Nach 45 Jahren ist Schluss: Adieu, Altstadt-Aldi

Nach 45 Jahren ist Schluss: Adieu, Altstadt-Aldi

Ein Nachruf auf einen Lebensmittelpunkt im Herzen der Stadt. Hier trafen sich Altstadtbewohner, Rucksacktouristen und Geschäftsleute.

Düsseldorf. Der freundliche Fifty-Fifty-Verkäufer, der den Kunden immer die Tür aufhält, auch schon mal den Dreck vorm Ladeneingang wegwischt, hat Tränen in den Augen: „Seit 45 Jahren gibt es den Laden hier, ich bin praktisch mit ihm aufgewachsen.“ Nicht nur er, sondern viele Altstädter, für die die Aldi-Filiale in dem zurückgesetzten Haus an der Flinger Straße die erste Adresse für Nahversorgung war. Jetzt ist das Haus verkauft. Aldi wollte bleiben, und die Altstädter wollten, dass Aldi bleibt. Doch die Miete — altes Thema in der Altstadt — soll zu hoch gestiegen sein. Aldi konnte oder wollte nicht mithalten, wird erzählt.

An Heiligabend, 14 Uhr, schlossen sich die Türen zum letzten Mal. Bald werden hier Schuhe verkauft. Draußen und drinnen letzte Diskussionen in vertrauten Grüppchen: Bedauern, trauern. Denn dies hier war mehr als nur noch eine Adresse des Discounters. Dafür sorgte schon die bunte Mischung der Altstadt-Multi-Kulti-Kunden.

Da waren zuerst einmal die alteingesessenen Düsseldorfer. Ja, die gibt’s noch — wie die „Omma“ mit ihrem Rollwagen, die vom ewig weißbekittelten Altstadt-Original auf Platt begrüßt wird („Wat macht dat Knie?“). Sie stehen in einer Reihe mit den jugendlichen Rucksackreisenden, die sich mal eben einen billigen Drink in der Plastikflasche kaufen, den schnieken Jungs aus dem umliegenden Business-Bezirk, die die Computer-Angebote abräumen, der Karriere-Frau, die ihren abgepackten Salat mit Karte bezahlt, die sie erst umständlich in der nachgemachten Designer-Tasche sucht. Die Schlange zischt, bleibt aber bei Laune.

Ja, es gab auch Problemkunden in der Altstadt, die zeitweise das Vorfeld des Ladens vom Aldi- zum Alki-Treff verkommen ließen. Da machte der Discounter kurzen Prozess und verbannte einfach die harten Sachen aus den Regalen. Das wirkte. Besser als Platzverweis.

Schon ganz früh in der Dämmerung kamen Einkäufer umliegender Restaurants und der kleinen versteckten Altstadt-Hotels, deckten sich palettenweise ein, karrten Wagenladungen raus mit Kaffee, Dosenmilch, Yoghurt, Broccoli, Orangensaft, Eistee Käse, verpacktem Lachs — die Italiener eher mit Tomaten und Mozzarella, die sie später ihren Kunden in mediterraner Atmosphäre trällernd servierten und sich insgeheim über das — für sie selbst — hervorragende Preis-/Leistungs-Verhältnis freuten. Na und? Ist doch Aldi-Süd, oder?

Jetzt nicht mehr. Kaum anzunehmen, dass sich die treuen Altstadt-Aldianer künftig unter die Kunden des streckenweise elitären Carlsplatzes mischen. Auch Rewe am gleichen Platz ist keine wirkliche Alternative. Der Keller im Kaufhof ist gut für manche Spezialitäten, für Grundnahrungsmittel aber doch reichlich teuer.

Der nächste Aldi-Laden ist jetzt in der Friedrichstraße. Der Weg ist weiter, die Preise mögen die gleichen sein. Die Atmosphäre? Kein Vergleich! Doch irgendwann, so heißt es, soll es eine neue Filiale geben. Wo? Auf der Kö angeblich, da, wo’s am Ende nicht mehr so teuer ist und aussieht.