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Mit DJ Tapesh in die Zeit der Bhaggy und zurück

Interview : Mit DJ Tapesh in die Zeit der Bhaggy und zurück

Am Donnerstag lässt Tapesh in der Altstadt den „Club 25“ aus der Bhaggy-Disco wiederaufleben. Im Interview erzählt der Düsseldorfer über seine DJ-Anfänge im Internat, wie er mit 15 in der Bhaggy-Disco Resident wurde und über seine internationale Karriere.

Tapesh ist einer der bekanntesten Düsseldorfer DJs. Geboren in Lübeck, ging er nach der Trennung seiner Eltern auf ein englisches Internat. Nach Umwegen über Hamburg und Köln kam er über seinen Vater nach Düsseldorf. Mit nur 15 Jahren begann er seine Karriere als Resident der Bhaggy-Disco an der Graf-Adolf-Straße. Inzwischen legt Tapesh international auf, ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Erinnern Sie sich noch an die erste Platte, die Sie sich gekauft haben?

Tapesh: Meine musikalischen Wurzeln liegen im Funk. Mein erstes Vinyl war von Shannon – “Let the music play”. Ich habe früher mein ganzes Geld für Vinyl ausgegeben. Ich weiß bis heute nicht genau, wie viele Schallplatten ich eigentlich besitze. Ich schätze über 20 000 Stück dürften es sein. Man kann schon sagen, dass es eine Art Sucht war, stets die neuesten Platten zu besitzen.

Sie waren als Jugendlicher auf einem Internat in Sheffield. Gab es dort schon erste Möglichkeiten, sich als DJ zu betätigen?

Tapesh: Ja, tatsächlich habe ich dort bereits für die Kinder-Disco aufgelegt – mit einem Kassettenrekorder und einem Schallplattenspieler.

DJ Tapesh belebt die Partyreihe „Club 25“neu. Foto: Frank Dursthoff

Sie haben danach schon als Teenager angefangen, professionell aufzulegen. Wie kam das?

Tapesh: Mein Vater war Teilhaber der Bhagwan Disco und für die Elektrik des noch neuen Clubs zuständig. Er nahm mich immer wieder mit zur Baustelle, wenn ich ihn während meiner Internatszeit in Düsseldorf besucht habe. Zur Eröffnung 1984 durfte ich sogar abends mit: Ich stand als Elf-Jähriger in der DJ-Box und staunte, und mir war sofort klar, dass ich das auch einmal machen will. Also durfte ich tagsüber in den Club und üben. Eines Tages war es dann so weit, und ich durfte meine „erste Nacht“ musikalisch gestalten. Von Chicago House über Funk bis hin zu Kraftwerk legte ich ein gutes Set hin, und von da an war ich Resident DJ der Bhaggy-Disco. Das war 1988, und ich war 15 und blieb in Düsseldorf.

In dieser Stadt klopft bei vielen das Nostalgie-Herz, wenn sie an die Bhaggy-Disco zurückdenken. Wie würden Sie rückblickend das Besondere des Clubs beschreiben?

Tapesh: Früher war man nicht Teil von Instagram und Co. Man brauchte zum Feiern keinen Sektkübel mit Feuerwerk oder tausende Selfies, man feierte ohne Social-Media-Gehabe – einfach für sich und seine Leute. Die Bhaggy-Crew und die Gäste waren damals wie eine große Familie. Wir hatten sehr viele Stammgäste, die fast jedes Wochenende kamen und sogar unter der Woche, wenn wir geöffnet hatten, auf einen oder zwei Drinks vorbeischauten. Damals gab es ja noch keine Mobiltelefone. Man wusste also: Wenn man sich treffen und eine gute Zeit haben will, dann fährt man eben in die Bhaggy, manchmal auch drei bis vier Mal in der Woche. Das alles lief nach dem Motto ab: Man trifft immer irgendwen, den man kennt, und hat einfach eine gute Zeit. Genau aus diesem Grund möchte ich gerne wieder so ein Club-Event starten.

