Nach dem Abi als Lehrerin nach Afrika

Nach dem Abi als Lehrerin nach Afrika

Die Düsseldorferin Lena Jäkel ging nach dem Abitur für ein Jahr nach Namibia. Eine ereignisreiche Erfahrung vorm Studium.

Düsseldorf. Namibias Winter sind kalt. Zum Glück konnte Lena noch irgendwo einen kleinen Heizkörper besorgen, obwohl ab und an der Strom ausfällt. Denn der nächste kleinere Ort, Okakarara, ist zehn Kilometer entfernt. Und überall nichts als dieser rote Sand. Das Leben in Namibia ist anders, daran musste sich die 20-Jährige erst gewöhnen. Missen will sie diese Erfahrung aber nicht. Die Abiturientin war ein Jahr in Ongombombonde, nahe des Waterberg Plateau, Namibia, und unterrichtete Englisch und Kunst an einer Grundschule. Für Schulabgänger, die noch vor der Berufswahl stehen, kann ein Jahr Freiwilligendienst Orientierungshilfe sein.

Lena wollte schon immer etwas mit Kindern machen. „Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Geschwister habe“, sagt sie und erzählt von ihrem Nebenjob als Babysitterin. Das Ziel spielte keine Rolle, als sie sich 2010 bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GiZ) bewarb. Hauptsache, ihre Aufgabe würde anspruchsvoll sein. „Ich wollte helfen und auch etwas über mich selbst lernen“, sagt sie und erzählt immer wieder von „meinen Kindern“, wenn sie ihre Schüler meint.

Lena und die anderen Freiwilligen aus aller Welt lebten in kleinen Bungalows auf dem Schul-Campus. „Ich habe viele Freundschaften geschlossen, vor allem mit meiner Nachbarin aus den USA.“ Geld hat sie nicht verdient, das GiZ übernahm aber alle Kosten inklusive Flug.

Zwei Schulklassen mit bis zu 40 Kindern hat sie unterrichtet. Sie gestaltete Stundenpläne selbst und dachte sich Aufgaben aus. „Ich habe vorher nie etwas mit Pädagogik zu tun gehabt, nur meine Mutter, die Lehrerin ist, hat mir Tipps gegeben“, sagt sie.

Das klappte richtig gut. Lena organisierte sogar eigenständig einen Buchstabier- und Schönheitswettbewerb. „Die Kinder haben sich so gefreut, solche Veranstaltungen gab es sonst eher selten“, sagt Lena und zeigt auf einen Stapel Abschiedsbriefe ihrer Schüler. In vielen Briefen steht, sie würden jeden Tag weinen und das Lächeln von „Miss Lena“ vermissen. „Es war viel härter, sich von den Kindern zu verabschieden, als damals von Freunden und der Familie in Deutschland. Die Kinder wissen ja nicht, ob sie mich je wiedersehen“, sagt sie.

Lena hätte nicht gedacht, dass sie so viel Verantwortung übernehmen darf. „Ich konnte die anderen Lehrer zwar alles fragen, das meiste habe ich allein gemacht“, sagt sie. Dazu gehörte es auch, für mehr Material im Kunstunterricht zu kämpfen. An eines konnte sie sich nie gewöhnen. „Es ist Tradition in Namibia, die Schüler bei Ungehorsam zu schlagen“, sagt sie, „ich habe andere erzieherische Methoden angewendet, etwa die kleine Androhung, dass der Computer-Kurs ausfällt.“

Bei den Kindern kam das an. So gut, dass sie auch außerhalb des Unterrichts den Kontakt suchten. Ihr verrücktestes Erlebnis? „Einmal steckte ein Schaf mit dem Kopf in einem Gitter meiner Tür fest. Gemeinsam mit den Kindern haben wir es befreit“, erinnert sie sich. Und dann waren da ja noch diese Ziegen, die sie jeden Morgen vor ihrer Tür verscheuchen musste. Im Oktober beginnt ihr Studium der Sozialwissenschaften. Nach ihrem Jahr in Namibia ist Lena jetzt für alles gewappnet. „Ich bin gelassener und kann die kleinen Dinge schätzen, aber auch den Alltag besser organisieren.“

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