Mobbing an Schule in Düsseldorf: „Mein Kind durchlebt die Hölle“

Mobbing an Grundschule in Düsseldorf : „Mein Kind durchlebt an seiner Schule die Hölle“

Eine Mutter schildert, wie ihr Sohn an einer Düsseldorfer Grundschule täglich von Mitschülern in die Mangel genommen wird - und warum sie sich von Lehrern und der Schulleitung im Stich gelassen fühlt.

Jedes dritte Kind an Haupt-, Gesamt- oder Sekundarschulen hat Angst vor Mobbing. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Dass aber schon an einigen Grundschulen gehetzt, ausgegrenzt und geschlagen wird, zeigt nicht zuletzt das tragische Beispiel in Berlin Anfang dieses Jahres. Eine elfjährige Schülerin nahm sich das Leben. Ihre Eltern sind überzeugt, dass das massive Mobbing an ihrer Schule der Grund dafür war.

Auch die Düsseldorferin Katrin Müller (Name von der Redaktion geändert) macht sich große Sorgen um die Psyche ihres Kindes. „Mein Sohn wird massiv gemobbt. Und das nun schon viel zu lange“, sagt sie im Gespräch mit der WZ. Der Junge besucht eine Grundschule im Düsseldorfer Osten. Um ihn zu schützen, werden in diesem Artikel weder Namen noch andere Hinweise gegeben, die Rückschlüsse auf die Identität des Kindes zulassen.

Am ersten Schultag des Jungen fing es an. „Er kam nach Hause und zeigte mir sein neues Federmäppchen. Es war komplett beschmiert“, erinnert sich die Mutter. Erst dachte sie sich nichts dabei. Doch auch die folgenden Tage und Wochen vergingen nicht ohne Zwischenfälle. „Mein Sohn schämte sich plötzlich für seine Kleidung. Er sagte mir, er wolle keine Mädchenfarben mehr tragen, wie Hellblau oder Türkis. Einige Tage später bat er mich, mit ihm zum Frisör zu gehen, weil er gerne kürzere Haare hätte“, sagt sie. Um ihrem Kind zu helfen und ihm den Druck zu nehmen, gab die Mutter nach, kaufte neue Kleidung und begleitete ihn zum Frisör. „Ich ahnte aber, dass es damit nicht getan ist.“

Der Junge vertraute sich seiner Mutter an: Drei, vier Jungen seien es, die ihn täglich beschimpften und herumkommandierten. Dass sie ihn auch körperlich angingen, verschwieg der Schüler aber zuerst. „Ich sah diese vielen blauen Flecke und konnte mir schließlich nicht mehr vorstellen, dass sie nur vom Sportunterricht und vom Toben stammen sollten. Als ich meinen Sohn ansprach, platzte es aus ihm heraus. Er weinte ganz fürchterlich und erzählte mir, dass die drei Mitschüler ihn in der Garderobe der Nachmittagsbetreuung richtig vermöbelt haben.“

Die Schikanen gegen das Kind verschärften sich immer mehr

Die Mutter suchte das Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin, die die Aufsicht im Gebäude der Nachmittagsbetreuung führt. „Sie sorgte dafür, dass mein Sohn danach nicht mehr unbeaufsichtigt war und angegriffen werden konnte. In ihrer Obhut war er sicher. Außerhalb ihrer Reichweite spitzte es sich aber zu.“ Der Junge erzählte ihr, er sei auf dem Schulhof mit Stöcken geschlagen, in Pfützen geschubst worden. Schuhe und Jacke wurden versteckt, Mützen zerrissen oder in den Müll geschmissen. Gespräche mit den Eltern der Mitschüler scheiterten. „Es endete immer im Geschrei. Auch zum gemeinsamen Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin kamen die Eltern einfach nicht. Das Ganze blieb ohne Konsequenzen für sie“, sagt die Mutter. Für ihren Sohn wurde der Schulalltag zur Hölle.

Angesprochen auf die Situation in der Schule gab sich die Lehrerin ahnungslos, sagt die Mutter. „Mein Sohn wollte zunächst gar nicht, dass ich mit seiner Lehrerin rede, weil er Strafen befürchtete. Er meinte, die Lehrerin würde ihm auch im Unterricht nie glauben, wenn er ihr davon berichtet, wie die Mitschüler ihn ärgern. Eher bekäme er Strafen aufgebrummt, weil er den Unterricht störe.“ Der Lehrerin macht Katrin Müller bei all ihrer Wut aber keine Vorwürfe. „Sie ist jung, ich verstehe, wenn einen so etwas überfordert. Aber dann sollte sie sich Hilfe holen.“

Bis heute ist die Situation für den Zweitklässler unzumutbar. Auch ein Treffen mit der Schulleitung scheiterte bislang. „Ich versuche, meinen Sohn immer wieder zu stärken. Ich wünschte, er würde sich wehren. Aber er ist anders erzogen worden“, sagt die Düsseldorferin. Deshalb sucht die gelernte Erzieherin die Schuld mittlerweile bei sich selbst. „Ich glaube, das war ein grober Erziehungsfehler, dass ich meinem Sohn nicht beigebracht habe, sich durchzusetzen.“ Seit Monaten besucht der Junge regelmäßig einen Kinderpsychologen.

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Weil sich die Situation in der Schule aber eher verschlimmert als verbessert habe, denkt die Mutter heute über einen Schulwechsel nach. „Ich habe den Eindruck, von den Pädagogen in der Schule nicht ernst genommen zu werden. Im Gegenteil, ich gewinne den Eindruck, dass mein Sohn als Lügner dargestellt wird“, sagt sie. Sie hat Angst, was das nunmehr eineinhalb Jahre andauernde Mobbing bei ihrem Kind für psychische Schäden hinterlässt. „Ich kämpfe weiter. Egal, was die Leute in der Schule von mir halten“, versichert sie.

Nach einigen Versuchen die Schulleitung zu erreichen, hat diese der WZ gegenüber eine Stellungnahme abgegeben. „Wir gehen damit sehr professionell um, wir gehen jedem Verdacht nach und leiten gegebenenfalls auch rechtliche Schritte ein“, heißt es. Mit einem Hinweis auf den Datenschutz könne man sich aber nicht zu dem Einzelfall äußern. Auch hat die Schulleitung keine Erklärung dafür, warum sich die Mutter vom ersten Schultag an bis heute mit ihrem Problem alleingelassen fühlt. „Wir haben eigentlich ein sehr engagiertes Team. Wir werden der Sache intern nachgehen“, so dass Versprechen.

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