Mobilität: Mobilität zur Miete: Jetzt auch auf Dauer

Mobilität : Mobilität zur Miete: Jetzt auch auf Dauer

Car- und Bikesharing sind längst im Alltag vieler angekommen. Neue Angebote bieten das auch dauerhaft. Doch ist das Teilen hier wirklich immer sinnvoll?

Wer braucht noch ein eigenes Auto oder Fahrrad, wenn man beides auch zur Miete haben kann? Nachdem Car- und Bikesharing-Angebote immer weiter verbreitet sind, gibt es nun die nächste Stufe. Man mietet nicht nur für eine Fahrt, sondern direkt monatsweise. So ist das Fahrzeug auch immer verfügbar, wenn man es braucht. Um die Wartung muss man sich trotzdem nicht selbst kümmern.

Fahrräder und E-Tretroller lassen sich monatlich mieten

Immer öfter fallen im Düsseldorfer Stadtgebiet Fahrräder mit hellblauem Vorderrad ins Auge. Dabei handelt es sich um „Swapfiets“. Das holländische Unternehmen bietet Fahrräder zur Miete an. Für etwa 20 Euro im Monat verspricht es, jederzeit ein funktionierendes Rad zu haben. Ist mal etwas kaputt, wird es noch am selben Tag repariert oder das Fahrrad ausgetauscht – ohne Extra-Kosten.

Auch an E-Tretrollern kommt man in Düsseldorf wie auch in anderen Städten kaum noch vorbei. Und auch diese gibt es nicht nur zur Miete im Minutentakt. Wer gerne einen eigenen Roller möchte, aber nicht so viel Geld ausgeben will, kann die E-Scooter auch im Elektrofachhandel, etwa bei Media Markt oder Saturn, mieten. Je nachdem, wie lange man sich binden will, sind die Flitzer ab etwa 30 Euro im Monat zu haben. „Jetzt musst du nie wieder den vollen Kaufpreis bezahlen oder dich heute auf etwas festlegen, das du morgen schon nicht mehr brauchst“, wirbt die Plattform Grover, die die Miete für die Elektro-Geschäfte organisiert. Schäden und Reparaturen sind auch hier abgedeckt – genau wie Versicherung und Nummernschild.

Und auch die großen Autovermietungen bieten mittlerweile Langzeitmieten an. Bei Sixt etwa gibt es ab 299 Euro im Monat den Wagen vor der Tür, bei dem man sich um Tüv, Versicherung und Reifenwechsel keine Gedanken mehr machen muss. Doch was bedeutet die neue Miet-Mobilität eigentlich für den Verkehr in den Städten?

Über die neuen Angebote bei der Fahrrad-Vermietung freut sich der Düsseldorfer ADFC. „Wir begrüßen jede Möglichkeit, Menschen auf das Fahrrad zu bringen“, sagt Jan-Philipp Holthoff. Immer mehr Menschen suchten nach einem Rundum-Sorglos-Paket – und das finde man dort. Die Qualität der Räder sei ordentlich, bei einer Panne gebe es schnelle und unkomplizierte Hilfe, das Risiko sei überschaubar. „Düsseldorf ist eine Stadt mit vielen Menschen, die hier auch nur vorübergehend leben, lernen und arbeiten“, sagt Holthoff weiter. Gerade für die sei so ein Angebot praktisch, da sie ein Rad eventuell nur für wenige Monate brauchen.

Zukunftsnetz sieht E-Tretroller kritisch

Auch das Zukunftsnetz Mobilität NRW, das von Unfallkasse NRW und Landesverkehrsministerium gefördert wird, sieht die Miete von Fahrrädern positiv. Kritischer sind die Experten, was E-Tretroller angeht. „Grundsätzlich sehen wir die Vermietung von E-Tretrollern kritisch, weil wir E-Tretrollern grundsätzlich skeptisch gegenüber stehen“, sagt Sharon Beatty, Sprecherin vom Zukunftsnetz. Denn es gebe ein hohes Unfallrisiko und sie seien für die meisten kein Ersatz für andere Verkehrsmittel.

Was das Auto angeht, könne vor allem stationsbasiertes Carsharing helfen, den Verkehr zu entlasten. Also die klassische Autovermietung, bei der man bei Bedarf einen Wagen von einer Station abholt, nutzt und ihn danach wieder zurückbringt. Das könne den Bedarf an Zweitwagen eindämmen – vor allem, weil hier nur das Auto genutzt wird, das man gerade braucht.

Nicht alle Angebote helfen bei der Verkehrswende

Denn was bei der Entlastung des Verkehrs helfe, seien vor allem attraktive Alternativen zur Fahrt mit dem Privatauto. „Aber nicht alle dieser Angebote zahlen tatsächlich auf die Verkehrswende oder eine Veränderung des Modal-Split ein“, sagt Sharon Beatty. Das heißt: Nicht alle Mietangebote helfen, den Verkehrsmix zu verbessern oder eine bessere Wahl des Verkehrsmittels zu unterstützen.

Ob sich das Teilen finanziell lohnt, kommt immer auf den Bedarf der Nutzer an. Der E-Roller, den man nun dauerhaft mieten kann, kostet im Fachhandel 499 Euro. Nach 16 Mietmonaten hat man die bei der längsten Mindestdauer erreicht – Vorteil vielleicht: Im Winter, wenn man eher ungern auf den Tretroller steigt, kann man die Miete unterbrechen. Auch ein vernünftiges Fahrrad ist für 500 Euro aufwärts zu haben. Das wären 25 Swapfiets-Monate. Aber wer sein Rad täglich nutzt, hat in diesen zwei Jahren wahrscheinlich noch einige Kosten und Mühen für Reparaturen.

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