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Mobbing am Düsseldorfer Planck-Gymnasium: Psychologin soll vermitteln

Schule : Mobbing am Planck-Gymnasium: Schulpsychologin soll vermitteln

Schüler, Lehrer, Eltern und Schulleitung sollen gemeinsam eine Lösung finden. An vielen Schulen gibt es Probleme.

Jede Menge Porzellan zerschlagen wurde in den vergangenen Wochen am Stockumer Max-Planck-Gymnasium. Nachdem immer wieder Lehrer in sozialen Netzwerken beleidigt und beschimpft wurden, hatte Schulleiterin Corinna Lowin entschieden, dass zwei Klassenfahrten abgesagt und alle Aktivitäten, die nicht zum Unterricht gehören, eingestellt werden. Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft, nachdem mindestens ein Lehrer Strafanzeige erstattet hat, weil ein heimlich gemachtes und verfälschtes Foto von ihm im Internet veröffentlicht wurde. Anja Niebuhr,  Abteilungsleiterin des städtischen Zentrums für Schulpsychologie, weiß, dass dies kein Einzelfall ist: „Mobbing kommt an jeder Schule vor. In dem Fall ist die Sache aber so hochgekocht, dass normale Strategien nicht mehr reichen.“

Nun sei es wichtig, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und nach einer Lösung suchen, Eltern, Schüler, Lehrer und die Schulleitung. Denn Mobbing sei niemals das Problem von einzelnen Menschen. „Es gibt immer viele Andere, die davon wussten und nichts unternommen haben. Oder die Interneteinträge sogar geliked haben“, so die Diplom-Psychologin. Darum reiche es nicht, allein mit denen zu reden, die direkt betroffen sind, sondern auch mit den Mitläufern und Mitwissern. Man müsse den Schülern auch klar machen, dass sie keine „Petzer“ sind, wenn sie solche Einträge melden.

Notfalls sollte die Schulleitung
Strafanzeige erstatten

Im Fall des Max-Planck-Gymnasiums hätten sich die Vorfälle offenbar über lange Zeit gesteigert. Normalerweise sei es zwar besser, wenn es gelingt, solche Probleme intern zu lösen: „Eine Schulleitung sollte aber durchaus Strafanzeige erstatten, wenn es um die Fürsorge der beschäftigten Personen geht.“ Anja Niebuhr will gemeinsam mit anderen Experten versuchen, den Schulfrieden an dem Stockumer Gymnasium wieder herzustellen.

Beim Zentrum für Schulpsychologie wird übrigens auch den Opfern geholfen. Dort bekommen die Lehrer fachlichen Rat, wie sie mit der Situation umgehen können: „Bei manchen reichen fünf, sechs oder sieben Beratungsgespräche. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine psychotherapeutische Versorgung notwendig ist. Das können wir nicht leisten.

Außerdem weist die Diplom-Psychologin darauf hin, dass es Mobbing auch schon vor den Zeiten des Internets gab: „Damals nannte man das nur anders, Hänseln oder Streiche spielen. Schauen Sie sich nur einmal ‚Das fliegende Klassenzimmer’ an. Da wird ein Kind in einer Mülltonne unter die Decke gehangen. Streiche waren auch schon früher böse.“

Bezirksregierung will das
Vertrauen wiederherstellen

Eingeschaltet hat sich auch die Bezirksregierung als Schulaufsichtsbehörde. „Die Schulleitung stand und steht im Austausch mit Schülersprechern, Schülervertretung, Klassensprechern, Klassenpflegschaft und Schulpflegschaft“, erklärte eine Sprecherin, „diese Prozesse werden intensiv fortgesetzt und von der Bezirksregierung beratend begleitet, um konkrete Lösungsansätze zu finden, wie sich alle Beteiligten – hier insbesondere Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte – wieder vertrauensvoll begegnen können.“ Dieser Prozess bedinge auch, dass mögliche Lösungsansätze im Kreis der Beteiligten diskutiert werden.

Eine Unterstützung erfolge außerdem zu schulfachlichen, schul- und personalrechtlichen Fragen durch verschiedene Dezernate der Bezirksregierung Düsseldorf. Schule, Bezirksregierung und Schulpsychologie haben eine enge Zusammenarbeit vereinbart.