1. NRW
  2. Düsseldorf

Nach dem Dürresommer: Ausgangslage für Bäume und Wald ist schlecht

Klima : Bäume brauchen dringend Regen

Nach dem Dürresommer beobachtet das Garten- und Forstamt die sinkenden Niederschlagsmengen mit Sorge.

Die meisten Bäume sind ausgeschlagen. Düsseldorf erfreut sich am „Mai-Grün“. Doch jetzt sieht man die Folgen des Dürresommers 2018. Der Deutsche Wetterdienst hatte kürzlich sogar prognostiziert, dass die Dürre des Jahres 2018 sich wiederholen oder sogar übertroffen werden könnte. Mit schlimmen Folgen für die Wälder. „Wir können nicht in die Glaskugel schauen“, sagt Doris Törkel, Leiterin des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. Doch gemeinsam mit ihrem Kollegen Paul Schmitz, Leiter der städtischen Forstbehörde, betrachtet sie die Lage kritisch. Auch das Frühjahr 2019 ist bislang viel zu trocken.

Anfang Juni wird das Gartenamt der Politik im Fachausschuss für öffentliche Einrichtungen einen aktuellen Stand zur „Gesundheit“ der Straßenbäume geben. Doch es ist absehbar, dass immer mehr Bäume wegen der Klimaveränderung und wegen des Wassermangels „gestresst“ und damit krankheitsanfälliger sind. Und dann müssen sie leider auch gefällt werden, wenn sie nicht mehr standsicher sind. Im Vorjahr betraf das Anfang Juni kurzfristig 165 Bäume.

Doris Törkel sieht vor allem den fehlenden Regen als großes Problem. So kann sie sich kaum mehr über gute Wetter-Vorhersagen freuen. „Es müsste mal eine Woche durchregnen, das wäre gut für die tieferen Bodenschichten.“ Sie sagt: „Wir haben in Düsseldorf ein Defizit von 200 Millimetern (mm) Niederschlägen im Jahr und schieben diese Menge vor uns her.“ Das macht die nebenstehende Grafik für die vergangenen fünf Jahre deutlich. Die Messungen haben auch gezeigt, dass die Niederschlagsverteilung im Stadtgebiet teilweise sehr inhomogen ausfällt: Im laufenden Jahr hat es in den nördlichen Stadtteilen (ab Unterrath) weniger geregnet als im Rest Düsseldorfs. Dies könnte zu unterschiedlichen Anforderungen für die Planung der Verwaltung innerhalb der Stadt führen.

Aktuell besteht laut Forstabteilungschef Paul Schmitz noch keine Brandgefahr im Stadtwald. Die obere Bodenschicht (25 Zentimeter) ist noch feucht. Doch der Unterboden ist nach 2018 viel zu trocken. Weswegen die Experten im Gartenamt nun befürchten, dass nun selbst ältere Bäume unter dem „Trockenstress“ leiden werden. Schmitz sagt jetzt bereits: „Die Ausgangssituation der Waldböden ist schlechter als im letzten Frühjahr.“ Deshalb setzt Düsseldorf auf eine Baumartenvielfalt im Wald, das sei in Klimawandel-Zeiten wichtig. „Dann hat die Natur mehr Spielräume“, erklärt der Förster.

Bei der Neupflanzung von Straßenbäumen nutzt die Stadt ihre 2016 erstellte „Zukunftsbaumliste“. Hier sind Arten aufgeführt, die in der Lage sind, unter den zu erwartetenden Klimaveränderungen zu gedeihen und sich zu entwickeln. Die Liste werde stets ergänzt, man greife dabei auf bundesweite Erfahrungen zurück ebenso wie auf die Beobachtungen der städtischen Gärtner in der Landeshauptstadt. Als ein Zukunftsbaum wird dabei der Amberbaum aufgeführt. Der sei so gefragt, so Doris Törkel, dass er in den Baumschulen schon ausverkauft ist. Deshalb wird die städtische Gärtnerei den auch wegen seiner hübschen Herbstfärbung beliebten Baum selber ziehen.

Fällen lassen musste die Stadt bereits im Nordpark und in Uredenbach Ahornbäume. Die sind eigenlich ein kühleres Klima gewohnt, kommen mit dem Temperaturanstieg und Hitze nicht klar und werden anfällig für Parasiten. Im Stadtwald hat Paul Schmitz eine weitere Beobachtung gemacht: Buchen, die an den von Sturm Ela aufgerissenen Waldränden nun schutzlos stehen, bekommen auf der Rinde „einen Sonnenbrand“. Die Folge: die Rinde platzt ab, wenn die Buche zu viel verliert, stirbt sie. Der Borkenkäfer bringe, laut Schmitz, weiterhin die Fichten um, von denen es im Stadtwald aber nur wenige gebe. Glücklicherweise springe der Käfer nicht auf andere Baumarten.

Die Eichen werden immmer stärker durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners befallen. Das warme Wetter und die Trockenphasen begünstigen dies. Das Gartenamt will dagegen vorgehen, indem es aktuell 750 der insgesamt 7500 Eichen in der Stadt mit einem Biozid besprüht. Standorte sind beispielsweise in der Nähe von Spielplätzen oder Schulhöfen, denn die Raupenhaare können bei Kontakt allergische Reaktionen auslösen.

Was kann die Stadt nun aber gegen die Trockenheit tun? An manchen Standorten — wie beispielsweise aktuell im Grünzug des Wohnviertels „Le Flair“ oder auf der Flinger Straße in der Altstadt, sieht man, dass die Jungbäume wieder mit grünen Wassersäcken bewässert werden. Diese Maßnahme ergreift die Stadt erst seit wenigen Jahren. Gartenamtschefin Doris Törkel berichtet: „Wir haben mit den Gießsäcken gute Erfahrungen gemacht.“

Bleibt es im Mai jedoch weiter trocken, müsse man Sonderbewässerungsaktionen starten. Einen offiziellen Aufruf an die Bürger, die Straßenbäume, insbesondere die jungen Pflanzen, jetzt schon zu gießen, will die Stadt zunächst noch vermeiden. „Soweit sind wir nocht nicht,“ sagt Doris Törkel. Aber freuen würde sie sich schon. Denn sie sagt auch: „Zu viel Wasser gibt es nicht. Jeder Wassertropfen ist gut!“