Sie spielen auf den Club 25 an, die legendäre donnerstägliche Partyreihe aus der Bhaggy-Disco, die Sie ab Donnerstag im SILQ-Club in der Düsseldorfer Altstadt neu beleben.

Tapesh: Genau. Damals, Mitte der 90er, waren wir in der Bhaggy sozusagen die Vorreiter der Donnerstags-Veranstaltungen, und auch heute noch ist der Donnerstag in Düsseldorf ein Ausgehtag. Da das Publikum am Wochenende immer jünger wurde, wollten die damaligen Betreiber auch der Generation ab 25 Jahren ihre eigene Party geben. Angefangen haben wir mit 50 Gästen, die barfuß getanzt haben, und schon nach ein paar Monaten lief das Konzept so gut, dass wir immer wieder Einlasstop verhängen mussten. Die Leute kamen wirklich von überall her.

Und Sie waren zu dieser Zeit sogar regelmäßig bei RTL im Fernsehen zu sehen. Was war der Grund?

Tapesh: Ja, das kam durch den musikalischen Direktor von RTL Samstag Nacht zustande, der eines Abends auch in der Bhaggy-Disco zu Gast war und mich einfach ansprach, ob ich mir vorstellen könne, in der RTL-Samstag-Nacht-Band als DJ zu spielen. Ich habe natürlich zugesagt. Das war eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit, weil wir freitagmorgens immer circa zwölf Stunden aufgezeichnet haben und ich in den Nächten zuvor ja in der Bhaggy beim Club 25 aufgelegt hatte.

Wie fiel die Wahl auf die neue Location für den Club 25?

Tapesh: Der SILQ-Club ist seit knapp zwei Jahren meine Resident-Location. Ich habe dort ein super Team um mich herum und kann mir sehr gut vorstellen, dass das Konzept, einen elektronischen Donnerstag aufzubauen, genau dort hingehört. Am 9. Januar findet die Eröffnung statt, ab dann starten wir wöchentlich, immer ab 20 Uhr. Musikalisch erwartet unsere Gäste elektronischer Sound in all seinen Facetten, und alte Bhaggy-Gäste können natürlich damit rechnen, viele alte Bekannte zu treffen.

Sie haben schon zu Bhaggy-Zeiten in diversen anderen Clubs in Düsseldorf und Umgebung aufgelegt, inzwischen spielen Sie international. Wie hat sich Ihr Stil entwickelt?

Tapesh: Nachdem ich lange verschiedene Styles aufgelegt habe, habe ich irgendwann entschieden, nur noch elektronisch zu spielen und auch eigene Tracks zu produzieren. Durch die Produktionen auf verschiedenen Labels bin ich natürlich auch international bekannter geworden. So kam eins zum anderen, und ich wurde sehr viel im Ausland gebucht. So habe ich zum Beispiel mehrere Tourneen in Südamerika und Nordamerika und in Asien absolviert und habe unter anderem eine Residency auf Ibiza im Rahmen der Partyreihe ANTS im Club Ushuaia. Und auch 2020 werde ich natürlich wieder auf Ibiza spielen.

Auch wenn Sie jetzt eine alte Partyreihe neu auflegen, gehören Sie also in Bezug auf das Düsseldorfer Nachtleben nicht zu der Fraktion, die sagt: „Früher war alles besser“?

Tapesh: Nein, das Düsseldorfer Nachtleben bietet meiner Meinung nach für jeden Geschmack etwas. Es entstehen ja auch gerade viele neue Konzepte wie Club-Bars, Restaurants oder Pop-Up-Locations. Ich lege hier in meiner Heimatstadt sehr gerne auf – auch weil viele Gäste und Veranstalter aus den Clubs mich schon so viele Jahre begleiten. Wir haben somit alle eine gemeinsame musikalische Reise hinter uns und sind nach dem Motto „Forever Young“ auch gemeinsam gealtert, aber nur ein bisschen (lacht).