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Musikschule: Förderverein drängt auf mehr Lehrer und Erweiterungsbau

Musikschule: Förderverein drängt auf mehr Lehrer und Erweiterungsbau

Online-Petition soll Druck auf Stadt erhöhen. Lehrermangel sorgt bei vielen Instrumenten für eine lange Warteliste.

Das Erlernen eines Instruments und musikalisches Verständnis sind für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern sehr hilfreich: Über kaum etwas herrscht beim Thema Bildung so große Einigkeit, wie über diese Ansage. In Düsseldorf allerdings kommt die städtische Clara-Schumann-Musikschule dem Bedarf schon lange nicht mehr nach, weil es an Lehrern und/oder Räumen mangelt: „Die Nachfrage ist seit Jahren deutlich höher als das Angebot“, räumte Peter Haseley, der Leiter der Musikschule, vor kurzem im WZ-Interview ein. Der Verein der Freunde und Förderer der Clara-Schumann-Musikschule will die Mangelverwaltung nun nicht weiter hinnehmen: „Wir wehren uns gegen die schleichende Reduzierung des Unterrichtsangebotes, weil Lehrerstellen einfach wegfallen“, sagt Michael Bremen, der Vorsitzende des Fördervereins.

Der Verein hat eine Online-Petition gestartet, die nicht nur für mehr Lehrpersonal trommelt, sondern auch für einen Erweiterungsbau der Musikschul-Zentrale an der Prinz-Georg-Straße in Pempelfort.

Schon den Umbau dieses Hauses hat der Förderverein vor Jahren mit beträchtlichen Mitteln unterstützt, auch jetzt klingt das Hilfsversprechen an die Stadt verlockend: „Dank großzügiger Spenden könnten wir ein Drittel der Erweiterungskosten finanzieren“, sagt Bremen. Der Erweiterungsbau soll fehlende Flächen in den Grundschulen der Stadtteile wenigstens zum Teil ausgleichen. Bremen: „Denn durch den Ganztagsbetrieb können Schulen ihre Räume immer weniger zu vertretbaren Zeiten der Musikschule zur Verfügung stellen.“ Der zuständige Kulturdezernent Hans-Georg Lohe zeigt sich aufgeschlossen: „Ende März treffe ich mich mit Michael Bremen zu einem Abstimmungsgespräch darüber“, sagt er.

Vor allem bei den begehrten Instrumenten Geige, Klavier, Gitarre oder Blockflöte sind die Wartelisten lang — und die Eltern erhalten bislang nur ein oder zweimal im Jahr eine Benachrichtigung zum Stand der Bewerbung. Die Kritik, dass die Warteliste immer länger werde und mittlerweile mehr als 3200 Einträge aufweise, kann Lohe zumindest relativieren: „Im Jahresverlauf wächst die Warteliste an, reduziert sich dann aber nach der Einteilung des Unterrichts im September.“ Tatsächlich, so Lohe, sei die Warteliste in den vergangenen zehn Jahren im Jahresdurchschnitt sogar geschrumpft, von 2571 (2008) auf 2299 Einträge (Ende 2017). Was freilich immer noch eine immense Zahl darstellt.

Dass derzeit zehn Prozent der Stellen bei den Lehrkräften unbesetzt sind, leugnet der Kulturdezernent nicht. Immerhin könne Musikschule seit Anfang diesen Jahres „die zukünftig freiwerdenden Stellen im Rahmen des Stellenplanes kurzfristig nachbesetzen“, so Lohe. Auch die angestrebte Einführung eines Online-Anmeldeverfahrens soll eine bessere Zuordnung von Anmeldewünschen und personellen Kapazitäten bringen, damit möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Musikschule aufgenommen werden können. Im Kulturausschuss räumte Lohe jedoch ein, dass man bei der Realisierung des Online-Anmeldeverfahrens noch ziemlich am Anfang stehe.

Parallel soll die Clara-Schumann-Musikschule besser mit den Ganztags-Grundschulen kooperieren, und zwar räumlich, zeitlich und inhaltlich, um die Ausnutzung der Unterrichtsstunden und Raumkapazitäten zu optimieren. Lohe glaubt, dass auch eine gezieltere Beratung von Eltern und Schülern über Fach, Lehrer, Unterrichtsorte und -zeiten oder Standortwechsel sowie die kontinuierliche Abfrage und Aktualisierung der Warteliste (z.B. bei Umzug) die Lage entspannen.