Montessori macht Fernsehen: Moderieren, Filmen, Schneiden

Montessori macht Fernsehen: Moderieren, Filmen, Schneiden

Auszeichnung: Auf dem dritten Platz landeten die Hauptschüler der Montessori-Schule bei einem bundesweiten Filmwettbewerb. Die Medien-AG schneidet auch das gesamte Schuljahr mit.

Düsseldorf. "Umgedreht - aus 1 mach 2" heißt ein vierminütiger Film, den Schüler der Medien-AG aus den achten und zehnten Klassen der Montessori-Hauptschule im vergangenen Jahr auf ihrem Schulhof drehten. Bei einem bundesweiten Filmwettbewerb von Elektronik-Hersteller Panasonic gewannen die Düsseldorfer jetzt den dritten Preis und ließen 28 andere Schulen hinter sich. Anlass für den Kurzfilm war ein Video auf der Internet-Plattform Youtube. "Wir suchen da fast täglich Videos und kamen so auf die Serie ,RTL erklärt die Welt’", erzählt der 18-jährige David Neuerburg. "Da ging es um Emos, also Schüler, die oft deprimiert sind. RTL hat da die Wahrheit absichtlich völlig verdreht."

Welche falschen Eindrücke mit einem Fernsehbeitrag vermittelt werden können, zeigen die Schüler mit ihrem Film am Beispiel der eigenen Schule. "Wir wollen ihnen vermitteln, dass man die Medien immer hinterfragen muss und wie zwischen Nachricht und Kommentar zu unterscheiden ist", sagt Medienlehrer Bernd Kowol. Er betreut die AG und hat mithilfe anderer Lehrer und Sponsoren einen Medienraum in der Schule mit Kameras und Schnitttechnik eingerichtet. Dort werden das ganze Schuljahr über Filmbeiträge bearbeitet. "Die Schüler haben den Bunkerabriss dokumentiert und Beiträge über Projekttage, unser Schulbüdchen und den Tag der offenen Tür gedreht", sagt Kowol.

Für den Wettbewerbsfilm haben sie mit einer kleinen Kamera gestellte Gewaltszenen auf dem Schulhof gedreht und ein Interview mit Schulleiterin Birgit Planken so geschnitten, dass der Eindruck einer Problemschule à la Rütli entsteht. Moderator George Sotiriadis (16) hatte dabei einen schweren Job: "Es war saukalt und schwer nicht zu lachen. Außerdem musste ich die meisten Texte auswendig lernen." Im zweiten Teil des Films werden der wahre Alltag an der Schule gezeigt und die Aussagen der Direktorin ins rechte Licht gerückt. "Die Statements aus beiden Teilen stammen aus dem selben Interview", sagt Planken noch immer erstaunt. "Ich hätte selber nicht gedacht, dass man so einfach einen so falschen Eindruck vermitteln kann."

Den Beitrag für den Ausscheid "Kid Witness News" einzureichen hatte eher praktische Gründe. "Es hieß, jede Schule, die mitmacht, bekomme eine neue Kamera für weitere Projekte kostenlos zur Verfügung gestellt", erzählt der Medienlehrer. "An einen Preis hätten wir nie gedacht."

Umso überraschter waren Kowol und die Schüler, als sie im Januar die Nachricht erhielten, die renommierte Jury um Musiker Samy Deluxe und mehrere Filmproduzenten und Fernsehjournalisten habe ihren Beitrag zum Drittbesten von bundesweit 31 Eingereichten gekürt. "Das zeigt, dass das Etikett Hauptschule nichts über Kreativität und Leistungsfähigkeit der Schüler aussagen muss", meint Schulleiterin Birgit Planken. Zur Belohnung gab es eine neue Kamera als Geschenk. Die Geliehene darf die Schule ebenfalls behalten, da Bernd Kowol seine Schüler schon für den nächsten Wettbewerb angemeldet hat. Dann aber mit neuer Besetzung, denn die Fernsehmacher der aktuellen zehnten Klasse sind dann raus aus der Schule.

Mehr von Westdeutsche Zeitung