Nach dem Rückzug von Hennes: Wie geht es mit der Kirche weiter?

Kirche : Nach dem Rückzug von Hennes: Wie geht es mit der Kirche weiter?

Neubesetzung der Pfarrstelle kann noch Monate dauern. Düsseldorfer Katholikenrat begrüßt den Kompromiss.

Der monatelange Streit nach der Beurlaubung von Ulrich Hennes, Stadtdechant und Pfarrer der Altstadtgemeinde St. Lambertus, wird nicht bis nach Rom getragen. Wie das Erzbistum Köln in einer gemeinsamen Erklärung mit Hennes am Mittwoch mitteilte, wurde die Auseinandersetzung um die Entpflichtung des Seelsorgers beigelegt. Unklar ist, wie es nun in der katholischen Kirche weitergehen wird. Möglicherweise werden die Pfarrstelle der Gemeinde St. Lambertus und das Amt des Stadtdechanten über längere Zeit unbesetzt bleiben.

Wie es in der Erklärung heißt, habe es ein „eingehendes Vier-Augen-Gespräch“ zwischen Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und Hennes gegeben. Der hatte daraufhin seinen Verzicht auf die Ämter als Stadtdechant und Pfarrer von St. Lambertus erklärt. Damit habe er, so der Kardinal, „den Weg für einen Neuanfang frei gemacht.“ Im Gegenzug darf Hennes ab sofort wieder als Priester wirken. Es sei auch noch völlig unklar, wo der Seelsorger in Zukunft eingesetzt werde.

Für Marco Schmitz, Beisitzer im Düsseldorfer Katholikenrat, ist der Kompromiss eine gute Lösung: „Wir sind grundsätzlich damit zufrieden. So sind beide Seiten gesichtswahrend aus der Auseinandersetzung gekommen. Aber die katholische Kirche hat in diesem Streit verloren.“

Völlig unklar ist, wie es in den nächsten Monaten weitergeht. Christoph Heckeley, Sprecher des Kölner Erzbistums, erklärte, das „zeitliche Procedere“ zur Wiederbesetzung der Stellen lasse sich zurzeit nicht beantworten: „Erfahrungsgemäß gibt es kein ‚Normalmaß’ für die Dauer des Wiederbesetzungsverfahrens. Jede Stellenbesetzung ist ein individueller Vorgang. Offene Stellen werden im Amtsblatt des Erzbistums Köln ausgeschrieben; das Auswahlverfahren braucht ebenfalls seine Zeit. Die Dauer des Wiederbesetzungsverfahrens wird personell durch die Ernennung von Vertretern für die verschiedenen Positionen überbrückt.“ Die Einzelheiten dazu seien in den Bestimmungen des Kirchenrechts festgelegt.

Hinzu kommen praktische Aspekte, denn Ulrich Hennes wohnt noch im Pfarrhaus. Bis seine Zukunft geklärt ist, kann ein Nachfolger dort also nicht einziehen. Marco Schmitz hält es für wahrscheinlich, dass es eine Lösung zusammen mit der Wiederbesetzung beim Amt des Stadtdechanten geben könnte. Marco Schmitz: „Es war zwar nicht immer so, dass der Pfarrer von St. Lambertus auch gleichzeitig Stadtdechant war, aber auch sein Vorgänger war schon dort Pfarrer.“ Er hält es für wahrscheinlich, dass das Erzbistum die Stelle extern besetzt. Kommissarischer Stadtdechant ist zurzeit Hennes’ Stellvertreter Frank Heidkamp: „Ich bin sehr froh, dass  dem endlich ein Ende gesetzt worden ist. Das hätte nicht länger weitergehen dürfen.“ Er werde das Amt weiter kommissarisch ausüben, zum kommissarischen Vertreter als Pfarrer habe der Kardinal Joachim Decker ernannt.

Der Kardinal werden einen Nachfolger für das  Amt des Stadtdechanten vorschlagen, der dann dem Katholikenrat, den leitenden Priestern und dem Pastoral-Personal vorgestellt werde. Die können den Kandidaten zwar bewerten, haben aber nicht die letzte Entscheidung. Auch vor vier Jahren war man nicht mit dem ersten Vorschlag aus Köln einverstanden. So wurde 2015 schließlich Ulrich Hennes zum Stadtdechanten ernannt.

Manfred Philippen, Vorsitzender des Katholikenrats, begrüßt, dass endlich ein Schlussstrich unter die Angelegenheit gezogen wurde: „Auf der einen Seite tut es mir leid, dass Ulrich Hennes wohl nicht mehr in Düsseldorf als Pfarrer arbeiten wird. Aber es war wohl für beide Seiten das Beste. Offenbar wollte man sich ein langes Verfahren bis nach Rom ersparen.“

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