Mit Schutzweste und Uniform im närrischen Getümmel

Mit Schutzweste und Uniform im närrischen Getümmel

OSD-Chef Holger Körber behält auch im dichten Getümmel einen kühlen Kopf.

Düsseldorf. Es ist 13.30 Uhr, als OSD-Leiter Holger Körber seinen Streifzug durch die Altstadt beginnt. Kaum jemand der Altstadtbesucher ist an den 16 Glaskontrollstellen durch aggressives Verhalten oder Provokationen aufgefallen, es hat aufgehört zu regnen, die Stimmung ist gut.

Über die Bolkerstraße bahnt sich der Mitarbeiter des Ordnungsamts in blauer Uniform und gelber Warnweste seinen Weg vornehmlich durch Horden von trinkenden jungen Menschen. An der Ecke zur Schneider-Wibbel-Gasse blickt der 48-Jährige kurz nach links und nimmt ein weibliches Teufelchen ins Visier. Die junge Düsseldorferin und ihre Freunde haben gleich zwei Wodka-Glasflaschen dabei. „Wir sind überhaupt nicht kontrolliert worden“, sagt sie entschuldigend. Niemand ist aggressiv, als Körber sie bittet, den hochprozentigen Inhalt in Becher umzufüllen. Der OSD-Leiter ist zufrieden. Das passe zum Motto der rheinischen Fröhlichkeit: „Jux und Spaß und Dollerei, aber bitte scherbenfrei“.

Die Stimmung wird ausgelassener und droht an der Mühlenstraße zu kippen. Direkt vor einem größeren Aufgebot an Bereitschaftspolizisten geraten zwei junge Männer um eine weibliche Begleitung in Streit. Bevor die Fäuste fliegen, kommen die Beamten „angeflogen“, schnappen sich die beiden und drücken einen von ihnen gegen eine Hauswand. Schnell ist die Rangordnung klar und die Situation entschärft. Davon bekommt ein 28-jähriger wenige Meter weiter gar nichts mit. In einem Hauseingang uriniert er gegen die Tür. „Ich konnte nicht mehr einhalten. Und an den Toilettenwagen war es so voll“, lallt er. „Das ist es jetzt hier auch“, entgegnet Körber trocken. 35 Euro Bußgeld muss der „Wildpinkler“ zahlen. Allerdings erst in zwei Wochen nach entsprechendem Bescheid per Post. „Wir wollen den Leuten heute nicht die Kohle aus der Tasche ziehen“, sagt der OSD-Chef schmunzelnd. Nur ein Stück weiter wird der nächste Mann an einer Hauswand erwischt — zehn Meter neben einer Glaskontrolle des OSD.

Am Burgplatz haben derweil die Sanitäter alle Hände voll zu tun. Ein junger Mann mit blutüberströmtem Gesicht wird auf der Trage in einen Rettungswagen gebracht. Er ist offensichtlich betrunken. Das haben Jugendliche einer anderen Gruppe noch vor sich. Ein junger Düsseldorfer hat eine Glasflasche spanisches Bier in der Hand — gekauft in einer Gasse wenige Meter weiter. Körber zuckt sein Handy und instruiert seine Kollegen, dort vorbeizuschauen. Auch für die Wirte in der Altstadt gilt natürlich das Glasverbot.

Angenehmer wird es am Marktplatz. Der OSD-Leiter entdeckt eine Brautjungfer, deren fünf Meter lange Schleppe durch den Dreck schleift. Ganz Charmeur, nimmt Körber den weißen Stoff vom Boden auf und erntet dafür ein breites Lächeln der Frau.

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