts. „Da herrscht Stillschweigen.“

Auch Klüh-Sprecher Wolfgang Osinski geht nicht auf die Zukunft ein: „Jedes Unternehmen versucht Leistungen zu erbringen, die dazu führen, dass Verträge verlängert werden.“ Generell sei das Verhältnis Klühs zur Fortuna „ein sehr gutes“. Dass beide Seiten im ständigen Kontakt stehen, sei normal. Ob es dabei auch um Verträge und die kommende Saison geht, ließ Osinksi offen, sprach stattdessen von „kontinuierlichen Abstimmungsgesprächen“.

Diese laufen verstärkt seit vergangenem Sommer. Seit Hans E. Lorenz, Richter beim Deutschen Fußball Bund, der Fortuna beim Thema Sicherheit die „Bundesligatauglichkeit“ abgesprochen hatte. „Es ist klar, dass der Düsseldorfer Ordnungsdienst total versagt hat“, sagte Lorenz mit Blick auf den Platzsturm während des Relegationsspiels.

Gab es beim Aufstieg noch viele Stimmen, die von einer Verkettung unglücklicher Umstände sprachen, ist der Fall beim Bayernspiel ein anderer. „Obi“, wie sich das Gewaltopfer nennt, weil er seinen richtigen Namen in keiner Zeitung lesen will, erwägt gar, ob er Klüh verklagt.

Er war nach Abpfiff zu seiner Freundin geeilt, die in einem anderen Block sitzt und ihn per SMS um Hilfe gebeten hatte, da sie sich von einer Gruppe Fortuna-Fans bedroht fühlte. Als Obi die jungen Männer zur Rede stellen wollte, schlugen sie sofort auf ihn ein, traten gegen seinen Kopf und zertrümmerten Teile seines Schädels. Stundenlang kämpften Ärzte um sein Leben, mussten ihn notoperieren. Nun hat der Logistiker eine Titanplatte im Kopf. Bis heute kann er nicht arbeiten.

Mittlerweile wurden drei Täter ermittelt. Zwei konnten durch Zeugenaussagen identifiziert werden, ein weiterer verriet sich durch einen Facebook-Eintrag. Laut Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen noch.

Doch Obi geht es nicht um die Täter, er kritisiert die Ordner. Einer sei bereits während des Spiels mehrfach auf die aggressive Gruppe hingewiesen worden. Doch anstatt einzuschreiten oder die Polizei zu rufen, sei er nach Spielende einfach gegangen. Später hätten andere Ordner den Ärzten nach der Erstversorgung nicht den kürzesten Weg zum Ausgang zeigen können.