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„Mit dem Platz haben wir keine Zukunft“

„Mit dem Platz haben wir keine Zukunft“

Agon 08 hat nicht nur den ältesten, sondern auch den schlechtesten Kunstrasen der Stadt. Zahlreiche Spieler haben den Verein deswegen verlassen.

Düsseldorf. Manfred Novacek hat dieses Gespräch schon mehrere Dutzend Male geführt. Wann immer er in den vergangenen Jahren einen Spieler für die DJK Agon 08 verpflichten wollte, kamen irgendwann dieselben kritischen Fragen: „Was ist denn mit eurem Platz? Tut sich da mal etwas?“

Und schon beginnt für den 53 Jahre alten Vorsitzenden des Mörsenbroicher Sportvereins die Zeit des Hinhaltens und der Ausreden. Doch egal, was Novacek auch versucht, die meisten Spieler entscheiden gegen die DJK Agon, auch wenn es sportlich durchaus passen würde.

Der Grund dafür ist ein Fußballplatz, für den die DJK früher sogar beneidet wurde. Als einer der ersten Sportvereine in Nordrhein-Westfalen bekam Agon auf der Anlage an der Sankt-Franziskus-Straße Ende der 70er Jahre einen Kunstrasen.

Doch weil dieser seitdem nur einmal, in den 90er Jahren, saniert wurde, gilt der knochenharte „Flickenteppich“ bei den Düsseldorfer Fußballern als der mit Abstand schlechteste Platz der Stadt. Vielen graut es vor dem Auswärtsspiel bei Agon. Dort hinzuwechseln, kommt den meisten Spielern trotz der sportlichen Kontinuität des Bezirksligisten gar nicht erst in den Sinn. Die Verletzungsgefahr ist zu groß.

Seit Jahren versucht der Vorstand deswegen, die Stadt dazu zu bewegen, den Kunstrasen zu erneuern. Selbst Sportamtsleiter Udo Skalnik bestätigte erst Anfang dieses Jahres noch, dass die Anlage an der Sankt-Franziskus-Straße „relativ oben auf der Prioritätenliste“ sei.

Doch immer wieder steht am Ende der Diskussion eine Absage. Was Novacek auf die Palme bringt: „In den letzten zehn Jahren hat es überall um uns herum Erneuerungen von Plätzen gegeben, die viel neuer waren als unserer. Jetzt sind wir langsam mal dran“, sagt der Vorsitzende, der dieser Tage endlich Hoffnung hat. Was er genau von wem gehört hat, sagt er nicht, „aber es gibt Signale aus der Stadt, dass sich etwas tut“.

Eine Bestätigung gibt es dort auf WZ-Nachfrage nicht. „Der Rat der Stadt wird in seiner Dezembersitzung den Etat beschließen. Erst dann wird in die Detailplanung eingestiegen, welche Sportstätten saniert werden“, heißt es aus dem Presseamt. An Spekulationen, ob auch die DJK Agon berücksichtigt wird, möchte sich das Amt nicht beteiligen.

Auch auf der Liste des Sportausschusses, welche Anlagen 2014 saniert werden sollen, taucht Agon nicht auf. Stattdessen aber der SV Lohausen sowie TuS Nord, die jeweils einen zweiten Kunstrasenplatz erhalten sollen, und der Sportverein der Internationalen Schule.

Für Agon-Chef Novacek ein Unding: „Wir vergleichen das ja ungern, aber es gibt nicht viele Vereine in der Stadt, die so viel für die Kinder tun“, sagt er und verweist neben zahlreichen anderen Projekten auf die mehrfach ausgezeichnete, kostenlose Fußballschule, die der Verein jedes Jahr in den Sommerferien für die Kinder aus der nicht ganz einfachen Nachbarschaft ausrichtet.

Viele von denen strömen danach in den Verein, aber spätestens nach der D-Jugend sind sie wieder weg. „Von den Bambini bis zur D-Jugend haben wir alles, darüber gar nichts mehr. Keine C-, keine B- und keine A-Jugend. Auf dem Kunstrasen will einfach keiner spielen“, sagt Novacek, der sich sicher ist: „Mit diesem Platz haben wir keine Zukunft.“